Samstag, 6. August 2022

The Long Road To Berlin - Pokalvorschau 1. FC Stern Mögglingen gegen Sportfreunde Lorch

Pflichtspielauftakt zur Saison 2022/23

Der unbarmherzige Griff der Sommerpause hat den Amateurfußballfan in der fußballlosen Zeit gegeißelt und gequält. Zwar waren hier und dort einige Testspiele zu verfolgen, aber die Sommerkickerei gibt doch nicht die gewünschte Befriedigung. Damit ist es aber nun gottlob vorbei. Die Goldwasenkicker starten endlich wieder in die Pflichtspielrunde, und der Auftakt bildet traditionell der Bezirkspokal. Gastgeber ist Ligakonkurrent 1. FC Stern Mögglingen, ein Verein mit großer Tradition und zum Pokalauftakt eine echte Hausnummer. Ohne Übertreibung möchte ich behaupten, dass die Begegnung sportlich zu den interessantesten der 1. Runde zählt.




Für die Trainer beider Teams - Tuna Tözge auf der einen und Patrick Krätschmer auf der anderen Seite - ist dieser Pokalkracher zum Pflichtspielauftakt vielleicht ein willkommener Härtetest zur Kreisliga-Saison. Beide Mannschaften konnten in der Vorbereitung ansehnliche Ausrufezeichen setzen. So hat der FC Stern den Neu-Bezirksligisten FC Durlangen mit 2:1 geschlagen, die Sportfreunde gegen die Ligakonkurrenz von Hussenhofen ein deutliches 5:1 und gegen Mitabsteiger TSV Großdeinbach 4:3 gewonnen. Dass dabei noch der TV Stetten aus der Kreisliga A Rems/Murr mit 10:2 deklassiert wurde, liest sich schön für die Statistik, darf aber tatsächlich nicht überbewertet werden. Da beeindruckt das 4:0 der Mögglinger über den SV Plüderhausen - ebenfalls Kreisliga A Rems/Murr - schon wesentlich mehr.

Pokalspiele sind ja immer so eine Sache. Einerseits will man diese - besonders zu Saisonbeginn - nicht überbewerten. Auf der anderen Seite darf man nicht die Chance versäumen, "nur" 19 Pokalspiele gewinnen zu müssen (7x Bezirkspokal, 7x WFV-Pokal und 5x DFB-Pokal), um im Berliner Olympiastadion nach der DFB-Pokaltrophäe zu greifen. So viel Ehrgeiz sollte auch im August 2022 vorhanden sein.

Dummerweise lauert auf die Goldwasenkicker der nicht geringe Stolperstein des 1. FC Stern in Runde 1, und zwischen Pokalrausch und Debakel ist alles drin. Zumindest verspricht der Sonntag in Mögglingen mehr Spannung als die Bundesliga-Saison, wo gestern Bayern München nach 45 Minuten unheinholbar vorzeitig erneut die Deutsche Meisterschaft gewonnen hat.

Was Pokalvergleiche zwischen beiden Teams anbelangt, so habe ich für die jüngere Vergangenheit tatsächlich nur einen Auftritt der Sportfreunde in Mögglingen zu bieten. In der Saison 2020/21, die sich die Lorcher mit dem dritten Pokalsieg nach 1958 und 1961 krönten, gab es in Runde 2 ein 4:2 für die Goldwasenkicker.

Ganz so leicht werden es die Hausherren heuer nicht machen. Mögglingen zählte letzte Saison zu den Meisterschaftsfavoriten der Kreisliga A, hatte aber eine verkorkste Hinrunde zu verdauen. Tuna Tözge war der richtige Mann zur richtigen Zeit, der Oliver Adam beerbte und den 1. FC Stern mit einem starken Kader in die neue Saison zu führen. Sowohl in der Liga als auch im Pokal viel von den Schwarzsternen erwarten.

Bei den Goldwasenkickern trat indes der Ex-Normanne Patrick Krätschmer in die Fußstapfen von Trainer Jürgen Hoppe. Ganz wie in Mögglingen der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Trotz des unglücklichen Abstiegs aus der Bezirksliga blieb der Kader weitgehend zusammen, und mit den Neuzugängen Njingu Alemazung (Offensivallrounder / 1. FC Normannia Gmünd U19), Aaron Barth (Innenverteidiger / TV Weiler i.d.B.) und Eric Ruben Taxis (Defensives Mittelfeld / 1. FC Normannia Gmünd U19) hat man sich sinnvoll verstärkt. Der erste Eindruck verspricht viel, die Leidenschaft und Begeisterung des Teams ist zu spüren und als Anhänger der Blau-Weißen scharrt man ungeduldig mit den Hufen, dass die Pflichtspielrunde endlich starten möge.

Die Spielleitung liegt in den renommierten Händen von Schiedsrichter Helmut Knecht vom SSV Aalen. Anpfiff in Mögglingen ist am Sonntag um 17.30 Uhr.

Die Wetterprognose: leicht bewölkt bei 24 °C

Also nichts wie hin nach Mögglingen. In der Bundesliga gibt es eh nichts mehr zu sehen, die Bayern sind seit gestern Meister, aber in Mögglingen entscheidet sich, ob Stern oder Sportfreunde die Möglichkeit haben, im DFB-Pokalfinale 2024 in Berlin den Bayern zu zeigen, wie der schwäbische Amateurfußballer den Ball in die gegnerische Maschen setzt. 

Für die in der Klosterstadt verbleibenden Sportfreunde-Anhänger gibt es den obligatorischen Fupa-Liveticker: Liveticker

Über Livestream lässt sich die Partie sogar vom Sofa aus verfolgen: Livestream

Die letzten Spiele der Mögglinger:

17.07.2022: [H] SG Bettringen (Landesliga) 0:4 (0:3)

20.07.2022: [A] SV Pfahlbronn (Kreisliga B) 0:2 (0:2)

24.07.2022: [H] FC Durlangen (Bezirksliga) 2:1 (1:0)

31.07.2022: [H] SV Plüderhausen (Kreisliga A Rems/Murr) 4:0 (1:0)


Ond Zwoide?

Auch für die von Matthias Wahl betreute 2. Mannschaft heißt es am Sonntag, die Feuerprobe der Pflichtspiele anzugehen. Die Vorbedingungen sind hingegen weitaus eindeutiger. Gast in der 1. Pokalrunde ist der A-Ligist TSV Heubach, der nach Ablauf der Saison gewiss im einstelligen Tabellenbereich zu finden sein werden. Zwar ist die Situation für Lorch II nicht ganz so hoffnungslos wie anno 64 n. Chr. der Vergleich Christen gegen Löwen im Kolosseum. Jedoch ist alles andere als ein klares Ausscheiden gegen die Kicker vom Fuße des Rosenstein als Erfolg zu werden. Und wir kennen ja die guten alten Floskeln, dass der Pokal rund und der Ball seinen eigenen Gesetzen folgt. Oder auch umgekehrt. Wie auch immer: Anpfiff im Goldwasen ist um 15 Uhr, und die "Zwoide" freut sich auch über jede Unterstützung. Als Referee ist kurzfristig Udo Sujer vom TSGV Waldstetten für den Normannen Christoph Kunze eingesprungen.

Mittwoch, 24. November 2021

Die Zuschauerzahlen im wfv 2021/2022 (Stand: 21.11.2021)

Wie stets im Herbst naht auch dieses Jahr (hoffentlich nur) die Winterpause. Zeit, so dachte ich, um mit statistischen Spielereien zu beginnen. Die wohl beliebteste Form der Zahlenspielerein betrifft von alters her die Zuschauer. Von daher erlaube ich mir, die Zahlen der 6 vom Württembergischen Fußballverband (wfv) organisierten Spielklassen zu präsentierten. Wenn es die Zeit erlaubt, wird diese Liste nach jedem Spieltag aktualisiert. Heute (24.11.2021) steht noch ein Nachholspiel in der Verbandsliga an. Dieses kann natürlich erst beim nächsten update berücksichtigt werden.
Wie immer bei Statistiken gilt: jedes Werk ist immer nur so gut wie das Zahlenmaterial, welches ihm zugrunde liegt. Ich danke an dieser Stelle allen Vereinen oder Besuchern, die mir Fragen beantworten oder fehlende Zahlen liefern konnten. Dennoch wäre es vermessen von mir zu behaupten, diese Statistik sei fehlerfrei oder der Weisheit letzter Schluß. Falls jemand bei seinem Leib- und Magenverein auf andere Zahlen kommt, so will ich dies durchaus als richtig akzeptieren. Für Fehlerhinweise bin ich stets dankbar.

Mal mehr, mal weniger: Zuschauer bei den Amateuren.


Zunächst eine Übersicht der überbezirklichen Wettbewerbe, worunter auch der wfv-Pokal fällt. Letzterer ist natürlich kein Gradmesser, soll aber der Vollständigkeit halber auch genannt werden.
Naturgemäß ist das Zuschauerinteresse in der Oberliga Baden-Württemberg am größten, wobei die Liga deutlich von den Stuttgarter Kickers profitiert. Nimmt man nur die württembergische Vereine, so liegt der Schnitt bei 572 statt bei 450. 
Im Unterbau ist nicht die Verbandsliga als höchste wfv-Spielklasse die Nummer 2. Die Landesliga-Staffel 4 liegt momentan mit 199 Zuschauern deutlich vor der Verbandsliga mit 185. Knapp dahinter die Staffel 2 mit 178, Schlusslicht die Staffel 1 mit 159 Zuschauern - trotz dem Krösus Schwäbisch Hall.
Insgesamt haben bislang 200.543 Fußballinteressierte die 932 württembergische Punktspiele von Oberliga  bis Landesliga verfolgt, was einen Schnitt von 215 Zuschauern pro Spiel bedeutet. Nimmt man noch die Begegnungen des wfv-Pokals dazu, sind es 227.547 Zuschauer in 1.040 Spiele, was einen gerundeten Schnitt von 219 bedeutet.

Liga

Zuschauer

Spiele

Schnitt

Oberliga (gesamt)

80.587

179

450

Oberliga (nur wfv)

51.511

90

572

Verbandsliga

33.099

179

185

Landesliga 1

25.748

162

159

Landesliga 2

28.836

162

178

Landesliga 3

29.681

180

165

Landesliga 4

31.668

159

199

wfv-Pokal

27.004

108

250



Nun aber die Rangliste der Vereine. Nonplusultra sind natürlich die Stuttgarter Kickers mit ihrem derzeitigen Schnitt von 2.418 Zuschauern. Auch Platz 2 ist mit dem SSV Reutlingen 05 nicht überraschend (620). Der FSV 08 Bietigheim-Bissingen (429) und die SGV Freiberg Fußball (408) folgen auf Rang 3 und 4.
Auf Rang 5 dann der erste Landesligist. Die Sportfreunde Schwäbisch Hall zeigen mit 404 Zuschauern durchaus Potenzial. Auf Rang 7 das momentan beste Team der Landesliga 4, der SV Mietingen, dessen Kassierer durchschnittlich 345 Zuschauer begrüßt.
Beachtenwert auf Rang 9 Türkspor Neckarsulm (Landesliga 1, 342 Zuschauer) und der FC Mengen auf Platz 11 (Landesliga 4, 319 Zuschauer).
Bestes Team der Landesliga 3 ist der VfB Bösingen mit 294 Zuschauern, von der Staffel 2 empfiehlt sich der SC Geislingen mit 291 Zuschauern.
Der 1. FC Normannia Gmünd als bestes Team der Verbandsliga ist mit 247 Zuschauern erst auf Platz 18 zu finden, arg bedrängt vom Landesligisten FV Bad Schussenried.
Die Trennmarke des Gesamtschnitts von 215 liegt zwischen dem FV Biberach auf Rang 34 (217 Zuschauer) und dem FV Olympia Laupheim auf Platz 35 (211 Zuschauer)
Schlusslicht im Augenblick der SV Neresheim aus der Landesliga Staffel 2 mit einem sauberen Schnitt von 100.

Nicht unerwähnt darf der VfR Heilbronn bleiben, derzeit Tabellenführer der Bezirksliga Unterland. Dort sahen bislang durchschnittlich 493 Zuschauer die Spiele im Frankenstadion, was auf dieser Liste Rang 3 vor Bietigheim-Bissingen bedeuten würde. Aus den unterschiedlichen Gründen (kein lückenloses Zahlenmaterial aus allen 16 Bezirksligen, zu viele Vereine etc.) habe ich mich im Ranking auf die überbezirklichen wfv-Ligen konzentriert. Die VfR-Zahl sollte aber keinesfalls unbeachtet bleiben.



Verein

Zuschauer

Spiele

Schnitt

1.

SV Stuttgarter Kickers

21.760

9

2.418

2.

SSV Reutlingen 05 Fußball

4.962

8

620

3.

FSV 08 Bietigheim-Bissingen

3.857

9

429

4.

SGV Freiberg Fußball

3.670

9

408

5.

Sportfreunde Schwäbisch Hall

3.230

8

404

6.

TSG Backnang Fußball

3.594

9

399

7.

SV Mietingen

2.760

8

345

8.

Sportfreunde Dorfmerkingen

3.441

10

344

9.

Türkspor Neckarsulm

3.082

9

342

10.

1. Göppinger SV

2.967

9

330

11.

FC Mengen

2.549

8

319

12.

VfB Bösingen

2.645

9

294

13.

Sport-Union Neckarsulm

2.347

8

293

14.

SC Geislingen

2.619

9

291

15.

FV 1893 Ravensburg

2.515

9

279

16.

TSV Buch

2.499

9

278

17.

FV Sontheim/Brenz

2.053

8

257

18.

1. FC Normannia Gmünd

2.224

9

247

19.

FV Bad Schussenried

1.977

8

247

20.

FC Ostrach

1.956

8

244

21.

TSV Riedlingen

1.953

8

244

22.

TSV Ilshofen

2.398

10

240

23.

FSV Hollenbach

2.124

9

236

24.

TSV Oberensingen

2.111

9

235

25.

SSV Ehingen-Süd

2.102

9

234

26.

SSG Ulm 99

2.052

9

228

27.

SV Fellbach

2.044

9

227

28.

TV Echterdingen

1.810

8

226

29.

TSV Nusplingen

1.808

8

226

30.

TSV Pfedelbach

1.765

8

221

31.

TSV Crailsheim

1.970

9

219

32.

VfL Pfullingen

1.749

8

219

33.

TSV Essingen

1.960

9

218

34.

FV Biberach

1.738

8

217

35.

FV Olympia Laupheim

1.686

8

211

36.

SV Seedorf

2.105

10

210

37.

SV Wittendorf

2.089

10

209

38.

SV Heinstetten

1.659

8

207

39.

FV Rot-Weiß Weiler/Allgäu

1.639

8

205

40.

FC 07 Albstadt

1.617

8

202

41.

FC Wangen 05

1.789

9

199

42.

FC Holzhausen

1.778

9

198

43.

SV Zimmern o.R.

1.756

9

195

44.

1. FC Frickenhausen

1.548

8

194

45.

SV Waldhausen

1.544

8

193

46.

TV Darmsheim

1.703

9

189

47.

SV Bonlanden

1.490

8

186

48.

TSV Ehningen

1.434

8

179

49.

TSV Berg

1.580

9

176

50.

VfB Friedrichshafen

1.560

9

173

51.

SC 04 Tuttlingen

1.556

9

173

52.

VfB Neckarrems Fußball

1.554

9

173

53.

TSV Trillfingen

1.380

8

172

54.

FC Gärtringen

1.537

9

171

55.

SV Ochsenhausen

1.341

8

168

56.

TSG Tübingen

1.500

9

167

57.

TSVgg Plattenhardt

1.332

8

166

58.

TSG Hofherrnweiler-Unterrom.

1.481

9

165

59.

TSV Heimerdingen

1.320

8

165

60.

SV Ebersbach/Fils

1.295

8

162

61.

SpVgg Trossingen

1.599

10

160

62.

SKV Rutesheim

1.436

9

160

63.

SG Sindringen/Ernsbach

1.435

9

159

64.

SV Allmersbach

1.431

9

159

65.

SV Böblingen

1.418

9

158

66.

VfL Nagold

1.260

8

158

67.

SV Dettingen/Iller

1.105

7

158

68.

TSV Straßberg

1.228

8

154

69.

1. FC Heiningen

1.520

10

152

70.

TSV Schwaikheim

1.197

8

150

71.

TSV Köngen

1.052

7

150

72.

SV Leonberg/Eltingen

1.195

8

149

73.

TSGV Waldstetten

1.334

9

148

74.

TSV Eschach

1.168

8

146

75.

FC Rottenburg

1.158

8

145

76.

SV Kehlen

1.140

8

142

77.

VfL Mühlheim

1.411

10

141

78.

SpVgg Holzgerlingen

1.122

8

140

79.

FV Löchgau

1.251

9

139

80.

SV 03 Tübingen

1.247

9

139

81.

TSG Balingen Fußball II

1.106

8

138

82.

SV Breuningsweiler

1.084

8

136

83.

Young Boys Reutlingen

1.081

8

135

84.

TSV Bad Boll

1.196

9

133

85.

SpVgg Gröningen-Satteldorf

1.064

8

133

86.

SV Kaisersbach

1.040

8

130

87.

TV Oeffingen

1.140

9

127

88.

VfL Sindelfingen

1.136

9

126

89.

Türkspor Neu-Ulm

1.136

9

126

90.

TSV Obersontheim

1.008

8

126

91.

FV 1893 Ravensburg II

1.008

8

126

92.

SG Empfingen

1.246

10

125

93.

Calcio Leinfelden-Echterdingen

1.126

9

125

94.

SV Nehren

1.245

10

124

95.

SSC Tübingen

989

8

124

96.

GSV Maichingen

1.080

9

120

97.

SC Stammheim

1.050

9

117

98.

SV Salamander Kornwestheim

933

8

117

99.

TSV Deizisau

1.048

9

116

100.

SV Germania Bietigheim

1.008

9

112

101.

TSG Öhringen

997

9

111

102.

SV Leingarten

980

9

109

103.

TSV Weilimdorf

976

9

108

104.

TV Pflugfelden

966

9

107

105.

SV Weingarten 07

850

8

106

106.

TSV Schornbach

942

9

105

107.

TSV Neu-Ulm

924

9

103

108.

SV Neresheim

903

9

100

Alle Angaben ohne Gewähr


Sonntag, 6. Juni 2021

Über den Tellerrand geschaut: Die Ligabilanz der TSG 1899 Hoffenheim von 1945 bis 2000


Nanu, der Spätzleskick geht in den Kommerzfußball? Ins Badische sogar? Und darüberhinaus ins polarisierende Hoffenheim?

Nun gut, nur kurz gefasst: Ein Sammler, der gerne die Ligazugehörigkeiten aller Bundesligisten in ihren Spielzeiten ab 1945 überblicken möchte, bat mich, ob ich ihm nicht das Abschneiden der TSG Hoffenheim zusammenstellen könnte.

Einem Hilfegesuch habe ich mich noch nie entzogen, und so kramte ich in meinem Archiv, was ich zur TSG Hoffenheim zusammenstellen konnte. 

Zu zwei Spielzeiten (1946/47 und 1947/48) habe ich keine Tabellen aus dem Kreis Sinsheim, und die Zeit nach 2001, als die TSG in der Oberliga angekommen war, habe ich auch großzügig weggelassen. Da ich zu den meisten alten Tabellen auch keine Anzahl der Siege, Unentschieden und Niederlagen vorweisen kann, habe ich sie einheitlich weggelassen. Nun ja, es ist ja auch badischer und nicht württembergischer Fußball, da mache ich mir die Arbeit eben auch leichter.

Wohlan: die TSG Hoffenheim ab 1945.



Donnerstag, 16. Juli 2020

Verbandsliga-Steckbrief: TSV Essingen

TSV Essingen e. V.

Gegründet: 18. Juni 1893 (Fußball seit 1919)
Vereinsfarben: Blau-Weiß
wfv-Bezirk: Ostwürttemberg
Vereinsregister: seit 3. März 1906 beim Amtsgericht Ulm unter VR 500015 als Turn- und Sportverein Essingen 1893
Adresse: Am Schönbrunnen 1; 73457 Essingen
Internet: http://www.tsvessingen-fussball.de/




Der Ort

Die etwa 6.300 Einwohner zählende Gemeinde Essingen liegt im Ostalbkreis im Grenzgebiet der beiden ehemaligen Kreise Aalen und Schwäbisch Gmünd. Die Rems, einer der größten Nebenflüsse des Neckars, entspringt im Gemeindegebiet. Der 1090 erstmals erwähnte Ort liegt eingebettet am Fuße der Schwäbischen Alb und ist Ausgangspunkt des Remswanderweges. Essingen gilt als Wiege des Wintersports im Schwabenland, brachte doch 1893 die Frau des Pfarrers Gerok aus ihrer norwegischen Heimat die ersten Langlaufski mit ins Remstal. Das Hirtenbühl im Ortsteil Lauterburg, bekannt durch die markante Burgruine, bildet auch heute noch ein beliebtes Wintersportzentrum - sofern die Schneeflocken mitmachen.

Sehenswert ist auch das sich im Privatbesitz befindliche, 1555 errichtete Schloss der Familie Wöllwarth-Lauterburg, dessen Park frei besichtigt werden darf.
Größter Arbeitgeber der Gemeinde ist die weltweit operierende Scholz-Recycling GmbH. Auch das Unterwäsche-Label "bruno banani" ist mit Essingen verknüpft. Wenn zwar auch nicht als Produktionsstätte, so doch als Wohnort des Gründers Wolfgang Jassner, der sich mit seiner Wahlheimt mehr als verbunden fühlt.
Seit einiger Zeit hat das Bahunternehmen GoAhead eine Betriebsstätte in Essingen eingerichtet. Auf der Gemarkung Lauterburg arbeitet seit 2006 ein Windpark für die Erzeugung erneuerbarer Energien.
Regional bekannt ist Essingen auch für seinen jährlich stattfindenden Ostermarkt. Traditionell wenden sich die Essinger Bürgerinnen und Bürger eher der Kreisstadt Aalen zu, weswegen eine Änderung der Zugehörigkeit zu einem anderen Wahlkreis dort vor einiger Zeit für Empörung sorgte.


Die Spielstätte

Mit dem 1988 eingeweihten Schönbrunnenstadion, schlicht benannt nach der Adresse, besitzt der TSV Essingen eine für sein Vereinsleben zweckmäßige Anlage, deren Fassungsvermögen auf Europlan mit 4.000 angegeben wird. Würdig für einen Turn- und Sportverein kommen auf der Anlage auch die Bedürfnisse der Leichtathletik auf ihre Kosten, so dass eine Laufbahn die Spielfläche umgibt und die - ausschließlich Stehplatzzuschauer - etwas vom Spielfeld fernhält. Die Sicht ist aber dennoch ordentlich, und für Regenscheue gibt es gar eine kleine Stehplatztribüne, eine Stahlkonstruktion als Wetterschutz. Das gesamte Ensemble, bei den Tennisanlagen am östlichen Ortsrand gelegen, weist zudem noch ein Kleinfeld und einen Kunstrasenplatz auf. Fast schon ein Markenzeichen des Schönbrunnenstadions ist der Blick auf die Schönbrunnhalle mit ihrer grün-gelben Fassade.
Das Wasseralfinger Stadionbier genießt einen guten Ruf. Selbiges gilt auch für das gerne aufgesuchte verpachtete Vereinsheim des TSV, das noch mit traditionell schwäbischer Küche aufwartet.


Die Anreise

Es gibt Überlegungen, den 1989 stillgelegten Bahnhof wieder zu reaktivieren. Ein Bahnhalt für Essingen wäre tatsächlich optimal, denn nicht nur der Fußballfreund sondern auch der Wanderer in mir käme auf seine Kosten. So sind vom Schönbrunnenstadion die nächstgelegenen Bahnhöfe Aalen und Mögglingen jeweils ca. 6 km entfernt. Die Anreise per ÖPNV erfolgt über Hauptbahnhof Aalen mit anschließender Busfahrt. Alles in allem ist die Wochenend-Verbindung recht gut, von Stuttgart aus ist das ersehnte Ziel inklusive Busfahrt innerhalb von 1,5 Stunden zu erreichen. Die Rückfahrt ist mit etwas Wartezeit verbunden und dauert ca. 15 Minuten länger, gestaltet sich aber ebenso problemlos.
Keine Schwierigkeiten bereitet die Anreise mit dem PKW. Vor dem Stadion sind zahlreiche Parkplätze vorhanden.

Die Zuschauer

In der abgebrochenen Saison wies der TSV Essingen mit einem Schnitt von 290 Zuschauern am zweitbesten in der Verbandsliga ab. Allerdings wurde dieses Spiel durch die beiden Heimderbies gegen Normannia Gmünd und vor allem dem Nachbarort Hofherrnweiler verfälscht. Im grauen Ligaalltag verirrten sich zuletzt meist weniger als 200 Zuschauer ins Schönbrunnenstadion, und nur bei einem Derby oder einem Topspiel kommt die Fußballbegeisterung auch zahlenmäßig zum Ausdruck. Denn wenn es gegen die lokale Konkurrenz geht, sind "alle Esse". Dann können die Essinger auch mal hitzig und lautstark mitfiebern. Selbiges gilt auch für Auswärtsspiele. Die Nachbarschaft des VfR Aalen und der Einflussbereich des 1. FC Heidenheim drücken natürlich auch auf die Zuschauergunst in der Voralb. Ein Aufschwung könnte durch den angestrebten Aufstieg in die Oberliga erfolgen.
Dem Gästefan erweist man jegliche Höflichkeit und Zuvorkommenheit, wie es sich für einen Gast geziemt.

Zuschauerbilanz der letzten 10 Jahre

2019/20 Verbandsliga 290
2018/19 Verbandsliga 209
2017/18 Verbandsliga 232
2016/17 Verbandsliga 160
2015/16 Verbandsliga 191
2014/15 Verbandsliga 199
2013/14 Landesliga 158
2012/13 Landesliga 138
2011/12 Verbandsliga 179
2010/11 Landesliga 234

Der Verein

Der TSV Essingen muss mit der Last leben, immer und überall als Favorit angesehen zu werden. Die Sponsorenunterstützung von Scholz oder bruno banani brachte schon zu Landesligazeiten den aufrichtigen Neid der Konkurrenz ein, und der TSV trug durch seine Einkaufspolitik dazu bei, seine Wunschkandidaten zu verpflichten. Schnell war von "zusammengekaufter Geldclub" die Rede, wenn beispielsweise im Kader der 2015/16er Verbandsligamannschaft mit Jens Malitzke nur einen Spieler aufwies, dessen Stammverein der TSV Essingen war. Auch die raschen Trainerwechsel in der jüngeren Vergangenheit sorgten für Unruhe. Dabei tut man den Blau-Weißen unrecht, würde man ihnen eine Politik "des offenen Geldbeutels" zuweisen. Der Mehrspartenverein - neben Fußball wird Breitensport, Tennis, Kegeln, Turnen, Badminton und Basketball betrieben - pflegt einen familiären Umgang und ist mit seinen 1.100 Mitgliedern aus dem Gemeindeleben nicht wegzudenken. Auch die Kritik, es sein kein Traditionsverein, der erst in jüngster Vergangenheit auf der Bildfläche erschien, kann so nicht bestehen. Von 1955 bis 1958 spielte der Club in der 2. Amateurliga und lockte regelmäßig hunderte Zuschauer ins Stadion - und auch den einen oder anderen ehemaligen Aalener Spieler in den Kader.
In Essingen setzt man mittlerweile auf Kontinuität und baut seinen Kader bewußter auf, ohne die Option eines möglichen Oberligaaufstiegs deswegen aufgeben zu müssen. Mit Trainer Beniamino Molinari, der nun in seine dritte Spielzeit als TSV-Cheftrainer geht, hat man daür den richtigen Mann für diese Philosophie. War der TSV früher geprägt von 11 guten aber nicht harmonierenden Einzelspielern, so fügte der niemals alternde Molinari das Mannschaftspotenzial zu einem echten Team zusammen. Der 40jährige Molinari ist ein echtes Fußballkind des Ligakonkurrenten Normannia Gmünd und versah als "lebendes Inventar" seinen ersten Trainerposten im Schwerzer. 2017 coachte er für ein Jahr den Oberligisten TSG Backnang, eher er 2018/19 die Leitung der Schönbrunnenelf übernahm. Größter Erfolg als Trainer war 2019 das Erreichen des wfv-Pokalfinales mit dem TSV Essingen (0:2 gegen den SSV Ulm 1846).

Historie
Während die Geschichte der Turner bereits 1893 beginnt, ließ die Balltreterei in Essingen noch ein wenig auf sich warten. Die Geschichte des Fußballsports beginnt dort mit zwei Glücksfällen. Zunächst überlebt der Forstwart Funk den 1. Weltkrieg an der Westfront, und der zweite Glücksfall war, dass er seine Kriegsgefangenschaft in England verbrachte. Denn im Mutterland des Fußballs lernte er diesen Mannschaftssport kennen und lieben, und bei seiner Rückkehr 1919 war er hoffnungslos vom Kicken infiziert. Schnell konnten in Essingen Mitstreiter gefunden werden, die noch im selben Jahr als FC Kickers Essingen wild und überall wo sich Platz bot Fußball spielten. Dies war beim Bahnhof oder auch in Tauchenweiler. Im Wental gegen den Sportverein Bartholmä gewann man sein erstes Spiel mit 6:1. 1924 gab man sich feste Strukturen, firmierte fortan als SV Essingen. Erst 1949 erfolgte die Fusion mit den Turnern zum heutigen TSV 1893. Nach einem Höhenflug in den 1950er Jahren wurde es lange Zeit ruhig um die Fußballer, kickte man in Essingen nur auf Kreisebene und sah oft genug die Kreisliga A als Gipfel der Gefühle. In den letzten Jahren gab man sich in Essingen professionelle Vereinsstrukturen und profitierte von einer planmäßigen Finanzwirtschaft. Verbunden war dies mit einem sportlichen Aufschwung, der selbst eine Oberliga in Essingen nicht ins Reich der Phantasterei verweisen kann.

Die Verbandsliga-Statistik

Spielzeiten

Saison Pl. Sp. S U N
T
P.
2011/12 14. 32 9 5 18 58 : 92 32
2014/15 5. 30 16 4 10 60 : 45 52
2015/16 3. 30 17 9 4 57 : 38 60
2016/17 6. 30 13 7 10 50 : 45 46
2017/18 9. 30 11 7 12 56 : 58 40
2018/19 4. 30 15 7 8 59 : 37 52
2019/20 7. 20 9 3 8 40 : 29 30

"Ewige Tabelle"
37. Platz, 380:344 Tore, 312 Punkte

Tabellenführer
11 mal, zuletzt am 26. August 2017

Höchste Siege
Heimspiele
6:1 gg. FV Olympia Laupheim (27.05.2017)
5:0 gg. FC 07 Albstadt (07.10.2018)
5:0 gg. VfL Pfullingen (18.11.2017)
Auswärtsspiele
5:0 gg. TSV Münchingen (12.05.2012)
6:2 gg. SV Nehren (13.11.2011)

Höchste Niederlagen
Heimspiele
1:8 gg. SV Böblingen (02.10.2011)
0:5 gg. 1. Göppinger SV (23.05.2015)
1:5 gg. FC 07 Albstadt (19.11.2016)
Auswärtsspiele
0:8 gg. FC Wangen 05 (07.04.2018)
1:6 gg. FSV 08 Bissingen (17.03.2012)

Torreichstes Spiel
06.11.2011: TSV Essingen gg. VfR Aalen II 6:4
15.10.2017: Calcio Leinfelden-Echterdingen gg. TSV Essingen 6:4

Verbandsligaserien
Ungeschlagen
11 Spiele vom 14.11.2015 bis 16.04.2016
Sieglos
8 Spiele vom 31.08.2011 bis 27.10.2011
Siege
7 Spiele vom 07.09.2014 bis 19.10.2014
Niederlagen
7 Spiele vom 31.08.2011 bis 15.10.2011

Direktvergleich

Verein Sp. S U N
T.
P.
TSV Berg 7 5 1 1 11 : 4 16
SSV Ehingen-Süd 6 3 1 2 12 : 7 10
SV Fellbach 1 1 0 0 2 : 1 3
VfB Friedrichshafen 2 1 0 1 5 : 5 3
1. FC Normannia Gmünd 9 4 1 4 14 : 15 13
TSV Heimerdingen 1 0 0 1 1 : 2 0
1. FC Heiningen 5 3 1 1 9 : 6 10
TSG Hofherrnweiler-Unterrombach 2 2 0 0 7 : 2 6
FSV Hollenbach 5 0 0 5 1 : 12 0
Calcio Leinfelden-Echterdingen 7 4 1 2 19 : 11 13
VfB Neckarrems Fußball 13 7 3 3 25 : 19 24
VfL Pfullingen 5 3 2 0 13 : 4 11
SKV Rutesheim 5 2 1 2 10 : 7 7
VfL Sindelfingen 10 4 1 5 16 : 19 13
TSG Tübingen 6 1 3 2 13 : 13 6
FC Wangen 05 11 8 0 3 24 : 21 24
Noch keine Verbandsligaspiele gegen TSV Crailsheim, FC Holzhausen und Türkspor Neu-Ulm.

Bilanz der letzten 25 Jahre
(Verbandsligajahre in Fettdruck)
Saison Liga Pl. Sp. S U N
T.
P.
2019/20 Verbandsliga 7. 20 9 3 8 40 : 29 30
2018/19 Verbandsliga 4. 30 15 7 8 59 : 37 52
2017/18 Verbandsliga 9. 30 11 7 12 56 : 58 40
2016/17 Verbandsliga 6. 30 13 7 10 50 : 45 46
2015/16 Verbandsliga 3. 30 17 9 4 57 : 38 60
2014/15 Verbandsliga 5. 30 16 4 10 60 : 45 52
2013/14 Landesliga 1. 30 23 4 3 93 : 34 73
2012/13 Landesliga 12. 32 11 6 15 52 : 58 39
2011/12 Verbandsliga 14. 32 9 5 18 58 : 92 32
2010/11 Landesliga 1. 28 18 6 4 62 : 37 60
2009/10 Landesliga 5. 30 14 4 12 65 : 62 46
2008/09 Landesliga 10. 30 11 4 15 47 : 64 37
2007/08 Bezirksliga 1. 30 21 6 3 88 : 37 69
2006/07 Bezirksliga 2. 30 21 4 5 76 : 32 67
2005/06 Bezirksliga 2. 32 22 5 5 87 : 35 71
2004/05 Kreisliga A 1. 28 17 8 3 79 : 32 59
2003/04 Kreisliga A 5. 30 14 5 11 68 : 49 47
2002/03 Kreisliga A 6. 26 11 6 9 42 : 38 39
2001/02 Kreisliga A 8. 26 10 5 11 43 : 48 35
2000/01 Kreisliga A 9. 28 10 6 12 59 : 60 36
1999/00 Kreisliga B 1. 28 20 7 1 86 : 14 67
1998/99 Kreisliga A 15. 28 3 6 19 40 : 79 15
1997/98 Kreisliga B 1. 22 19 1 2 72 : 17 58
1996/97 Kreisliga B 3. 22 13 5 4 66 : 29 44
1995/96 Kreisliga B 4. 22 11 3 8 46 : 43 36


Der vorläufige Spielplan

Heimspiele in Fettdruck
(Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen vorbehalten)

Hinrunde Rückrunde
1. FC Heiningen 22.08.20 06.03.21
1. FC Normannia Gmünd 29.08.20 13.03.21
TSG Hofherrnweiler-Unterrombach 02.09.20 20.03.21
FC Holzhausen 05.09.20 27.03.21
VfL Pfullingen 12.09.20 05.04.21
VfL Sindelfingen 16.09.20 01.04.21
Türkspor Neu-Ulm 19.09.20 10.04.21
SSV Ehingen-Süd 26.09.20 17.04.21
TSV Heimerdingen 03.10.20 24.04.21
VfB Friedrichshafen 10.10.20 01.05.21
FC Wangen 05 17.10.20 08.05.21
TSG Tübingen 24.10.20 13.05.21
TSV Berg 31.10.20 16.05.21
Calcio Leinfelden-Echterdingen 08.11.20 22.05.21
SKV Rutesheim 14.11.20 29.05.21
SV Fellbach 21.11.20 03.06.21
VfB Neckarrems Fußball 28.11.20 06.06.21
FSV Hollenbach 05.12.20 12.06.21
TSV Crailsheim 27.02.21 19.06.21