Montag, 16. Juli 2018

Die "Ewige Tabelle" der Bezirksliga Stuttgart seit 1978

Unangefochten die Nummer 1: TSVgg Plattenhardt
Wohl ewiges Schlußlicht: CSV Stuttgart














1978/79 wurde aus der vormaligen A-Klasse Stuttgart die Bezirksliga Stuttgart. Grund genug, mit erreichen des "Schwabenalters" den Fußball in der Landeshauptstadt ein wenig in den Vordergrund zu rücken. Und was wäre dazu besser geeignet als eine sogenannte "ewige Tabelle"? Wobei der Name "ewig" eigentlich irreführend ist: die Tabelle verändert sich ja von Saison zu Saison, ist also mitnichten auf ewig in Stein gemeiselt.

Sei es wie es ist: vielleicht gibt die "Ewige Tabelle der Bezirksliga Stuttgart" ja dem herrlichen Blog Non League Grounds Of Stuttgart ja wieder Motivation und Inspiration, wieder Sonntag für Sonntag von Stuttgarts Bezirksligaplätzen zu berichten?

Keine statistische Spielerei kann frei von Fehlern sein - so wohl auch icht diese! Ich bitte für entdeckte Fehler und Ungereimtheiten um Nachsicht.

Vereine der Saison 2018/19 sind farblich hervorgehoben.


Bezirksliga Stuttgart J. Sp. S U N T+ T- Diff. P.
1. TSVgg Plattenhardt 33 970 443 233 294 1913 : 1415 498 1562
2. SG Untertürkheim 33 982 375 207 400 1717 : 1762 -45 1332
3. SV Gablenberg 27 806 366 197 243 1624 : 1283 341 1295
4. TSV Rohr 23 684 339 149 196 1398 : 980 418 1166
5. SV Vaihingen/Filder 24 736 311 160 265 1395 : 1183 212 1093
6. ASV Botnang 22 676 297 153 226 1313 : 1096 217 1044
7. SC Stammheim 25 744 267 204 273 1369 : 1284 85 1005
8. SpVgg 1887 Möhringen 25 754 275 151 328 1427 : 1607 -180 976
9. Sportvg Feuerbach 20 600 268 135 197 1246 : 1029 217 939
10. TV Echterdingen 17 488 271 120 97 1162 : 642 520 933
11. TSVgg Münster 20 604 221 132 251 1092 : 1170 -78 795
12. TSV Bernhausen 19 568 208 147 213 987 : 1010 -23 771
13. MTV Stuttgart 18 544 199 126 219 1085 : 1089 -4 723
14. SV Bonlanden II 12 376 184 78 114 969 : 643 326 630
15. Calcio Leinfelden-Echterdingen 8 252 169 32 51 715 : 305 410 539
16. NK Croatia Stuttgart 13 404 154 76 174 872 : 902 -30 538
17. SpVgg Stuttgart-Ost 13 386 154 74 158 758 : 703 55 536
18. TV 89 Zuffenhausen 13 368 144 68 156 716 : 767 -51 500
19. TSV Weilimdorf 12 354 141 74 139 712 : 697 15 497
20. SKG Botnang 11 312 139 66 107 629 : 496 133 483
21. GFV ERMIS Metanastis Stuttgart 10 306 134 61 111 611 : 519 92 463
22. SpVgg Stetten/Filder 10 304 133 62 109 538 : 476 62 461
23. SV Hoffeld 14 394 125 76 193 649 : 910 -261 451
24. TSV Georgii Allianz Stuttgart 10 308 120 68 120 588 : 538 50 428
25. SV Bonlanden 8 220 124 52 44 498 : 256 242 424
26. FC Stuttgart-Cannstatt 10 310 121 56 133 616 : 657 -41 419
27. Stuttgarter SC 10 302 116 70 116 524 : 604 -80 418
28. TSV Mühlhausen 11 318 104 78 136 496 : 612 -116 390
29. SV Sillenbuch 11 338 109 62 167 632 : 738 -106 389
30. SG Stuttgart-West 7 222 112 45 65 503 : 413 90 381
31. SV Rot 1945 9 276 106 60 110 473 : 503 -30 378
32. OFK Beograd Stuttgart 8 252 99 50 103 515 : 644 -129 347
33. TSV Leinfelden 9 262 82 63 117 393 : 500 -107 309
34. FV 98 Zuffenhausen 5 160 85 26 49 397 : 281 116 281
35. SG Weilimdorf 10 278 73 60 145 404 : 670 -266 279
36. TSV Tuna Spor Echterdingen 7 220 60 40 120 356 : 634 -278 220
37. SV Eintracht Stuttgart 8 222 55 48 119 314 : 530 -216 213
38. KV Plieningen 6 188 56 35 97 331 : 451 -120 203
39. GFV Metanastis Wangen 5 154 49 37 68 226 : 265 -39 184
40. Omonia GFV Vaihingen/Filder 4 126 53 23 50 289 : 359 -70 182
41. Sportfreunde Stuttgart 7 208 45 45 118 294 : 494 -200 180
42. SV Türkspor Stuttgart 3 88 54 9 25 247 : 199 48 171
43. Sportvg Feuerbach II 4 112 43 21 48 180 : 180 0 150
44. N.A.F.I. Stuttgart 2 60 46 3 11 231 : 72 159 141
45. SSV Zuffenhausen 4 122 33 27 62 201 : 309 -108 126
46. VfB Obertürkheim 3 88 34 20 34 187 : 193 -6 122
47. Türk. SC Stuttgart 3 96 31 14 51 189 : 272 -83 107
48. TSV Musberg 3 90 24 27 39 116 : 183 -67 99
49. TB Untertürkheim 5 156 23 30 103 203 : 456 -253 99
50. KF Kosova Bernhausen 3 98 27 17 54 172 : 255 -83 98
51. VfL Wangen 4 126 27 15 84 162 : 371 -209 96
52. SV Grün-Weiß Sommerrain 3 94 26 15 53 165 : 273 -108 93
53. SpVgg 1897 Cannstatt 2 58 25 11 22 121 : 122 -1 86
54. SV Rot 1945 II 3 86 19 24 43 102 : 166 -64 81
55. TSV Uhlbach 3 80 18 24 38 107 : 157 -50 78
56. FV 98 Zuffenhausen II 2 62 20 15 27 115 : 113 2 75
57. VfR Cannstatt 3 80 20 13 47 107 : 177 -70 73
58. Stuttgarter SC II 2 62 20 10 32 89 : 120 -31 70
59. 1. Stuttgarter FV 1896 2 60 14 17 29 72 : 128 -56 59
60. SV Prag 1899 2 52 12 15 25 67 : 100 -33 51
61. TSV Zuffenhausen 2 60 14 6 40 63 : 152 -89 48
62. TSV 07 Stuttgart 2 56 7 9 40 72 : 177 -105 30
63. VfL Stuttgart 1 30 9 1 20 55 : 112 -57 28
64. TSVgg Plattenhardt II 1 30 8 3 19 41 : 69 -28 27
65. SpVgg Giebel 1 30 7 4 19 47 : 84 -37 25
66. SV Fasanenhof 1 28 6 5 17 36 : 63 -27 23
67. ABV Stuttgart 1 30 6 3 21 31 : 91 -60 21
68. SpVgg Stuttgart-Ost II 1 30 5 5 20 32 : 79 -47 20
69. SKV Palästina Al Q'uds Stuttgart 1 32 6 1 25 51 : 101 -50 19
70. SKV Freiberg/Mönchfeld 1 30 1 9 20 31 : 73 -42 12
71. CSV Stuttgart 1 30 1 4 25 31 : 105 -74 7

Sonntag, 27. Mai 2018

27. Mai 1967: Das erste offizielle Elfmeterschießen in Deutschland - drei Jahre vor der "Erfindung"


Elfmeterschießen sind ja so ein Nervenkitzel, den die Engländer nicht sonderlich mögen sollen. Ich selber hatte auch stets ein zwiespältiges Verhältnis zu dieser Art Ausscheidung, seit ich als junger Mensch die legendäre "Nacht von Sevilla" am TV erleben durfte. Wenige Jahre später, mein Herz schlug damals für Borussia Mönchengladbach, erlebte ich unter Zornestränen die bittere Niederlage der Fohlenelf im ersten DFB-Pokalfinal-Elfmeterschießen mit.

Aber bei aller Haßliebe zu den „Schüssen von der Strafstoßmarke zur Siegerermittlung“: bedeutend gerechter als der früher praktizierte schnöde Münzwurf ist diese Art der Siegerermittlung allemal. 


Karl-Wald-Straße in Penzberg.
Foto: Fanimo; Originaldatei auf Wikimedia commons; Veröffentlicht unter Lizenz CC4.0
Noch heute gilt der bayerische Schiedsricher Karl Wald (1916 - 2011) als Erfinder des Elfmeterschießens, hat er doch schließlich am 30. Mai 1970 beim bayerischen Verbandstag die Einführung des Elfmeterschießens durchgesetzt, und DFB, FIFA und UEFA folgten brav dieser Entscheidung. In Penzberg hat man 2014 gar eine Straße nach ihm benannt, verweist ein Zusatzschild auf den "Erfinder des Elfmeterschießens". Auf der von seinem Enkelsohn betriebenen Homepage wird diese Legende weitergesponnen. Nicht nur in der Schweiz stößt diese Aussage sauer auf. "Deutsche Frechheit" ist da beispielsweise zu lesen, habe doch schließlich bereits 1962 Kurt Weissbrodt als Gründer des Uhrencups das "Penaltyschiessen" eingeführt, wie ein zeitgenössischer Zeitungsartikel darlegt. 

Aber auch Weissbrodt darf sich nicht als "Erfinder" feiern lassen, und das "erste Penaltyschiessen der Geschichte", wie im Artikel behauptet, fand auch nicht in der Schweiz statt. Bereits in den frühen 1950er Jahren wurden Spiele im jugoslawischen Pokal - also einem offiziellen Wettbewerb - mittels Elfmeterschießen entschieden; und auch in Italien kam Inter Mailand 1965 durch Elfmeterschießen ins Finale, also 5 Jahre vor der Wald'schen "Erfindung".

Was die FIFA anbelangt, so veröffentlichte sie bereits im August 1969 eine vom Israeli Yosef Dagan eingebrachte Idee des Elfmeterschießens, die im Februar 1970 im International Football Associatons Boards (IFAB) diskutiert wurde, also gut drei Monate vor dem besagtem Verbandstag in Bayern.

Je mehr man sich auf die Suche nach dem "ersten mal" oder "dem Erfinder" macht, desto eher stellt man fest, dass das Kind Elfmeterschießen viele Väter hat, aber keinen klassischen Erfinder, der etwas völlig Neues entworfen und eingebracht hätte. "Dass es auch ein paar andere gibt auf der Welt, die sich als Erfinder des Elfmeterschießens sehen, das gilt für die Menschen in Penzberg nicht", sagt allerdings alles über die bayerische Selbstverständlichkeit aus, und dieser eigentlich liebenswerte Mythos des Karl Wald als Vater des Elfmeterschießens wird sich wohl nie mehr aus den Köpfen verbannen lassen.


Ebenfalls beliebt ist die Vorstellung, das DFB-Pokalspiel zwischen FC Schalke 04 und dem VfL Wolfsburg am 23. Dezember 1970 hätte das erste Elfmeterschießen in einem Pflichtspiel in Deutschland erlebt. Aber, man ahnt es bereits: auch das stimmt so nicht, sondern es war nur das erste Elfmeterschießen in einem Wettbewerb auf DFB-Ebene.

Elfmeterschießen waren in Deutschland gar nicht unbekannt, wenn auch noch nicht als hochoffizielle Form der Entscheidung im Aktivenfußball vorgesehen. Auf diversen Turnieren, die allerdings eher Volksbelustigungscharakter hatten, entschieden schon deutlich früher verschiedene Formate des Elfmeterschießen über Wohl und Wehe des Sieges. Als der SV Hülben auf der Alb beispielsweise sein 40. Gründungsjahr am 30. Juli 1961 mit einem "Jedermannturnier" feierte, da kam es in Gruppe 1 zu einem Gleichstand zwischen Sportverein, Gesangsverein und Christlichem Verein Junger Männer. Das anschließend ausgetragene Elferturnier klang im Durchführungsmodus (5 Schützen pro Verein) eher nach dem Torwandschießen im ZDF.

Auch sonst findet man "Elfmeterturniere" in Dorfolympiaden auf einer Ebene mit Schubkarrenrennen oder Faßspringen.

Das 11. Jugendfußballturnier des TuS Metzingen Anfang August 1963 benötigte zwischen der A-Jugend des SSV Reutlingen 05 und dem TSV Undingen ebenfalls das Elfmeterschießen zur Entscheidung über das Weiterkommen.

Fahrt im Elfmeterschießen kommt im Jahre 1965 auf. Im Februar 1965 beschließt der Arbeitsausschuß der Interessengemeinschaft der Bodensee-Fußballverbände (IBFV) das Elfmeterschießen im renommierten Bodensee-Cup, einem Turnier der Amateurauswahlmannschaften der Mitgliedsverbände, einzuführen. Mitglieder waren und sind u. a. der südbadische und der württembergische Fußballverband. Der bayerische Fußballverband trat mit seinem Bezirk Schwaben allerdings erst 1969 bei, sollte aber spätestens dann von dieser wichtigen Regelabweichung gehört und diese in seinen Schiedsrichter-Gremien kommuniziert haben.

Zu Pfingsten siegte im Jugendturnier die gastgebende Mannschaft der TSG Reutlingen über den Rheydter SpV im Elfmeterschießen, die aber dann großzügig auf den Pokal zugunsten der Gäste aus Nordrhein-Westfalen verzichteten.

Einen Monat später verkündet die Ausschreibung zum Sommerturnier des FC Mittelstadt ebenfalls, das im Falle eines Unentschiedens nach Verlängerung ein Elfmeterschießen mit 5 Spielern pro Mannschaft die Entscheidung bringen solle.

Vorreiter in Sachen "deutsches Elfmeterschießen" war dann der Württembergische Fußballverband, der allerdings in schwäbischer Bescheidenheit diese Tatsache nie sonderlich groß an die Glocke hing. Bereits zur Saison 1965/66 wurde das Elfmeterschießen in Pokalspielen des WFV offiziell eingeführt. Als am 12. September 1965 die 1. Runde der Bezirkspokale startete, hieß es zu Rundenbeginn: "Stehen die Begegnungen nach Ablauf der 90 Minuten unentschieden, werden sie um 2mal 15 Minuten verlängert. Ist dann immer noch keine Entscheidung gefallen, müssen die Spiele auf dem Platz des Gegners wiederholt werden. Fällt auch im Wiederholungstreffen nach Verlängerung keine Entscheidung, wird erstmals die neue Regelung des Württ. Fußball-Verbandes Anwendung finden und mittels Elfmeterschießen die endgültige Entscheidung gesucht" (Reutlinger General-Anzeiger vom 10. September 1965, Seite 13).

Diese Art der Spielentscheidung im WFV-Bereich wurde spätestens 1967 auf die Spiele um die Württembergische Meisterschaft und dem Teilnehmer zur Deutschen Amateurmeisterschaft ausgedehnt - damals spielte die 1. Amateurliga Württemberg in den zwei Staffeln Nordwürttemberg und Schwarzwald-Bodensee.

Laut Angaben des Württembergischen Fußballverbandes fand das erste Elfmeterschießen am 27. Mai 1967 statt - zwei Jahre nach Einführung also. Unsicher bin ich, ob es nicht doch irgendwo in einem WFV-Bezirkspokal ein Elfmeterschießen gegeben hat. Denn noch in seiner Festschrift zum 50. Geburtstag des WFV legte dieser das erste Elfmeterschießen nach Nürtingen zum Entscheidungsspiel zwischen SSV Reutlingen 05 Amateure und dem SC Geislingen. Dies fand allerdings erst 1968 statt.

Der Grund für diese Unsicherheit ob des Datums könnte daherrühren, dass in den veröffentlichten Ergebnissen schlicht nicht vermerkt war, ob eine Partie in die Verlängerung oder gar Elfmeterschießen ging. So auch beim 27. Mai 1967, den ich erst durch lesen der Spielberichte überhaupt einordnen konnte. 




An jenem Tag fand die 2. Hauptrunde des WFV-Pokals und das Entscheidungsspiel zwischen dem FCTV Urbach und dem TV Echterdingen um den Abstieg aus der 2. Amateurliga statt. Bei Letzterem war klar, dass der 2:1-Sieg der Urbacher nicht im Elfmeterschießen errungen wurde, bei den anderen Partien schien auch alles gewohnt zu sein. 

Nun also schien guter Rat teuer, wäre an jenem Tag nicht auch mein 1. FC Normannia Gmünd aus dem Pokal geflogen, mit 3:5 bei der SpVgg 07 Ludwigsburg. Denn dazu habe ich ja mein Normannia-Archiv angelegt, und tatsächlich entpuppt sich dieses unscheinbare Ergebnis als das (vermeintlich) erste Elfmeterschießen in einem Pflichtspiel der Bundesrepublik!


Rems-Zeitung vom 29. Mai 1967
Nur ca. 500 Zuschauer waren Zeuge dieses historischen Ereignisses im Ludwig-Jahn-Stadion zu Ludwigsburg, und wahrscheinlich ordneten sie dieses Ereignis auch gar nicht richtig ein. Die Welt hatte schließlich andere Probleme. Der Schah von Persien traf einen Tag später zu seinem Staatsbesuch in der Bundesrepublik ein, was später zum "Polizeistaatsbesuch" wurde; und im Nahen Osten kam es zu Truppenbewegungen, die kurze Zeit später im Sechstagekrieg zündeten. Was war da schon ein Fußballspiel im Landespokal, zumal Eintracht Braunschweig kurz vor der Bundesligameisterschaft stand?

Normannia machte in Ludwigsburg einen 1:3-Rückstand wett und erzwang so die Verlängerung, die jedoch ohne weitere Tore ausfiel. Schiedsricher Lock aus Jagstfeld ließ dann das Elfmeterschießen entscheiden, das allerdings damals in einer anderen Reihenfolge ausgespielt wurde. Erst schoß eine Mannschaft ihre Fünf Versuche, anschließend kam fünfmal die andere Mannschaft dran. Eine schweißtreibende Sache für die Keeper!

Schwarz vom 1. FC Normannia Gmünd kann für sich beanspruchen, den 1. Treffer bei einem offiziellen Elfmeterschießen in Deutschland erzielt zu haben, gefolgt von Werner Ritzer (meinem früheren Sport- und Geografielehrer). Anton Graf von der Normannia legte dafür den Ball gekonnt über das Tor, womit auch diese Premiere (leider) nach Schwäbisch Gmünd wandert. Ganz wie Normannia legte auch Ludwigsburg vier von fünf Möglichkeiten ins Netz, ein Schuß ging neben das Tor. Somit kam es zur Premiere Nummero zwei, dem ergänzenden Elfmeterschießen. Auch hier war das Reglement anders - wieder durften fünf Normannen zuerst schießen, gefolgt von fünf Ludwigsburgern. 07-Torhüter Reber schafft es dann auch, den Ball von Schwarz zu halten, was eine kuriose Doppelpremiere darstellt, denn nach heute gültiger Regel hätte Schwarz auch gar nicht mehr schießen dürfen. 

Unmut löste jedoch die Regelauslegung des Schiris aus. Nachdem Hespels Schuß im zweiten Durchgang erst den Innenpfosten und dann das Tor traf, entschied Lock auf "kein Tor!" Seiner Meinung nach hätte der Ball direkt ins Tor befördert werden müssen, die Schwerzer-Elf hingegen war kundiger in Bezug zu den Ausführungsbestimmungen und wies darauf hin, das lediglich der Nachschuß untersagt sei. Die Normannia, die ob dieser Auslegung die Partie verlor, legte beim Verband Protest ein (auch ein Novum), und bekam eine sehr seltsam anmutende Antwort aus der Stuttgarter Goethestraße, nämlich "daß ihr Protest berechtigt sei, daß es aber bei Pokalspielen die Möglichkeit eines Protestes gar nicht gebe". Und so schied der 1. FCN tatsächlich durch Unvermögen des Bürokratendschungels aus.

Weiter oben erwähnte ich ja, Ludwigsburg sei "wahrscheinlich" der Austragungsort des 1. Elfmeterschießens. Ähnlich wie beim Normanniaspiel statt 9:12 ein 3:5 steht, vermerken ja auch die anderen 24 Spiele nichts über Verlängerung und Elfmeterschießen. Ausschließen kann ich nur folgende Partien, die allesamt gesichert in 90 oder 120 Minuten über die Bühne gingen:

SSV Reutlingen Amateure gegen Germania Bietigheim 5:0
SV Wannweil gegen TG Gönningen 4:1 n. V.
SpVgg Mössingen gegen 1. FC Eislingen 4:2
FC Wangen 05 gegen SV Kreßbronn 6:0
SV Tannheim gegen TG Biberach 1:4
FV Olympia Laupheim gegen SG Aulendorf 5:1
FC Wacker Biberach - FV Bad Schussenried 1:4
TSV Meckenbeuren gegen VfB Friedrichshafen Ib 3:1

Bei den verbleibenden Spielen kann daher also durchaus noch ein Elfmeterschießen versteckt sein.

Und Karl Wald? Ich denke schon, dass er ein wichtiger Impulsgeber für die moderne Variante des Elfmeterschießens war, wiewohl der Bayerische Fußballverband diese Regelung erst für die Spielzeit 1970/71 einführte. Er konnte jedoch bei seiner "Erfindung" aus dem Vollen schöpfen, um sich aus dem seit 1952 erprobten Pool der Elfmeterentscheidungen die Idealform zusammenzubasteln. 

Wer hat's erfunden? Wahrscheinlich ein jugoslawischer Verbandsfunktionär, dessen Name heute längst in Vergessenheit geraten ist. In Deutschland hingegen gebührt das Lob, dem Münzwurf den Garaus gemacht zu haben, tatsächlich den Württembergern.

Mittwoch, 21. März 2018

Hilfsmittel für den Fußballhistoriker


Für den Interessierten, egal ob Laie oder Fachmann, gibt es hier eine Linksammlung zu Internetquellen, die für die Ergebnisforschung zum deutschen Fußball nützlich sein können.


Für Hinweise auf weitere Quellen bin ich sehr dankbar.

Mittwoch, 1. November 2017

Vorschau: 1. FC Normannia Gmünd gg. FSV Hollenbach

Am Samstag, 4. November 2017 um 14:30 Uhr gibt es in der Verbandsliga Württemberg ein Wiedersehen mit dem FSV Hollenbach. An die Gäste aus dem hohenlohischen Örtchen Mulfingen denken wir Gmünder eigentlich gerne zurück: Schließlich haben wir ausschließlich in der Oberliga Baden-Württemberg gegen den FSV gespielt. Also eine richtige Verbandsliga-Premiere - aber mit Premieren haben wir Normannen es nicht so.

Nachdem unter Trainer Holger Traub der Schwerzerclub auf 8 Spiele in Folge ungeschlagen war, zermahlte der desaströse Auftritt in Rutesheim (eine Premiere!) Träumereien von Ambrosia und Siegeslorbeer. Für die Normannen steht mehr als nur Schadenbegrenzung auf dem Spiel. Mit einer Leistung wie in Rutesheim braucht man gegen Hollenbach nur 15 Minuten auf das gleiche Ergebnis warten. Also etwas mehr Einsatz, meine Herren. Das walte Hugo!

Der Oberligaabsteiger FSV Hollenbach scheint die selbige Rolle einzunehmen, die Vorjahresabsteiger SGV Freiberg in der Saison 2016/17 an den Tag legte. Nach 11 Spieltagen belegt man Platz 1 der Tabelle, und im Team um Trainer Marcus Wenninger wird man bemüht sein, nicht ausgerechnet in Schwäbisch Gmünd zu stolpern. Ein Pfund haben wir jedoch auf den Rippen: die beiden Heimspiele der Vergangenheit haben wir ohne Niederlage überstanden. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Rückpaß nach Rutesheim.


Oh je. Nach so einem (selbstverschuldeten) Debakel wäre es angebrachter, den Mantel des Schweigens über diese gräusliche Szenerie zu legen. Nun, vielleicht sollte ich mit den angehmen Dingen des Tages beginnen. Es regnete nicht, das ist ja immerhin auch schon etwas. Das Wiedersehen mit Ex-Normanne und Ex-Nachbar Musa Ayaz, der sich unters Publikum mischte, freute mich sehr. Der Kaffee war lecker und die kurzhaarige Frau mit dem weißen Brillengestell im Kiosk, die ihn ausschenkte, erst recht. Das dürfte es schon gewesen sein. Das es eisigkalt und windig war, dieser Umstand war zu verschmerzen. Das die Spielweise der Normannia jedoch auch ziemlich windig war, dies war hingegen nicht zu verzeihen. "Rutesheim spielte wie ein Absteiger. Das Schreckliche war, das Normannia noch schlechter spielte" war im Amateurfußball-Forum zu lesen, und auch im persönlichen Umfeld war zu vernehmen, die Schwerzer-Elf hätte mit ihrer geradezu arroganten und überheblichen Spielweise eigentlich noch ein paar Gegentore mehr verdient gehabt. Offenbar vertraute man darauf, das ohne den Ausnahmestürmer Crepaldi der Aufsteiger ein leichtes Opfer wäre und schlug Warnungen des Trainers in den Wind. Letzterer war in meinen Augen , nimmt man mal Yannick Ellermann außen vor, bester Normanne im Bühl. Das sagt schon alles.

Aus Gewohnheit Landesliga?

Flanke auf Samstag.


Mit Oberligaabsteiger FSV Hollenbach kommt am Samstag wohl der Topfavorit in den Schwerzer. Von 2010/11 bis 2016/17 gehörte der Club der Oberliga Baden-Württemberg an, und der Abstieg in die Verbandsliga Württemberg soll möglichst schnell korrigiert werden. Mit Marcus Wenninger, eigentlich ein Urgestein des SGV Freiberg/Neckar, besitzt der Club einen erfahrenen Trainer, der der richtige Mann für diese Mission sein dürfte.
Ähnlichkeiten mit dem SGV Freiberg sind auch anderweitig vorhanden: im Allgemeinen erwartet man den FSV als Topfavorit für den Aufstieg. Indes scheint der Weg zur vermeintlichen Rückkehr in die Oberliga für die Hollenbacher nicht so reibungslos zu verlaufen wie weiland für die Freiberger. Planmäßig steht man nach 11 Spieltagen zwar auf Platz 1, aber der Weg an die Spitze ist wesentlich holperiger als für die Freiberger in der Vorsaison, und mit dem TSV Ilshofen und den Sportfreunden Dorfmerkingen sind weitere Anwärter mit von der Partie. Immerhin: Hollenbach hat bisher alle Heimspiele gewonnen. Auswärts hingegen strauchelt und stolpert man gerne bei vermeintlichen Underdogs: 0:3 in Wangen, 1:1 beim FC Albstadt, 0:0 in Rutesheim. Ein Selbstläufer wie für Freiberg ist die Verbandsliga nicht. Die Marschrichtung für Hollenbach dürfte am Samstag klar sein: den dritten Auswärtssieg in der Saison einzufahren.

Der Gegner.


Der Fußball-Sport-Verein Hollenbach, so die offizielle Schreibweise, erblickte am 2. Februar 1970 das Licht der Welt. Ein echter Spätzünder, was für mich hingegen sehr vorteilhaft ist, da ich nicht zu viel über die Geschichte des Clubs schreiben muss. Ein Montagskind, dieser FSV, und man fragt sich mit Blick auf die damaligen Spielergebnisse, ob möglicherweise eine Partie des Wochenendes ausschlaggebend für die Clubgründung war? Der VfB Stuttgart fertigte Aachen 5:0 ab, der VfR Heilbronn spielte 0:0 gegen die Stuttgarter Kickers, im "kleinen Heilbronner Derby" siegte Union Böckingen mit 5:1 über die TG Heilbronn, und die SpVgg Neckarsulm ließ dem SC Geislingen mit 3:1 keine Chance. Vielleicht war es auch nur die Langeweile, schließlich hatte der Winter 1970 noch richtig Schnee zu bieten, und da kann man mitunter zu eigenartigen Entscheidungen kommen. Vielleicht war es auch die kommende Gemeindereform, die Lokalpatrioten antrieb, den Namen Hollenbach am Leben zu erhalten und nach Außen zu tragen, denn der kleine Ort wollte keinesfalls zu Mulfingen gehören und klagte noch bis 1975 vergebens vor dem Staatsgerichtshof, lieber nach Niederstetten eingemeindet zu werden. Wie auch immer, bereits im September 1971 war der Club im Vereinsregister eingetragen, und der Aufstieg des Dorfclubs konnte beginnen. Denn Hollenbach, ein Ortsteil der Gemeinde Mulfingen, zählt knapp 500 Einwohner. Erstaunlicherweise hat der FSV auch heute noch mehr Mitglieder, als der Heimatort Einwohner zählt. Im Prinzip könnte man sich in Hollenbach mit dem Prädikat des "unbeugsamen gallischen Dorfes" schmücken. Macht man aber nicht, da dies völlig albern ist. Zudem verdankt Hollenbach seinen Aufstieg nicht irgendwelchen magischen Gebräuen, sondern der Verbundenheit seiner Mitglieder, seiner nachhaltigen Jugendarbeit und natürlich einigen namhaften regional agierenden Sponsoren à la Jako (nach dem das frühere Stadion Greut benannt ist) oder ebm-Papst.

Viel zu erzählen habe ich aus Hollenbachs junger Vergangenheit leider nicht. Viele Jahre dümpelte der FSV auf Kreis- und Bezirksebene daher, und im wfv-Bezirk Hohenlohe maß sich der Club mit Nachbarn der Hausnummer TSV Künzelsau oder DJK Kupferzell. Der Quantensprung begann in der Saison 1998/99 unter dem Trainerduo Ralf Stehle und Jürgen Wöppel. 1996 war der FSV in die Kreisliga A abgestiegen. Walter Mühleck konnte nach einem 4. Platz 1997 und einen mehr als abgeschlagenen 3. Platz 1998 keine Lorbeeren ernten. Stehle/Wöppel hingegen langten gleich mächtig zu. 1998/99 mit 19 Punkten Vorsprung und 105 Toren in 28 Spielen souveräner Aufsteiger in die Bezirksliga Hohenlohe. Nur 14 Gegentore waren dabei zu verzeichnen, und alle 14 Heimspiele wurden gewonnen, beim späteren Tabellenfünften TSV Morsbach gewann man gar mit 10:1.

Doch damit nicht genug. 1999/2000 marschierte der Aufsteiger direkt in die Landesliga durch. 24 Punkte betrug diesmal der Vorsprung vor dem Tabellenzweiten TSV Gerabronn, die Hunderttoremarke verfehlte man nur knapp, und bei den Heimspielen gab es einmal ein Unentschieden, ein 1:1 gegen Tura Untermünkheim. Von nun an ging es langsamer, aber dennoch stetig nach Oben. 2007, Ralf Stehle war längst alleine Chefverantwortlicher, krönte der Verein seinen Trophäenschrank mit dem Landesligameistertitel, 2010 feierte man die Meisterschaft in der Verbandsliga Württemberg, und bis zum Ende der vergangenen Saison feierte man fröhliche Einstände in der Oberliga Baden-Württemberg, überwiegend mit einstelligen Tabellenplätzen.

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich, dass der Aufschwung sehr mit dem Namen Sprügel und JAKO und verbunden ist und planmäßig am Aufstieg aus den Niederungen der Bezirksklassen beteiligt waren. Nicht immer zur Freude der Vereine in der Umgebung oder Fußballtraditionalisten, die das Armageddon eines hohenlohischen "Hoffenheims" heraufziehen sehen.

Auch nicht unerwähnt lassen darf der Chronist die Besuche der Steuerfahndung, den Strafbefehl in unbekannter Höhe gegen zwei Funktionsträger 2015 und die zur Bewährung ausgesetzte Strafe gegen einen früheren Oberliga-Toptorjäger des TSV Crailsheim, über den für sein sportliches Engagement bzw. der "kreativen Buchhaltung" des FSV Hollenbach im Dezember 2015 das Urteil gesprochen wurde. Der Verein selber zahlte zur Schadenregulierung noch im August 2015 250.000 Euro nicht abgeführte Sozialversicherungsbeiträge nach.

Im wfv-Pokal 2015/16 konnte man mit dem Erreichen des Viertelfinales (2:3 gegen FSV Bissingen) aufhorchen, wobei auch die SG Sonnenhof Großaspach im Greut über die Klinge springen musste. Größter Pokalerfolg war das Halbfinale 2007 gegen den SSV Ulm 1846, das in Niederstetten ausgetragen wurde und mit 3:1 für die Ulmer endete, die im Finale gegen Normannia Gmünd mit 1:2 unterlagen.

Spielstätte des Clubs ist das Spielfeld "Im Greut", welches nach seinem Sponsoren nun Jako-Arena heißt und Platz für 3.500 Zuschauer bietet. Der Zuschauerrekord beträgt nach Vereinsangaben 3.300.

Aus dem Leben eines Hollenbacher Trainers.
Der Trainer Marcus Wenninger ist auch im Schwerzer kein Unbekannter. 2004/05, in der Aufstiegssaison der Gmünder Normannen, gehörte er als Abwehrspieler zum Oberligakader unseres Ligakonkurrenten SGV Freiberg. Dabei brachte er das seltene Kunststück fertig, im Hinspiel in Freiberg in der Startformation gegen Normannia zu stehen (wobei er am 24. Oktober 2004 auch nichts gegen die 0:2-Niederlage unternehmen konnte), und beim Rückspiel in Gmünd am 30.04.2005 als Cheftrainer im Schwerzer Platz nahm. Freiberg siegte 3:2. Wenninger war somit erfolgreicher als sein berühmter Amtsvorgänger Willi Entenmann, der am 9. November 2004 seinen Hut nahm. Immerhin: wenigstens Alexander Zorniger verlängerte trotz Niederlage seinen Vertrag beim Schwerzer-Club, wie auf der (sagen mir mal, "denkwürdigen") Pressekonferenz im Anschluß der Partie bekanntgegeben wurde.
Aber zurück zu Wenninger! Wie gesagt, die Fußballehe zwischen der SGV Freiberg und Willi Entenmann wurde nach 381 Tagen geschieden. Abwehrspieler und Co-Trainer Marcus Wenninger wurde mit dem Cheftrainerposten betraut, um den freien Fall in die Verbandsliga zu stoppen. Und in der Tat gelang es ihm, die SGV aus dem Abstiegssumpf zu ziehen.
Bis 7. Mai 2011 behielt Wenninger die Verantwortung in Freiberg, wurde von Günter Wellm abgelöst und versuchte kurz sein Glück in der Landesliga bei der FV/SKV Ingelsheim. Als echtes Freiberger Gewächs zog es ihn aber wieder zum Neckarclub zurück: zunächst als erfolgreicher Trainer der A-Jugend, und ab dem 16. November 2015 als "Feuerwehrmann" der 1. Mannschaft, um erneut den Abstieg aus der Oberliga zu verhindern. Beinahe wäre es ihm auch gelungen. Beinahe. Erneut widmete er sich der U19, ehe er im Januar diesen Jahres wieder als "Feuerwehrmann" gerufen wurde. Diesmal sollte er den Abstieg des FSV Hollenbach verhindern, wo man sich zuvor vom langjährigen Chef Ralf Stehle getrennt hatte. Wieder erreichte Wenninger nur fast das Ziel, diesmal besonders bitter, da bei einem Aufstieg der Bissinger Hollenbach die Klasse gehalten hätte. Wenninger hat einen Vertrag bis Saisonende. Aber wer weiß, ob er nicht irgendwann erneut in Freiberg landet?

Die Hohenloher Ballkünstler. Trotz des Abstiegs aus der Oberliga brachten es die Hollenbacher fertig, den Großteil ihres Kaders auch in der Verbandsliga zusammenzuhalten. Mit so viel Kontinuität im Rücken darf man sich zurecht als Aufstiegsfavoriten sehen, auch wenn das offizielle Vereinsziel etwas bescheidener daherkommt. Von den Torjägern ragt der 20-jährige Serkan Uygun hervor, der mit 7 der 22 Hollenbacher Treffer zum Erfolg beitrug. Uygun durchlief die Fußballschule des VfB Stuttgart und wechselte 2016/17 von dessem Regionalligateam zum FSV. Auch als Elfmeterschütze ist er bislang erfolgreich, und hat in dieser Saison schon zweimal "vom Punkt" ins Tor getroffen. Uygun hat bislang auch alle 11 Spiele für die Blau-Roten absolviert, wozu sich noch Mittelfeldmotor Michael Kleinschrodt (22 Jahre, 2 Tore), der 28-jährige Odenwälder Abwehrspieler Marc Zeller und Torhüter Philipp Hörner gesellen. Im Gmünder Raum wird man sich natürlich mit Fabian Czaker beschäftigen, der 2016/17 vom TSV Essingen nach Hohenlohe wechselte. In dieser Saison kam er zu bislang 9 Ligaeinsätzen und 2 Toren. Erwähnen sollte man noch Daniel Breitinger, der im letzten Spiel gegen Pfullingen seinen zweiten Saisontreffer eintütete.

Der Griff in die Mottenkiste.


Klar, bei einem Verein, der gerade mal 11 Monate älter ist als ich selber, fällt es schwer, tief in der Geschichte zu graben. Ich wage dennoch den Versuch.

Ein gewisser Kevin Kurányi war notwendig, um Landesligaaufsteiger FSV Hollenbach zu bezwingen. Kurányi, als Jugendspieler aus Brasilien nach Stuttgart gewechselt, trug sich nebst seinen Teamgefährten Angelo Vaccaro und Christian Seeber am 16. August 2000 in die Torschützenliste ein, als die Regionalligavertretung des VfB Stuttgart um Trainer Rainer Adrion im Hollenbacher "Greut" zum Testspiel auflief. Mit 0:3 schlugen sich die Hollenbacher mehr als achtbar gegen die Bundesligareserve des VfB Stuttgart.

DFB-Pokalteilnahme zum greifen nah. Beinahe wären sich ja der 1. FC Normannia Gmünd und der FSV Hollenbach 2007 im Endspiel um den WFV-Pokal begegnet. Doch während die Schwerzerelf ihr Heimspiel gegen den favorisierten TSV Crailsheim durch Tore von Schöllkopf, Mangold und Grampes mit 3:1 im Regen gewann, unterlag Hollenbach am 9. Mai 2007 das in Niederstetten ausgetragene Spiel gegen den SSV Ulm 1846 mit 1:3. Ein Achtungserfolg war die Niederlage dennoch. Es soll indes Ulmer Fans gegeben haben, die sich verwundert den Kopf rieben, wieso die Spatzen nach Hollenbach bei Augsburg zu fahren hätten...

"Alesia? Wir wissen nicht, wo dieses Alesia ist!" Fragen sie mal eingefleischte Fans von Hannover 96 nach Hollenbach. Denen sollte der 20. Mai 2013 heute noch in den Ohren klingeln. Hannover, in jener Saison sogar Europapokalteilnehmer, fuhr zum Freundschaftsspiel nach Gerabronn, um dort als Attraktion zum 150jährigem Bestehen des TSV Gerabronn anzutreten. FSV-Trainer Ralf Stehle ließ auch prompt seine Stammmannschaft antreten, die sich, wie er meinte, diesen Gegner zum Saisonabschluß einfach verdient hatte. Martin Kleinschrodt, heute sportlicher Leiter des FSV, erzielte das erste Tor für seinen Club und nahm als "Skalp" von der Partie noch das Trikot des Schweizer Internationalen Johann Djorou mit nach Hause. Konstantin Rausch gelingt zwar der Ausgleich für den Bundesligisten, doch Christoph Schenck und Marius Müller sichern den historischen 3:1-Sieg des FSV. Am Ende des Tages durften die Helden gar Autogramme geben, was auch keine Selbstverständlichkeit in Hollenbach darstellt.

Unnützes Wissen.


Ferkel, Linden, Vorreiter. Über den idyllischen Ort Hollenbach kann man wenig heroisch-historisches berichten. Bekannt war der Ort einst für seine großen Ferkelmärkte, und Botaniker schnalzen heute noch ob der 700 Jahre alten Dorflinde, die wohl älteste in Baden-Württemberg, mit der Zunge. Weniger bekannt dürfte sein, das Hollenbach bereits im Oktober 1941 auserkoren wurde, zum "Musterdorf" umgebaut zu werden. Hierbei wurde seinerzeit eine der ersten großen Flurbereinigungen Deutschlands durchgeführt. Noch in den späten 50er / frühen 60er Jahren galt Hollenbach neben Opfingen, Mehrstetten, Merchingen und Stebbach als eines der schönsten und vorbildlichsten Dörfer im Südwesten.

Apropos Ferkel! Einen kuriosen Schadensfall gab es im Januar 1954 zu verzeichnen. Ein Tierarzt, der zu einem Hollenbacher Schweinezüchter gerufen wurde, staunte nicht schlecht, als er nach verlassen des Stalls sein Auto von Schweinen angefressen vorfand. Den drei kleinen Schweinchen mundeten das Trittbrett und die Zierleiste gar vortrefflich. Wie der Schadensfall reguliert wurde, war leider nicht in Erfahrung zu bringen.

JAKO. Keine Hollenbacher Geschichten ohne den Sportartikelhersteller und Sponsor des FSV, der noch 2012 im Kicker als "kleiner Riese" bezeichnet wurde. JAKO, das Kürzel steht für die Flüsse Jagst und Kocher, erblickte sein Licht der Welt aus dem Grund, den Sportvereinen eben zwischen diesen beiden Flüssen mit regionaler Sportausrüstung dienlich sein zu können. Nachdem es gelang, Fuß bei Eintracht Frankfurt zu fassen, ist die Firma um den ehemaligen Würzburger Zweitligaprofi Rudi Sprügel längst ein Global-Player, der allerdings nicht seine regionale Identität verloren hat und noch heute Vereine und Sportveranstaltungen im Hohenlohischen fördert.

EBM-Papst. Keine Hollenbacher Geschichten ohne den Motoren- und Ventilatorenhersteller und Sponsors des FSV. Mit Umsätzen um die Milliarden-Euro-Grenze herum ist das Hollenbacher Unternehmen erst recht zum Global Playing verurteilt, nichtsdestrotz aber auch regional engagiert, wie eben nicht nur der FSV Hollenbach weiß, sondern z. B. auch Läuferinnen und Läufer um den ebm-papst-Marathon.

Alles nur Theater. Der in meinen Augen wichtigste Exportschlager des 500-Seelen-Ortes? Na klar: Das Theater Hollenbach! Anfang der 1980er gründete sich dort ein Laientheater, dass sogar mit dem Lyriker Gottlieb Haag einen Hausschreiber vorweisen konnte. Spielte man zunächst nur bekannte Stücke auf Schwäbisch, so hatte das Theater seine größten Erfolge mit eigenen hohenlohischen Werken wie "Die Glocken von Jericho oder Sou san's halt d' Leit" oder "Dr Dout" ("Der Pate"). Der große landesweite Durchbruch gelang 1985 auf den Volkstheatertagen in Heidenheim, 1987 wurde man mit dem Eschenbachpreis ausgezeichnet, im Juli 2000 war "Derham is derham" im 3. Programm zu sehen.

Kult. Der FSV Hollenbach hat mit Einwurf einen eigenen, unregelmäßig erscheinenden Fußballblog. Hier gibt es alle Phrasendreschereien, die das Stammtischherz begehrt. Link zur Hollenbacher Fußballkolumne EINWURF.

Direktvergleiche. Wie Eingangs erwähnt, trafen Normannia und Hollenbach nur in zwei Spielzeiten in der Oberliga Baden-Württemberg aufeinander.

Die Bilanz aus Sicht des 1. FC Normannia:

4 Spiele; 1 Sieg, 2 Unentschieden, 1 Niederlage bei 5:5 Toren.

Die Heimbilanz der Normannia sieht hingegen erfreulich aus:

2 Spiele; 1 Sieg, 1 Unentschieden, 0 Niederlagen bei 4:3 Toren.

Die Begegnungen:
11.08.2010 - 2:1 (H)
26.02.2011 - 1:1 (A)
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01.11.2011 - 0:1 (A)
16.05.2012 - 2:2 (H)

Man sieht: wenn Normannia das erste Heimspiel in der Saison genießt, können wir ja nur gewinnen. Unglücklich wäre ich zumindest nicht darüber. Bei einer Leistung wie gegen Rutesheim hingegen könnten die Hollenbacher ein wahres Schlachtfest zelebrieren.

Und zum Schluß ausnahmsweise eine andere Statistik: 
Als Spieler hat Hollenbachs Trainer Marcus Wenninger noch nie gegen Normannia gewonnen - war ja auch nur ein Punktspiel. Als Trainer hingegen weiß er, wie es geht: seine persönliche Trainerbilanz gegen Normannia lautet 13 Spiele, 6 Siege, 3 Unentschieden und 4 Niederlagen bei 21:17 Toren. Die Bilanz könnten wir in dieser Saison ausgleichen. Holger Traub, übernehmen Sie! ;)