Samstag, 17. Oktober 2026

Spitzenspiel in der Kreisliga A – was die ominöse Datenbank über Spraitbach und Lorch verrät

 

Kreisliga A Ostwürttemberg, 12. Spieltag: FC Spraitbach – Sportfreunde Lorch

Es gibt Menschen, die verbringen ihre Freizeit mit Gartenarbeit, Briefmarkensammeln oder der Beobachtung heimischer Singvögel. Und dann gibt es Zeitgenossen wie mich, die offenbar nichts Besseres zu tun haben, als die Ergebnisse, Tore, Aufstellungen und Spielminuten der Kreisliga A in einer ominösen Datenbank zu horten. Eine Art Datenkrake des Amateurfußballs, die ihre Fangarme bis in die entlegensten Winkel der Ostalb ausstreckt und dabei gelegentlich Dinge zutage fördert, die vermutlich nicht einmal die betroffenen Vereine selbst wissen möchten.

Am kommenden Sonntag gastieren unsere Sportfreunde Lorch beim FC Spraitbach. Ein echtes Spitzenspiel, immerhin empfängt der Tabellenzweite den Vierten. Und weil ich den Gastgeber persönlich für eine der stärksten, wenn nicht sogar die stärkste Mannschaft unserer Liga halte, habe ich meine berüchtigte Datenbank bemüht, um dieser Einschätzung einmal auf den Zahn zu fühlen.

Das Ergebnis ist durchaus interessant. Denn während manches meine Vermutung bestätigt, erzählen andere Zahlen eine Geschichte, die den Lorcher Anhängern durchaus Hoffnung machen darf.

Beim letzten Aufeinandertreffen im April 2025 siegte Spraitbach verdient mit 4:2


Zwei Mannschaften, drei Punkte Unterschied

Nach zehn absolvierten Begegnungen steht der FC Spraitbach mit 25 Punkten, acht Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage auf Platz zwei. 30 erzielte Tore bei lediglich zehn Gegentreffern sprechen eine deutliche Sprache.

Unsere Sportfreunde folgen mit 22 Punkten auf Rang vier. Sieben Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen stehen bei einem Torverhältnis von 27:14 zu Buche.

Spraitbach hat also drei Punkte mehr gesammelt, drei Tore mehr erzielt und vier weniger kassiert. Das ist ein Vorsprung, aber gewiss keine andere Fußballwelt.

Besonders reizvoll ist die Gegenüberstellung der Heim- und Auswärtsbilanzen. Spraitbach ist auf eigenem Platz noch ungeschlagen: vier Siege, ein Unentschieden, 14:7 Tore. Lorch wiederum hat in der Fremde ebenfalls noch keine Niederlage hinnehmen müssen: drei Siege, ein Unentschieden, 14:6 Tore.

Die Gastgeber treffen zuhause durchschnittlich 2,8-mal, unsere Sportfreunde auswärts sogar 3,5-mal pro Begegnung. Wer also auf ein torloses Unentschieden spekuliert, besitzt entweder ein ausgeprägtes Vertrauen in die Unberechenbarkeit des Fußballs oder hat die Statistik bislang nicht gelesen.

Freilich ist auch das keine Garantie. Schließlich haben wir erst zehn Spieltage hinter uns, und der Fußball ist bekanntlich nicht verpflichtet, den Berechnungen seines Chronisten Folge zu leisten.

Der FC Spraitbach – eine Mannschaft mit langem Atem

Was mich an den Spraitbachern besonders beeindruckt, ist nicht allein die Zahl der erzielten Tore, sondern deren zeitliche Verteilung.

Von den bislang 30 Ligatreffern fielen 19 nach der 60. Spielminute, elf davon sogar in der Schlussviertelstunde einschließlich Nachspielzeit. Fast zwei Drittel der gesamten Torausbeute stammen also aus der letzten halben Stunde.

Nun könnte man vermuten, dass hier regelmäßig ein bereits geschlagener Gegner noch ein paar Tore eingeschenkt bekommt. Das kommt durchaus vor, erklärt aber längst nicht alles.

Beim 4:3 gegen Waldstetten II lag Spraitbach nach 54 Minuten mit 0:2 zurück, glich innerhalb weniger Minuten aus und entschied die Begegnung erst in der 87. Minute. Gegen Waldhausen geriet man zweimal in Rückstand, ehe Timo Seibold in der 84. Minute den 3:2-Siegtreffer erzielte.

Auch im Bezirkspokal bewiesen die Spraitbacher ihre Hartnäckigkeit. Gegen Stern Mögglingen fielen die entscheidenden Treffer zum 4:2 erst in der Nachspielzeit. Gegen höherklassige Gegner wie Durlangen und Schwabsberg behauptete man sich über 90 Minuten im Pokal und setzte sich jeweils im Elfmeterschießen durch.

Das sind keine Beweise für eine unerschütterliche Siegermentalität, wohl aber bemerkenswerte Beispiele dafür, dass diese Mannschaft auch unter schwierigen Umständen im Spiel bleibt.

Wer gegen Spraitbach nach einer Stunde führt, sollte also besser nicht schon den Motor für die Heimfahrt warmlaufen lassen.

Der Trainer schießt mit – und ist nicht allein

Eine weitere Stärke der Gastgeber ist ihre breit verteilte Torgefahr.

Spielertrainer Alexander Bechthold und Noah Hägele haben jeweils sieben Treffer erzielt, Alin Fuchs steuerte fünf bei. Zusammen kommt dieses Trio auf 19 der 30 Spraitbacher Tore. Insgesamt durften sich bereits zehn verschiedene Spieler in die Torschützenliste eintragen.

Bechthold gehört damit zu jener sympathischen Trainerzunft, die ihre taktischen Anweisungen bei Bedarf gleich selbst in die Tat umsetzt. Der Mann erklärt seinen Spielern also nicht nur, wo das gegnerische Tor steht, sondern demonstriert es gelegentlich auch persönlich.

Bemerkenswert ist allerdings, dass Spraitbach auch ohne seinen Spielertrainer erfolgreich war. In zwei Ligaspielen fehlte Bechthold, beide Begegnungen wurden gewonnen.

Bei Lorch ist die Torgefahr stärker auf einen Mann konzentriert. Steffen Kreeb hat bereits zwölf der 27 Treffer erzielt und damit einen Anteil von gut 44 Prozent an der gesamten Lorcher Ausbeute.

Das macht unsere Mannschaft nicht zwangsläufig berechenbarer. Aber es unterstreicht einmal mehr, welchen sportlichen Wert unser erfahrener Torjäger besitzt.

Die Sache mit der Ersatzbank

Eine naheliegende Vermutung war, dass die vielen späten Spraitbacher Treffer vor allem auf besonders erfolgreiche Einwechselspieler zurückzuführen seien.

Also wurden die Torfolgen mit den Aufstellungen und Wechselminuten abgeglichen. Das Ergebnis: Nur drei der 30 Ligatore wurden von Spielern erzielt, die zuvor eingewechselt worden waren.

Der weitaus größte Teil der späten Treffer stammt folglich von Spielern, die bereits beim Anpfiff auf dem Platz standen.

Natürlich können Einwechslungen auch dann Wirkung entfalten, wenn der betreffende Spieler nicht selbst trifft. Frische Kräfte können Räume öffnen, Gegenspieler binden und das Spiel verändern. Das lässt sich aus einer bloßen Torstatistik nicht ablesen.

Dennoch bleibt die Erkenntnis: Spraitbachs Schlussphasenstärke ist nicht einfach nur das Werk einer besonders treffsicheren Ersatzbank. Die Stammspieler selbst bleiben bis zum Ende gefährlich.

Elf Freunde – und wie viele davon bleiben dieselben?

Besonders neugierig machte mich die Frage, ob Spraitbach vielleicht deshalb so erfolgreich ist, weil Spielertrainer Bechthold Woche für Woche dieselbe eingespielte Mannschaft auf den Platz schicken kann.

Denn bei unseren Sportfreunden ist bekanntlich nicht immer sicher, welche Spieler Trainer Kevin Daboci am Sonntag zur Verfügung stehen. Berufliche Verpflichtungen, Verletzungen und andere Widrigkeiten gehören nun einmal zum Alltag des Amateurfußballs.

Also wurde die ominöse Datenbank ein weiteres Mal bemüht. Für beide Mannschaften habe ich die Anfangsformationen der zehn bisherigen Ligaspiele betrachtet und jeweils mit der vorherigen Begegnung verglichen.

Das Ergebnis überraschte selbst den Datenkraken.

Bei Lorch standen durchschnittlich 9,00 der elf Anfangsspieler auch im jeweils folgenden Spiel wieder in der Startelf. Bei Spraitbach waren es 9,11 Spieler.

Über neun Spieltagsübergänge hinweg wechselte Lorch insgesamt 18-mal einen Startplatz neu, Spraitbach 17-mal.

Ein einziger Unterschied in neun Spielen!

Beide Mannschaften haben bislang 18 unterschiedliche Spieler von Beginn an eingesetzt. Von einer wesentlich größeren personellen Beständigkeit der Spraitbacher kann also keine Rede sein.

Im Gegenteil: Lorch besitzt sogar einen ausgesprochen festen Kern. Luca Röhricht, Paul Waibel, Steffen Kreeb, Silas Podliczak und Robin Bopp standen in allen zehn Ligaspielen auf dem Platz und absolvierten zusammen 4.390 von 4.500 möglichen Spielminuten.

Spraitbach verfügt mit Noah Hägele, Vinzent Brenner, Alin Fuchs und weiteren Stammkräften ebenfalls über ein verlässliches Gerüst. Hägele hat sogar noch keine einzige Spielminute versäumt.

Die Zahlen zeigen somit zwei Mannschaften, deren personelle Kontinuität sich erstaunlich ähnelt.

Ob die Spieler dabei immer dieselben Positionen besetzten, wie gut sie miteinander harmonieren und aus welchen Gründen einzelne Wechsel vorgenommen wurden, verrät uns diese Statistik freilich nicht. Eingespieltheit lässt sich nicht auf zwei Nachkommastellen berechnen.

Aber eines dürfen wir festhalten: Kevin Daboci hat es trotz aller Schwierigkeiten geschafft, einen bemerkenswert stabilen Kern seiner Mannschaft zusammenzuhalten.

Und was sagt uns das für Sonntag?

Ich bleibe bei meiner persönlichen Einschätzung: Für mich geht der FC Spraitbach als Favorit in diese Begegnung. Vielleicht ist er sogar stärker einzuschätzen als Tabellenführer TV Straßdorf, gegen den unsere Sportfreunde im Goldwasen mit 1:2 unterlagen.

Das ist allerdings mein subjektiver Eindruck und kein Urteil, das sich aus den Zahlen zwingend ableiten ließe. Straßdorf ist schließlich noch ungeschlagen, hat erst sieben Gegentore kassiert und das direkte Duell gegen Spraitbach mit 1:0 gewonnen. Auch diese Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren.

Ebenso wenig dürfen wir jedoch die bemerkenswerte Lorcher Auswärtsbilanz ignorieren. Drei Siege und ein Unentschieden bei 14:6 Toren sind ein stattliches Zeugnis. Unsere Sportfreunde haben in der Fremde bislang durchaus überzeugend gespielt und brauchen sich auch vor dem Tabellenzweiten nicht zu verstecken.

Die Statistik kann uns zeigen, welche Mannschaft häufiger gewinnt, wann ihre Tore fallen und wie beständig ihre Aufstellungen sind. Sie verrät uns aber nicht, ob am Sonntag ein Ball vom Innenpfosten ins Tor springt oder wieder hinaus, ob ein Torhüter einen außergewöhnlichen Tag erwischt oder ob ein Schiedsrichter in der 89. Minute auf den Elfmeterpunkt zeigt.

Und das ist auch gut so. Sonst könnten wir uns den Weg an den Rand der Frickenhofer Höhe sparen und die drei Punkte gleich per Datenbankabfrage vergeben.

Alexander Bechthold erwartet ein echtes Spitzenspiel

Auch der Spraitbacher Spielertrainer blickt mit Vorfreude auf die Begegnung. Bei seiner Einschätzung des kommenden Spieltags fand Alexander Bechthold folgende Worte:

„Ein echtes Spitzenspiel! Lorch reist mit breiter Brust an und könnte mit einem Sieg bis auf einen Punkt an uns heranrücken. Dass die Sportfreunde Qualität haben, steht außer Frage. Allerdings haben wir vor heimischer Kulisse ebenfalls einiges vor. Drei Punkte für uns – wie genau wir die holen, wird sich am Sonntag zeigen.
Mein Tipp: 3:2“

Das ist eine selbstbewusste, aber durchaus respektvolle Einschätzung des Gastgebers.

Und sollte Bechthold mit seinem 3:2 richtig liegen, würde sich zumindest eine Erkenntnis aus meiner ominösen Datenbank bestätigen: Spraitbach schießt gerne Tore, und seine Gegner dürfen durchaus auch welche erzielen.

Ich persönlich hoffe freilich, dass sich die Lorcher Auswärtsserie fortsetzt. Vielleicht gelingt es unseren Jungs sogar, den Gastgebern die erste Heimniederlage beizubringen.

Denn so viel Freude mir die Zahlen auch bereiten: Am Ende schlägt mein Herz nicht für die Datenbank, sondern für die Sportfreunde Lorch.

Und sollte der Fußball am Sonntag wieder einmal sämtliche Statistiken auf den Kopf stellen, werde ich mich keineswegs beklagen. Ich werde anschließend nur alles gewissenhaft in meine Datenbank eintragen.

Eine Datenkrake kennt schließlich keinen Feierabend.

Die Bilanz seit 1999/2000:

17 Spiele, 4 Siege Spraitbach - 3 Unentschieden - 10 Siege Lorch (21:31 Tore)



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