Montag, 13. Oktober 2014

"Hörat doch uff mit d'r ewige Bruddelei!" - Normannia Gmünd gegen VfL Nagold


Entspannter Samstagnachmittag im Schwerzer?

Zugegeben: Schön war es nicht, was die heimische Normannia am Samstag aufs Parkett legte. Aber ist es nicht sinnvoller, einen Arbeitssieg einzufahren, als in Schönheit zu sterben? Erleichternd kommt zwar gewiss dazu, dass man hinterher immer schlauer ist, aber so ein Gebruddle wie zum Pausenpfiff war wahrlich zu viel Kritik. Für die Leser, die nicht mit der Gnade Gottes gesegnet  und des Schwäbischen unkundig sind: ein "Bruddler", das ist ein "Nörgler, Schimpfer, Meckerer" und meistens einer, der es sowieso immer besser weiß. Vielleicht erinnert sich ja jemand an den Film "Das Wunder von Bern" von Sönke Wortmann, wo zu Beginn so ein Bruddler beim Training von Rot-Weiß Essen ähnlich ins Spielfeld schimpft, um dann sogleich von Helmut Rahn per Kopfschuß zum Schweigen gebracht zu werden. Ja, und solche Bruddler bevölkern nun mal auch die Spielfelder im Schwabenland, und das Normannia-Stadion ist ein echtes Habitat dieser Zeitgenossen, bis es meinen Begleiter irgendwann einmal zu bunt wurde und zum Zornausbruch führte: "Hörat doch uff mit d'r ständige Bruddelei!"

Unermüdlich, auch bei Regen:
der "12. Mann".
Es war ein naturtrüber Samstag, herbstlich verregnet, und eigentlich war ich völlig unpässlich und hätte lieber geschwänzt. Wäre ich nicht noch am Freitag Gaetano Molinari über den Weg gelaufen - da kann man sich ja eigentlich schlecht der Pflicht entziehen, oder?

Etwas Trist war es auch im Vereinsheim, denn es wurde ein Pächterwechsel vollzogen. So wirkten die Wände ungewohnt leer, und die neuen Pächter öffneten nur provisorisch, um beim Heimspiel eine Bewirtung anbieten zu können. In Anbetracht der Umstände wurde dieses Provisorium gut gelöst, und da fallen fehlende Zitronen im Hefeweizen nicht weiter ins Gewicht. Offizielle Eröffnung soll am
15. Oktober stattfinden, und ich wünsche hierzu schon mal alles Gute.



Vorteilhaft erweist sich für mich, noch vor Fußballbereichsleiter Heinz Eyrainer die Mannschaftsaufstellungen erhalten zu habe, was er durchaus anerkennt. "Ist doch ein tolles Team, dass der Coach ins Rennen schickt", sage ich etwas zu selbstbewußt. Schließlich rechne ich mich ja nicht zu den 80 Millionen Bundestrainern. Die Aufstellung verdankte ich übrigens Nico Schoch vom Fanclub "12. Mann", der heuer auf Krücken ins Stadion hinkte. Keine Ahnung, was der Kerl angestellt hat, aber als echter Fan kriecht man eben notfalls noch auf den Brustwarzen zu seinen Verein.

Nicht gerade Trist, aber etwas Kohlefarben war das Mannschaftsdress meiner Normannia, die in einem ungewohnt anmutenden schwarz-grau gestreiften Dress auflief. "Da können wir ja heute gar nicht 'Come on your boys in red' singen" - "Dann vielleicht 'here comes the men in black'?" Ich weiß: das sind Erste-Welt-Probleme, die man nur als Fußballfan verstehen kann. Im Gegenzug wirkt Nagolds Keeper Gusenbauer, als wäre er als Kind in den Kessel mit Leuchtfarbe gefallen. Auch die Amateurfußballszene kennt ihre Modefragen.

Man in Black: Tobias Ex.
Unter den knapp 300 Zuschauern, die sich ins Normannia-Stadion verirrten, befand sich als besonderer Gast RB-Leipzig-Trainer Alexander Zorniger, der seiner alten Wirkungsstätte einen Besuch abstattete. Das fiel umso mehr auf, als meines Wissens zum erstenmal im Schwerzer der Name RasenBallsport Leipzig richtig durchgesagt und nicht als RedBull Leipzig verballhornt wurde.


Über den Gegner VfL Nagold läßt sich aus Sicht der Normannia-Historie sehr wenig sagen - traf man in einem Ligavergleich doch erstmals 2013/14 in der Verbandsliga aufeinander. Zum erstenmal übrigens ebenfalls im Oktober im Schwerzer, und damals siegte Normannia mit 2:0 über die Kicker vom Schwarzwald-Rand. Überbezirklich tauchten die Fußballer erstmals 1957 mit dem Aufstieg in die 2. Amateurliga, Staffel 4 auf, wo man auf Mannschaften wie der TSG Balingen, dem FC Tuttlingen, SC Schwenningen oder FV Rottweil traf. 1960 standen sie dort mit 9:47 Punkten ziemlich abgeschlagen auf den letzten Platz und hätten eigentlich in die A-Klasse zurückkehren müssen, wäre nicht die Schwarzwald-Bodensee-Liga eingeführt und der Abstieg ausgesetzt worden. So behielt die Mannschaft die Spielklasse, in der sie sich immer mehr Recht als Schlecht schlug. Der 7. Platz 1961/62 war die beste Platzierung in der damals vierthöchsten Spielklasse, aus der der VfL dann im Bundesligajahr 1963/64 mit 32:100 Toren und 8:48 Punkten endgültig abstieg. Den Sprung in die 1. Amateurliga Württemberg hat Nagold indes nicht geschafft, dies war wie oben erwähnt dem Verbandsligaaufstieg 2013 vorbehalten.

Aber zurück in die Gegenwart. Kurz vor Spielbeginn hörte es auf zu regnen, was eigentlich immer zum Vorteil gereichte. Die erste Halbzeit war allerdings tatsächlich geprägt von viel Kampf einerseits, ordentlich Krampf andererseits. Beiden Teams wollte nichts passables gelingen, und hinterher machte das Wort eines Fehlpass-Festivals die Runde. Das Herz blieb stehen, als Magnus Burkhardt bereits geschlagen war, aber Jochen Baß seinem Keeper die Treue und vor allem das Tornetz sauber hielt. Gut, an dieser Stelle hatte ich schon ein wenig Verständnis mit dem Gebruddle, aber kurz vor dem Seitenwechsel fing man an zu wünschen, ein knallharter verirrter Ball würde das Gemaule zu meiner Linken etwas dämpfen.












Eine torlose Halbzeit war jetzt sicherlich nicht das Schlimmste, Besorgnis bleibt nur zurück, weil man weiß, das ein simpler Konter des Gegners die Mannschaft in Rückstand geraten lassen kann.
Und so verfolge ich mit Interesse, was in den letzten 45 Minuten auf mich zukommen wird. Nach dem Seitenwechsel steht jetzt Nagolds Keeper direkt vor uns, und diese Platzwahl ist perfekt, denn verstärkt greift Normannia die Gäste an, auch wenn es wieder einmal am Abschluß hapert. Denn gar nicht lange, es ist die 53. Minute, da geht Normannia durch Marvin Gnaase in Führung, als dieser in einer Eckballsituation aus vollem Lauf abzieht!

Gell, da guckst! 1:0 für Normannia.

Gmünder Jubelknäuel.

Torjubel und ehrliches Aufatmen, ja, Erleichterung breitet sich bei mir aus. Der Schwabenstreich kam gerade zu rechten Zeit. Allerdings kam der VfL die weite Fahrt von Nagold in den Schwerzer nicht, um kampflos die Punkte zu überlassen, und so bleibt die Aufregung in diesem durch Fehlpässe und Mittelfeldtendeleien geprägten Spiel nach wie vor groß. Magnus Burkhardt im Gmünder Tor zeigte mehr als einmal seine Klasse.

Und dann kam die 88. Minute: da wird Gnaase im Strafraum gefoult, und Schiedsrichter Jens Neuffer aus Schramberg zeigt auf den Punkt.

Andreas Gusenbauer in Nagolds Tor ahnt, was jetzt kommt.
Der Elfmeter ist ein Fall für Guiseppe Catizone. Gusenbauer ahnt zwar die Ecke, aber die Schwerkraft hält ihn am Boden - 2:0!

Catizone tritt an, Gusenbauer ahnt die Ecke ....
.... die Schwerkraft ist auf unserer Seite...


.... und der Ball landet im Tornetz. 2:0!

Spielnachbetrachtung zwischen
Beniamino Molinari und Mario Gold.
Bei diesem 2:0 blieb es dann auch - war nicht schön, aber schön. Drei wichtige Punkte, keine Frage. Auch Fußballvorstand Mario Capezzuto strahlte sichtlich zufrieden, und Co-Trainer Veselko Karačić konnte sich ebenfalls zu einem lächeln hinreissen, derweil Coach Beniamino Molinari in der Spielnachbetrachtung mit Normannia-Fan Mario Gold steckte. So familiär ist halt Normannia.

Scheint zufrieden: Co-Trainer Veselko Karačić









Nico Schoch und Cornelius Röhrle
auf dem Weg zur Pressekonferenz.





Alles in allem schrie der Fußballtag nach einer kleinen Nachfeier im provisorischem Mannschaftsheim. Während die Mannschaft vom VfL Nagold recht bald die Heimreise antrat, entkam in den Katakomben des Normannia-Stadion Claus "Bredi" Breitenberger einer haartechnischen Veränderung zum schwäbischen Yul Brynner.

Und zu angerückter Stunde erscholl dann noch tatsächlich ein "We love Normannia" am Tresen, herausgeschmettert von unseren Brummbässen. Aber das sollte auch nur ein kleiner Vorgeschmack sein auf das Heimspiel gegen den FC Wangen in 14 Tagen. Denn dann kommt unser Meistersänger aus St. Pauli - Marco Köster - wieder zur Verstärkung in den Schwerzer-Rund!




Und die Moral von der Geschicht? Oktober + Schwerzer + VfL Nagold = 2:0 für Normannia. So war das 2013, und so ging es auch 2014 aus. Das ist die Gnade, dass die beiden Teams so selten in Ligaspielen aufeinander trafen

Sonntag, 12. Oktober 2014

Derendinger Höhenflüge ohne Moonwalk - TV Derendingen gegen Wacker München und TSV Glems

Erfolg macht durstig - Halbzeit in der Regionalliga-Partie.

Was macht eigentlich mein Zweitverein, der TV Derendingen 1900, mit dem ich ja eine Art "Fernbeziehung" führe? Die Männer hatten es bekanntlich nicht geschafft, noch an der Relegation zur Landesliga teilzunehmen, aber die Frauen stiegen nach einer spannenden Saison in die Regionalliga Süd auf, wo sie nun gegen sehr illustre Namen antreten.

In der Tübinger Gartenstadt war man zu Beginn der Saison 2014/15 auch nicht müßig, wohlwissend, das die Fußballgötter vor dem Erfolg den Fleiß gesetzt haben. Nichtsdestotrotz war man am "kleinen Bökelberg der Steinlach" nicht minder überrascht, einen bislang zufriedenstellenden Saisonstart hingelegt zu haben.

Im ungewohnten Umfeld der Regionalliga Süd bewiesen sich die Fußballerinnen des TVD als kecker Neuling, und zeigten mit je einem Sieg, Unentschieden und Niederlage in drei Spielen zwar Nerven, aber keineswegs Angs vor großen Namen. Wesentlich überraschter ist man in der Steinlach von den Männern, die nach 7 Spieltagen entgegen allen Erwartungen völlig überraschend auf Platz 1 in der Bezirksligatabelle lagen.

Für meinen Sonntagsausflug nach Tübingen - auf den ich mich auch schon richtig freute - wählte ich die Begegnung gegen Wacker München bei den Frauen und gegen TSV Glems bei den Männern.



















Der FFC Wacker, 1999 aus der Frauenfußballabteilung des Münchner Traditionsvereins FC Wacker entstanden, spielte sogar schon in der Frauenfußball-Bundesliga, vom TSV Glems habe ich ehrlich gesagt noch nie was gehört und kann über diesen Verein gar nicht so viel erzählen, taucht er noch nicht mal in den Tabellen der alten 2. Amateurliga von 1950 - 1978 auf.

Besonders neugierig war ich natürlich, wie sich die TVD-Frauen in der für sie ungewohnten Umgebung der Regionalliga schlagen werden. Nach drei Spieltagen wies man eine ausgleglichene Bilanz von einer Niederlage, einem Unentschieden und einem Auswärtssieg auf, während der Ex-Bundesligist mit zwei Siegen und einem Unentschieden im Gepäck an die Steinlach fuhr.

Die Zugfahrt erwies sich trotz Landesgartenschau und Volksfest als recht angenehm, und mein Besuch in Tübingen war zudem durch regelrechtes "Kaiserwetter" belohnt - da sollte doch eigentlich nichts mehr schiefgehen!

Bei meinem zügigen Spaziergang vom Tübinger Hauptbahnhof zum "kleinen Bökelberg" an der wie immer sehr von Joggern, Spaziergängern und Radfahrern sehr belebten Steinlach entlang spürte ich dann auch mit jeden Schritt eine Art "Heimkehr" in mir aufkommen. Und als dann endlich der Maultaschentempel des TVD-Vereinsheim in Sicht kam, war das Heimweh an diesen kleinen, unspektakulären Sportplatz endlich gestillt.

Derendinger Maultaschen-Tempel - Auch ohne Fußball
einen Besuch wert.

Auch zukünftige Zuschauer säumen
den Spielfeldrand.
Fußballballett der zweiten Mannschaft.











Bei meiner Ankunft bekleckerte sich gerade die zweite Herrenmannschaft in der Kreisliga B nicht mit Ruhm und Ehrenlorbeer gegen die zweite Mannschaft des TSV Gomaringen. Stand es beim Pausenpfiff noch 1:2, so ging das Spiel letztlich 1:4 verloren. Viel Zeit zum zuschauen hatte ich bei der Zweiten ohnehin nicht. Von weitem kam mir schon Helmut "Tschumle" Thurner entgegen, und begrüßte dann auch den "verlorenen Adoptivsohn des TVD" vom Remstal. Wie immer wurde ich sehr herzlich willkommen geheißen, und wir können erstmal in Ruhe über die Geschehnisse seit meinem letzten Besuch reden.

Zwar sind neue Auswärtsfahrten in der Regionalliga hinzugekommen, jedoch kommt Derendingen dabei relativ gut weg - wie eine Spinne liegt es zentral im Netz, und im Vergleich zu anderen Mannschaften der Liga hat man längst nicht so horrende Fahrten auf sich zu nehmen.

Dennoch kommen natürlich gestiegene Kosten für die Busfahrten hinzu. Um diese ein wenig zu reduzieren, bietet man neuerdings den Fans an, bei Auswärtsfahrten im Mannschaftsbus mitzufahren. Somit werden nicht nur die Ausgaben sowohl für Mannschaft als auch Fans gesenkt - man überlege, Busfahrten nach München, Frankfurt oder Wetzlar zum Dumpingpreis - sondern erhofft auch eine Unterstützung des TVD bei Auswärtsspielen.


Auch im Sportplatzbau ist Bewegung in die Sache gekommen - so wird der Sportplatz in alter Albvereinsmanier ein wenig wandern, um Platz für eine Stufenterasse zu schaffen.Der alte, begrünte Hang - zugegebenermaßen Fußballromantik pur, aber leider nicht mehr zeitgemäß - wird dann verschwunden sein.

Alles in allem liegt man also in Tübingen trotz Höhenflüge nicht auf der faulen Haut.


Funktioniert nur in Bayern.
"Vroni" auf dem Trikot.
Wie (fast) immer ist ja Supersonntag in Derendingen. Aus organisatorischen Gründen und um das Ehrenamt zu entlasten wird stets versucht, die Heimspiele des TVD an einen Tag stattfinden zu lassen. Und so ging es dann auch nahtlos weiter. Kaum das die zweite Mannschaft das Spielfeld verließ, standen sich die Spielerinnen des TVD und ihre Gäste aus der bayerischen Landeshauptstadt gegenüber. Bayerischen Humor, das mußte man den Wacker-Spielerinnen eingestehen, den hatten sie. Denn das Trikot der Torhüterin Veronika Gratz war mit "Vroni" beschriftet - dafür gibt es von mir einen dicken Sympathiepunkt.







Beschwörungen vor dem Spiel. Wacker in Schwarz, TVD in Rot.

Trotz des zugegebenermaßen originellen Torwarttrikots reicht der Sympathiepunkt natürlich nicht aus, meinem TVD untreu zu werden. Im Gegenteil - in einer sehr spannenden Partie benötigt Derendingen jegliche moralische Unterstützung, den Wacker leistet mit der Heimmannschaft einen offenen Schlagabtausch - sehr zur Freude der 170 Zuschauer, denen keine Langeweile aufkommt.

Spielführerin Nina Weiß - von der Wacker-
Abwehr verfolgt.
Tina Wurster auf der Suche nach einer
Anspielpartnerin.











Der TVD kennt keine Angst vor großen Namen. Wozu auch? Unermüdlich beackert man das Münchner Tor, so dass "Vroni" auch allerhand zu tun bekommt. Ihr Gegenüber, Melanie Bölzle im Tor des TVD, hat im Gegenzug allerdings auch keinen beschaulichen Nachmittag. Komme was wolle, der TVD geht verdient in Führung. In der 30. Minute nutzt Andrea Lorenz ein Gedränge im Wacker-Strafraum, und kann in diesem Durcheinander den Ball über die Torlinie befördern, womit sie sich nicht nur in die Torjägerinnen-Liste eintrug, sondern auch in die "Schwitzkasten-Elf des Tages" des Schwäbischen Tagblatts.
... an Torhüterin Veronika Gratz vorbei ...
Keine leichte Sache. Durch die Beine
von Rebecca Huyleur ....











... zum verdienten 1:0 für Derendingen!

Laßt der Frau doch etwas Luft zum atmen!

Kurze Zeit später hat Tina Wurster sogar die 2:0-Führung auf den Füßen, doch ihr Schlenker geht zu elegant an Vroni und dem Wacker-Tor vorbei.

Noch einmal Glück für München.
Kurz vor Seitenwechsel rappelt es aber dennoch in der Kiste - und wie! Selina Zürn kommt zu ihrem ersten Treffer für den TVD, indem sie eine Ecke verwandelt. War noch jemand dran? Möglich, schmälert aber den spektakulären Treffer in keiner Weise.

... und Tor! 2:0 für Derendingen!
Einfach geil: Eckball ....











Mit dem Seitenwechsel kann Trainerin Theresa Merk mit dem Spiel ihres Teams zufrieden sein, und das zeigt sie dann auch. "Zwei Tore mehr hätten es aber dennoch sein können" meint sie nicht zu unrecht, denn zur Pause hätte Derendingen locker 4:1 führen können.



In der zweiten Hälfte versuchte München, das Spiel herumzureissen, und greift verstärkt den TVD an. Einmal mehr zeigte Derendingen eine sehr geschlossene Mannschaftsleistung. Da war nie ein zurückstecken, stets ein attackieren, und die Abwehrleistung war wohl auch der Schlüssel für den verdienten 2:0-Sieg, der den kecken Aufsteiger den 4. Platz in der Tabelle brachte. Gut, Glück gehört auch dazu, denn die ansonsten gut leitende Schiedsrichterin Michelle Gerullis übersieht einen klaren Handelfmeter für Wacker München, der diese womöglich noch einmal zu einem Sturmlauf in der Schlußphase inspiriert hätte.

Vom Seitenaus schaut Cosima Schneider einer Flanke
von Münchens Tamara Kümmerle zu.

Hielt ihren Kasten sauber: Melanie Bölzle
Die Mannschaft ist in der Regionalliga angekommen, eindeutig. Die Truppe um Trainerin Merk überzeugt nicht nur spielerisch, sondern ist auch noch nach wie vor mit Spaß am Ernst der Sache.

Ist der Höhenflug der Frauen schon beeindruckend, so überraschen die Männer in der Bezirksliga Alb umso mehr. Fast schon in Rumpfelf-Stärke - Urlaub und Krankheit sorgen nicht gerade für gefüllte Auswechselbänke - hat sich die Mannschaft auf den ersten Tabellenplatz eingenistet. Und das nicht mal gegen eine Schar von Unbekannten. So wurde z. B. im Lokalderby Traditionsverein SV 03 Tübingen mit 4:1 von der Steinlach verabschiedet, und lediglich der bärenstarke Croatia Reutlingen hat bislang die Steinlach-Elf bezwungen.

Schichtwechsel. Unter Führung von Schiedsrichter Robert Todt
betreten die TVD-Herren die Arena. Der Mann mit dem Koffer
ist der unermüdliche TVD-Tschumle, Helmut Thurner.

Nun also der ambitionierte Aufsteiger TSV Glems, der mit 4 Auswärtsspielen in Folge in die Saison gestartet ist. Für die Derendinger kam nicht nur der kleine Kader erschwerend hinzu - nein, die Spieler feierten mit ihrem Trainer Peter Kaschuba in dessen 50. Geburtstag hinein, der dummerweise auf den Spieltag fiel. Die Frage war, ob die Mannschaft sich beim feiern ausgelaugt hat. Oder war das gar eine perfide Verschwörung? Schließlich trat Peter Kaschuba früher selber gegen den TV Derendingen an, und bereitete - wie meine Recherchen im Zeitungsarchiv ergaben - als Spielertrainer des TSV Eningen mehr als ein Tor gegen den TVD vor. Alles natürlich nur Spaß, die Mannschaft feierte mit dem Trainer moderat in den Geburtstag, und keine Verschwörungstheorie hält einer Prüfung stand, auch wenn leere Versprechungen gemacht wurden. Denn ein Tor gegen Glems sollte mit einem Moonwalk gefeiert werden, indes, die eingeweihten Zuschauer warteten vergebens.











Für mich sollte es eine Premiere geben: eilte ich in meinen beiden letzten Besuchen immer zur Halbzeit der Bezirksliga-Partie zurück zum Bahnhof, so wollte ich diesmal der Mannschaft meine Referenz erweisen und bis zum Schluß die Partie beobachten. Ich wurde für meine Geduld belohnt.

Kapitän Philipp Braun.
Glemser Sonnenbank.











Ein bisschen Mitleid habe ich ja mit den Ersatzspielern der Glemser, die in der prallen Sonne sitzen. Eine echte Sonnenbank eben.

So sehr die Derendinger auch kämpfen - es sind die Glemser, die den Ball ins Netz befördern. In der 26. Minute gibt es durch einen Treffer von Jann Stieffel die zu diesem Zeitpunkt verdiente 1:0-Führung der Gäste, die auch in der Folge nicht egalisiert wird.






Die zweite Halbzeit beginnt spektakulär. Auf der Torlinie verhindert der Glemser Sami Abdallah eher reflexartig den sicheren Torschuß mit der Hand, und schwächt damit seine Mannschaft mit dem völlig zurecht ausgesprochenen Platzverweis. Der fällige Strafstoß wird dann auch durch Mohammed Arfaoui sicher verwandelt - 1:1!

Handspiel!
Und Platzverweis.


Keine Chance beim 1:1.
Aber wie der Teufel es will - keine zwei Zeigerumdrehungen später gehen die Gäste wieder in Führung, was, und da wird der Hund echt in der Pfanne verrückt, in einer weiteren Zeigerumdrehung zum erneuten Ausgleich führt. Was für ein verrücktes Spiel.

Und noch ein Torjubel - Insgesamt dreimal darf der TVD sich feiern.

In der 83. Minute ist es einmal mehr Mohammed Arfaoui, der den 3:2 Endstand herstellt. In der Schlußminute muß Keeper Alex Lange noch zweimal hintereinander eine wahnsinnige Parade hinlegen - aber dann ist die Partie vorbei. "Spitzenreiter! Spitzenreiter!" - mit diesem Ruf dürfen sich die Spieler feiern, denn ein besseres Geschenk konnten sie ihrem Coach zum Geburtstag gar nicht machen.

Küsschen fürs Geburtstagskind,
Lorbeer für den Sieger.
Grund zum feiern:
Philipp Braun und Alex Lange






















Es war ein großartiger Fußballtag, und eine weise Entscheidung von mir, mit dem Spätzug nach Hause zu fahren. Nach diesem Doppelerfolg durfte ich die Derendinger Gastfreundschaft genießen, die allerhöchstens vom kleinen gallischen Dorf im Römischen Reich übertroffen wird. Obwohl - ein klein wenig wie das gallische Dorf scheint ja die Tübinger Gartenstadt auch zu sein, umgeben von seinen Fußballnachbarn, die sie immer wieder bezwingen wollen.

In Derendingen bleibt man mit den Füßen auf den Boden - bei den Frauen, wie bei den Männern. Natürlich genießt man den Höhenflug, und niemand, absolut niemand hätte mit der Führung in der Bezirksliga gerechnet. Man weiß dort, dass auch wieder andere, magere Tage kommen werden. Aber hoffentlich lassen diese noch lange auf sich warten...

Es ist kurz vor 23 Uhr, als ich endlich Zuhause bin. Ob es jemals eine Partie der Männer gegen Normannia geben wird? Träumen wird man ja wohl dürfen. Die Tischtennisspieler hatten das mal vorgemacht. Da schlug Derendingen Normannia mit 9:3. Aber Tischtennis spielt man bei der Gmünder Normannia längst nicht mehr.

Macht ja nix - ich komme auch so wieder zum "kleinen Bökelberg an der Steinlach".







Mittwoch, 1. Oktober 2014

Nur ein halber Zeitenwechsel - Normannia Gmünd gegen Sportfreunde Schwäbisch Hall

Beschwörungszeremonien

Normannia Schwäbisch Gmünd gegen Sportfreunde Schwäbisch Hall, da war doch was? Genau! Eine ziemlich negative Ligabilanz zuungunsten der Schwerzermannschaft. Es klingt fast schon wie ein schlechter Traum, aber in Ligaduellen zwischen beiden Teams zog die Normannia bislang immer den kürzeren, abgesehen vom ersten Heimspiel gegen die Haller in der Saison 1971/72. Damals, als die Normannia auch als Tabellenzweiter an der Deutschen Amateurmeisterschaft teilnahm, behielt die Schwerzer-Elf mit 2:1 die Oberhand. Ansonsten hagelte es in 11 weiteren Duellen Niederlagen, sowohl in Gmünd, als auch in Hall.



Für die Statistikvernarrten, die Historiker und den Zweiflern sei hier nochmals die Bilanz aufgelistet:

1971/72: 2:1 (H) / 0:1 (A). Normannia am Ende auf Platz 2, Hall auf Platz 13.
1972/73: 1:2 (H) / 1:4 (A). 4. Platz / 3. Platz
1973/74: 1:3 (H) / 1:3 (A). 13. Platz / 7. Platz
1974/75: 0:2 (H) / 1:3 (A). 14. Platz / 8. Platz
2012/13: 0:2 (H) / 0:2 (A). 8. Platz / 4. Platz
2013/14: 1:2 (H) / 0:1 (A). 10. Platz / 5. Platz

Gesamt lautete diese Bilanz aus Sicht der Gmünder: 12 Spiele, 1 Sieg, 11 Niederlagen, 8:26 Tore. Kein Ergebnis, das man sich auf eine Medaille gravieren lassen würde.

Auch diesmal schien die Ausgangslage nicht unbedingt für Normannia zu sprechen. Nach dem zugegeben "ziemlich geilen 0:0" 14 Tage vorher gegen Tabellenführer Bissingen gab es in der Vorwoche ein ernüchterndes 0:5 beim Lokalrivalen Göppinger SV. So ging ich diesmal mit durchaus gemischten Gefühlen in den Schwerzer - einerseits lag der 0:5-Dämpfer schwer im Magen, andererseits war ich felsenfest davon überzeugt, dass Normannia heute erfolgreich etwas zur Statistikverbesserung beitragen würde.

Im Schwerzer herrschte Hochbetrieb - zeitgleich fand ein Jugendturnier auf dem benachbarten DJK-Platz statt, und überall parkten Autos oder Vereinsbusse. Mit der Mannschaft von Schwäbisch Hall kamen auch einige bekannte Gesichter, die ich von meinem Besuch in der vergangenen Saison kennenlernen durfte. Neu hingegen war der freundliche ältere Herr, der mir diesmal die Eintrittskarte verkaufte. Für ihn das erste Mal, und als ich weiterging bemerkte ich eine andersartige Oberfläche meines Tickets. "Nanu? Seit wann sind die Eintrittskarten laminiert?" Aber nein, der gute Mann gab mir für 6 Euro eine Dauerkarte in die Hand! Nun, ehrlich (oder dumm, das mag jeder für sich entscheiden. Ich halte es mit "m'r bescheissat ehrlich!") wie ich bin, gab ich die Dauerkarte natürlich wieder zurück und tauschte sie gegen die korrekte Tageskarte ein.



Marius Nuding
Das Wetter konnte nicht besser sein. Leider nicht nur zum Fußballspielen, sondern auch zu mindestens zwei Festivitäten, an denen ich bei meinem Anmarsch zum Normannia-Stadion zwangsläufig vorbeikam. Wie anders konnten sich die etwas mehr als 200 Zuschauer im Schwerzer erklären?

Große Freude bereitete mir heute die Fangruppe "Der 12. Mann": hat man doch glatt ein paar kleine schwarz-rote Fähnchen platziert.

Kurz nach Anpfiff der Partie wurde sie vom Schiedsrichter wieder abgepfiffen, und die Mannschaften legten eine Gedenkminute für den wenige Tage zuvor im Alter von 83 Jahren verstorbenen Helmut Kaupp ein. Wenn einer den Ehrentitel "Normannia-Chronist" verdient hatte, dann er, denn der 1948 in den Verein eingetretene Kaupp war ein lebendes Lexikon, was Normannia-Spiele anging.



Gedenkminute für Helmut Kaupp

Das Spiel begann sehr flott, sowohl Tobias Ex als auch Halls Waldbüßer hatten dicke Torschancen, doch den erfolgreichen Treffer erzielte Manuel Seitz in der 29. Minute nach einer schnell herausgespielten Ecke von Gnaase und Catizone (der an diesem Tag auch noch Geburtstag hatte).
Der Jubel war verständlicherweise groß; nicht unbedingt wegen der historischen Bilanz. Das war die richtige Antwort auf das 0:5-Debakel in der Vorwoche.

Doch damit nicht genug, die Normannia war in dieser 1. Halbzeit eindeutig die bessere Mannschaft und hatte auch noch zwei ganz dicke Chancen, die eigentlich zu einem Treffer hätten führen. So allerdings blieb es nur beim mageren 1:0 beim Pausenpfiff.

Passender Halbzeitstand

In der Kabine muß Halls sympathischer Trainer Thorsten Schift entweder einen ordentlichen Rüffel verteilt haben, oder die blauen Jungs aus Hall sind in den Kessel mit dem Zaubertrank gefallen. Was es auch war, es half. Die Sportfreunde aus der Salzsiederstadt legten mächtig zu, und das Publikum im Schwerzer wurde nun mit einem ordentlichen Schlagabtausch belohnt, der leider nur auf der Gästeseite zum Erfolg führte. In der 74. Minute konnte Deniz Ruiz-Maile den zu diesem Zeitpunkt wieder verdienten Ausgleichstreffer erzielen, und bei diesem 1:1 blieb es auch. Hier rächte es sich, dass es Normannia versäumte, in der 1. Halbzeit "den Sack zuzumachen". Ein zusätzliches Ärgernis war die Gelb-Rote Karte gegen Manuel Seitz, nachdem dieser einen Pfiff des Schiedsrichters ignorierte und den Ball aufs Tor schoß.

Letztlich war das Unentschieden verdient, wenn auch aus unserer Sicht unnötig wie die Maul- und Klauenseuche. Aber was will man dagegen machen? So reichte es leider nach über 40 Jahren nur zu einem "halben Zeitenwechsel". Statt endlich einen Sieg zu feiern, gab es nur ein Unentschieden. Ein Trost bleibt: in der bislang einzigen Saison, in der man gegen Hall Punkte einfahren konnte (1971/72), schnitt man am Ende der Saison auch besser ab. Das verheißt eigentlich auch was gutes für die Saison 2014/15.



Eine schöne Geste war die Tatsache, das noch zahlreiche Spieler von Schwäbisch Hall nach der Partie ins Vereinsheim kamen, wo unser Bredi seine obligatorische und mittlerweile auch schon wieder traditionelle "Fraternisierung mit den Gästen" betreiben konnte.


Haller Fußball-Ballett