Posts mit dem Label derbyklassiker werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label derbyklassiker werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 5. September 2015

Derbykater - 1. FC Normannia Gmünd gegen 1. Göppinger SV

Katerstimmung im Schwerzer
Dem Chronisten fällt es nicht leicht, von einer Niederlage seiner Heimmannschaft zu berichten, zumal das 0:2 gegen den Filstalrivalen Göppinger SV auch noch verdient war. Noch nicht einmal dem Schiedsrichter kann man die Schuld geben, denn Stefan Fimpel aus Bad Wurzach hat seine Arbeit sehr ordentlich gemacht und rechtzeitig beiden Parteien klar gemacht, wer hier auf dem Feld das sagen hat.

Nein, als Fußballfan hat man es da schwer und muß es "einfach so mal" akzeptieren, das die Gastmannschaft an jenem Freitagabend schlicht besser war. Da Fußballer und deren Fans gerne zum Aberglauben neigen, kann man es höchstens auf den Freitag schieben, denn schon der Saisonauftakt gegen die SV Böblingen war mit einem 1:1 an einem Freitag nicht mit einem "Dreier" gekrönt.


Begonnen hat die Sache ja richtig gut. Das Wetter war auf Fußballfans ausgerichtet, und Herr Stegmaier im Kassenhaus des Haupttores durfte sich auch über kleine Schlangen am Eingang freuen. 720 Zuschauer (!) - eine Zahl, mit der man ruhig auch mal mit der Zunge schnalzen darf - fanden den Weg in den Schwerzer, darunter auch zahlreiche Gästefans.


Während sich die Göppinger Spieler bereits mit dem Rasen vertraut machen, begrüße ich derweil Dennis Dudek, dessen Herzblut an den Schwarz-Roten aus dem Filstal hängt und der sich gerade lukullisch stärkt. "So habe ich das gerne", rufe ich ihm zu, "aus dem Filstal herkommen und uns die Lebensmittelvorräte wegfuttern". Moralische Unterstützung erhält er sofort von Göppinger Betreuerseite. "Bei uns gibt es nur Wasser und Brot, da stärkt man sich bei jeder Gelegenheit". "Aha", erwidere ich, "Wasser und Brot? Das ist also Euer Geheimnis. Das notiere ich sofort".

Schönes Foto, aber blödes Tor. 0:1 für Göppingen.
Mario, treu wie der eiserne Heinrich, stand natürlich bereits am Posten hinter dem Tor. Indes, es hat nichts genutzt. Warum um den heißen Brei herum reden? Der kürzeste Spielbericht aller Zeiten geht folgendermaßen: 0:1 Göppingen in der 1. Halbzeit, 0:2 Göppingen in der 2. Halbzeit. Dazwischen sorgte Konstantin "Kiki" Kühnle im Gmünder Tor mit ein paar Pantherreflexen dafür, das die Anzeigetafel wenigstens nicht schlimmere Spielstände von sich gab.



Kann es noch schlimmer kommen? Es kann! Bereits zur Halbzeit mußten wir Getränketechnisch von Bier Appel über Kocherreiter zu gar nichts wechseln, wobei gar nichts von der Biernote nicht nur nach nichts schmeckt, sondern auch nicht erfrischt. Offenbar war man auf über 700 durstigen Zuschauern nicht vorbereitet.

Ungewöhnlicher Ballkontakt

So mußte später das Vereinsheim herhalten, die Hopfensucht zu befriedigen, was mich leider in die Nähe der Länderspielübertragung brachte, aber dafür zu angenehmen Unterhaltungen führte. Mit Tim Geideck, der sonst lesenswerte Artikel im Schwarzwälder Boten schreibt, konnte ich so über den Amateurfußball und LOKALRUNDE fachsimpeln.

Kurz und Wurz: so ist halt Fußball. Ich nehme die Niederlage sportlich. Denn jetzt kommen endlich wieder Samstagsspiele, und die sahen in dieser Saison bislang Normannia als Sieger.



Samstag, 11. April 2015

Alde Seggl beim Amateurfußball - Normannia Gmünd gegen FSV 08 Bissingen und 1. Göppinger SV

Nach dem 0:0 in Bissingen.
Zwei Spieltage mit Normannia, und dabei zwei richtig geile Spiele erlebt. Auch wenn die Punktausbeute leider nicht den Erwartungen entsprach, so durfte ich am 28. März in Bissingen und mehr noch am 4. April gegen Göppingen Werbung für den Amateurfußball erleben, wie er eigentlich schöner nicht sein kann. Aber der Reihe nach.

Der 28. März führte uns wieder einmal zum Tabellenführer FSV 08 Bissingen, dessen letzte Niederlage vom Oktober 2014 datiert. Eine bärenstarke Truppe mit Ambitionen in Richtung Oberliga, und sollte nicht gerade ein Fußballteufel sein Unwesen treiben, so dürfte der Rückkehr ins Baden-Württembergische Oberhaus nichts im Wege stehen.

Als "alde Seggl", die mein Kumpel Mario und ich nun mal sind, fuhren wir zur Auswärtsfahrt natürlich mit der Bahn, stets den Fanschal um den Hals. Wenn sich schon die Mannschaft den Allerwertesten aufzureisst, so können wir wenigstens in der Öffentlichkeit Farbe bekennen.

"Alde Seggl" ist dabei mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Mit einer ordentlichen Portion Selbstironie haben wir uns mittlerweile als "Alde Seggl Ultras" firmiert und tragen zusätzlich zum offiziellen Normannia-Schal einen eigens gefertigen Seggl-Schal. Aber das nur am Rande.

"Wohin wollt ihr?" lautete die Frage des Taxifahrers in Bissingen. "Ach so, FSV. Da gehe ich erst hin, wenn sie in der 1. Liga kicken". Nun, so weit wird es wohl nicht kommen, aber das hat man ja schon von vielen Clubs gedacht. Zumindest waren wir vor dem Vereinsheim da - die Wirtin hatte noch nicht geöffnet, was zu sehr ernsten Engpässen bei uns führte. Weniger wegen dem Konsum eines Gerstensaftes vor der Partie, als eher der dringend notwendige Toilettenbesuch. Und bei Tageslicht in Hecken pinkeln tun wir nicht mal im Gaststadion.



Aber jede Wartezeit nimmt mal ein Ende, und so saßen wir, um Liter erleichtert, am Tresen, bewunderten die dort präsentierten Fanschals des FSV 08 und von Hajduk Split, und freuten uns in aller Ruhe auf das Wiedersehen mit Hardy Lindner, dem FSV-Mann, mit dem man sich so schön über den TV Derendingen unterhalten kann.

Ein ungewohntes Bild zeichnete sich am Kassenhäuschen ab: hier standen Menschen in der Schlange. Auch wenn ich die von der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlichten 400 Zuschauer ins Reich der Phantasie verweisen möchte, so waren die gut und gerne 300 Amateurfußballfreunde alles andere als enttäuscht vom Spiel. Aber ob 300 oder 400 ist in Bissingen einerlei - das Publikum dort gehört wie in der vergangenen Saison zur Kategorie Hallenschachultras, und es bedarf lediglich eines Mario, eines Gaetano und mit, um wenigstens akkustisch eine Partie in eine Heimspiel zu verwandeln - was wir schließlich auch skandierten.

Was sich in der Vorwoche gegen Albstadt bereits abzeichnete, wurde auch in Bissingen deutlich: Normannia kann richtig geil Fußball spielen - ich entschuldige mich für das derbe Wort "Fußball". Abgehakt werden durfte die Partie unter der Rubrik "0:0 der ziemlich guten Sorte", auch wenn phasenweise Glücksgöttin Fortuna ihre schützenden Hände über die Normannen hielt. Aber: es war kein ermauertes 0:0 beim seit 13 Spielen ungeschlagenen Tabellenführer, sondern ein verdientes. Die Burkhardts im Tor ließen einfach keine Treffer zu.













Wir Fans waren guter Laune. Neben uns stand ein unermüdlicher Bissinger, der sich über unsere zugegebenermaßen nicht Opernhaustauglichen Gesänge amüsierte, der aber auch zugab, dass er es toll findet was wir da treiben. Ihm verdankte ich auch den Tipp, statt des am Grill verkauften Wullebieres ins Vereinsheim ein Bier im Becher zu ordern. Zur Belohnung mußte ich ihm eins spendieren.

"Pleidelsheim Pleidelsheim! Hey! Hey!"
Derweil feierten Mario und ich lautstark Gaetano und den GSV Pleidelsheim. Genau: Pleidelsheim. Die A-Jugend trat nämlich in Anschluß der Verbandsligapartie zu einem Freundschaftsspiel an. Als die Jung an uns vorbeiliefen, skandierten wir GSV-Fangesänge. Nach der Partie kam dann auch ein GSV-Kicker zu mir und fragte: "Könnt ihr denn nicht noch bleiben und uns ein wenig anfeuern?"



Konnten wir leider nicht, denn Züge warten nunmal nicht. Zur Strafe ging mein treuer alter Fanschal, den ich seit der Hunderjahrfeier 2004 mein Eigen nannte, verloren. Zuletzt durfte er noch mit dem Trainergespann Beniamino Molinari und Veselko Karačić posieren - und jetzt fühle ich mich wie Gollum auf der Suche nach "mein Schaaaaatzzzz".
Gute Laune nach dem Spiel: Nico Walter und Timo Zimmer.

Schmerzlich vermisst: mein Schal.


Große Vorfreude herrschte auf das Traditionsderby gegen den 1. Göppinger SV eine Woche später. Die Göppinger, die punkte- und tabellenmäßig auch nicht am Hungertuch nagen, waren eine weitere schwere Prüfung für meine Normannen. Leider fand die Partie durch das Wetter bedingt nur auf dem Hockeyfeld statt - ein echter Hartplatz und im Gegensatz zu den vorbildlichen Kunstrasenplätzen in Berg oder Bissingen kein Platz für schöne Fußballspiele.






Aber wie so oft, wenn ich Laie meine, mich als Fußballexperte aufspielen zu müssen, werde ich eines besseren belehrt. Was beide Mannschaften dort aufs Parkett legten, war feinste Sahne, eine würdige Werbung für den Stadionbesuch und "Glotze aus, Stadion an!". Lediglich die Zuschauerzahlen hätten besser sein dürfen, doch die 346 Fans, von Claus-Jörg Krischke handgezählt, waren am Spieltag nicht zu toppen - das waren immer noch so viele wie in Böblingen, Gärtringen, Neckarsulm und Laupheim zusammen. Die Marke Normannia beginnt halt doch wieder zu ziehen, und das junge Team um Beni Molinari legt einen begeisternden Fußball hin, der für die Zukunft gutes erhoffen läßt.

Singing in the rain
 Mit einem ganz besonderen Zuschauer durfte ich mich ausgiebig unterhalten. Ferdinand Hierholz, in den Fünfzigerjahren Dauertorschütze der Normannia, besuchte seine alte Heimstätte mal wieder. in der Saison 1954/55 war "Nandi", wie man ihn liebevoll nannte, mit 21 Treffern hinter Eislingens Legende Sepp Haag zweitbester Torschütze in der 1. Amateurliga Württemberg - und das im Abstiegsjahr der Normannen. Wie wichtig Hierholz für das Team war, wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass das Team unter Spielertrainer Sepp Ledl insgesamt 46 Tore erzielte.

Immer gut drauf: der "12. Mann"
Begeisterte Nachwuchsfans


Ganze Energie für Normannia








Auch Albert Klammer ist zufrieden











Große Begeisterung herrschte beim Publikum, und vor allem die jungen Fußballfreunde kamen auf ihre Kosten und in ihrer Begeisterung standen sie uns "alde Seggl" in keinster Weise nach. Im Gegenteil, man konnte sogar von ihnen noch lernen.

Entjungferung feierte die neue Anzeigetafel. Der "12. Mann" organisierte, baute, sammelte - und heraus kam ein neues Prachtstück der Verbandsliga Württemberg - meines Wissens besitzt nur noch Bissingen eine digitale Anzeigetafel. Die Premiere ging leider in mehrere Hisnicht schief. Kein Kaiserwetter, das Spiel auf dem Hartplatz statt bei der Tafel auf dem Rasen, und am schlimmsten: die Ära der neuen Anzeigetafel begann mit einer Niederlage in der Nachspielzeit.

Wenigstens Rückkehrer Felix Bauer durfte sich in die Torjägerliste eintragen, aber das Drama der Partie wiederzugegeben, fällt schwer. Rückstand kurz vor Schluß, Normannia-Ausgleich in der 90. Minute, Todesstoß in der 93. Minute... Als Trost bleibt die Tatsache, das wir trotz der 2:3-Niederlage ein Spiel auf verdammt hohen Niveau erlebten. In mir lebt die Hoffnung, dass sich diese Begeisterung, die Mannschaft und Zuschauer zeigen, sich immer weiter nach Außen trägt, das fußballfaule Gmünder wieder ins Stadion zurückkehren.

Nach dem Spiel ging ich zu Göppingens Torwart Kevin Rombach, um ihn zum Sieg und seiner Leistung zu gratulieren. In meinen Augen der Matchwinner des Tages, ohne den die Göppinger vielleicht nicht als strahlende Sieger dagestanden hätten. Seine Reaktion bestand aus "Sie sind doch der Hansjürgen Jablonski, oder nicht? Ich lese das im Internet", womit ich mich ein wenig geadelt fühle.

Noch einmal lauter Jubel nach dem 2:2



Die letzten drei Spiele zeigten deutlich, das es ziemlich geil ist, ein Normannia-Fan zu sein. Generell durfte ich mit den Normannen dreimal eine verdammt gute Werbung für den Amateurfußball erleben, der mir persönlich ja so am Herzen liegt. Meine große Bitte: Egal, ob Ihr Gmünder, Göppinger, Albstädter, ob Bettringer, Tübinger oder Biberacher seid - wenn Ihr Fußball liebt, dann unterstützt Euere Heimmannschaft. Denn gerade der Amateurfußball lebt durch seine Fans!

Support your local football club - not sky sports!

oder

Glotze, Stadion an!

Mittwoch, 21. Mai 2014

Über den Tellerrand - Karlsruher FV gegen Frankonia Karlsruhe

Jubel beim Deutschen Meister von 1910. 
Dinge, die ich bereue? Eine Spitzenposition hat der Umstand, dass ich es in meinem Leben versäumt habe, ein Heimspiel des Karlsruher FV im Stadion an der Telegraphenkaserne zu verfolgen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, das die Schwarz-Roten ihre Heimspiele dort austrugen, und ich erinnere mich noch an die Spielzeit 1994/95, wo ich zumindest Ergebnisse und Torschützen der Landesliga Baden - dort spielte der KFV damals - aus dem Sport-Kurier erfahren konnte. Im Zeitalter des Internets mag das seltsam klingen, aber damals war die Zeitschrift in dieser Hinsicht geradezu bombastisch.

Aber das ist alles Vergangenheit, selbst das Stadion an der Telegraphenkaserne wich modernen Gebäuden, und der KFV war sogar mal ganz weg von der Bildfläche.

Muß ich den Karlsruher FV eigentlich vorstellen? Ich hoffe doch nicht!
Gegründet 1891, war der KFV vor dem Ersten Weltkrieg im deutschen Fußball ungefähr das, was heute der FC Bayern München ist - einfach eine Macht. Bekannt wurde die "Telegrammaffäre", die dafür sorgte, dass der KFV das Vorschlußrundenspiel in der 1903 erstmals ausgetragenen deutschen Meisterschaft gegen den DFC Prag nicht antrat. Die Prage kamen somit kampflos ins Endspiel nach Altona, und wurden dort vom VfB Leipzig zerlegt. Mit dem Meistertitel klappte es erst 1910. Große Namen spielten beim KFV. Nationalspieler Julius Hirsch, der später von den Nazis ermordet wurde; Walther Bensemann, Mitbegründer des DFB; oder Bekir Refet, der erste türkische Fußballer in Deutschland, der von 1926 bis 1935 die Schuhe für den KFV schnürte und auch in die Auswahlmannschaften Süddeutschlands und Badens berufen wurde sowie das erste Länderspieltor der Türkei in einem wichtigen Turnier erzielte.



Der KFV gehörte immer dazu, auch wenn die Erfolge spärlicher wurden. Nach dem Krieg spielte man noch in der Oberliga Süd, dann verschwand man weitestgehend aus dem Blickfeld. Mittlerweile nahm die Fusion zwischen dem VfB Mühlburg und Phönix Karlsruhe die Aufmerksamkeit auf sich, denn der neugegründete Karlsruher SC fuhr die lange vermissten Erfolge ein.

Auf einen Besuch beim Altmeister von 1910 freute ich mich schon sehr lange, auch wenn die Heimspiele längst nicht mehr an der Telegraphenkaserne, sondern am Sportplatz der DJK Karlsruhe-Ost stattfinden. Für den Besuch wählte ich das Ligaduell mit ESG Frankonia Karlsruhe aus. Die Eisenbahner-Sportgemeinschaft Frankonia entstand in seiner heutigen Form zwar erst 1959 durch Fusion, aber sie vereint neben der 1927 gegründeten Reichsbahn-Sportgemeinschaft Karlsruhe den bereits 1895 ins Leben gerufene Karlsruher Fußballclub Frankonia, nach dem KFV und dem Karlsruher SC (durch seinen Vorgängerverein Phönix) drittältester noch bestehender Fußballverein in Karlsruhe. Die Duelle zwischen KFV und Frankonia fanden im Fußball der Altvorderen stets in den oberen Spielklassen vor vollem Hause statt. Mittlerweile ist es nur noch ein Geplänkel im unteren Mittelfeld der Kreisklasse C. Die Zeiten ändern sich halt, aber die Faszination bei mir bleibt. Und so freute ich mich schon sehr darauf, den schwäbischen Spätzlestellerrand einmal zu verlassen und in die badische Fußballhochburg aufzubrechen.

Nach einem regelrechten Anreise- und Umsteigemarathon - immer mit dem Kribbeln im Nacken, einen Anschlußzug zu verpassen - treffe ich dann auch in der ehemaligen großherzoglichen Residenzstadt ein. Auf dem Weg bummelt meine S-Bahn sogar an einer Kleingartenanlage vorbei, die auf den Sportplatz der Frankonia verweist. Karlsruhe ist schone eine geile Stadt, dass muß ich als Spätzlesschwoab neidlos anerkennen!

Im Schatten des Wildpark-Stadions.
Auf meinen halbstündigen Fußmarsch von der Haltestelle Durlacher Tor zum DJK-Platz passiere ich das Wildparkstadion, auch ein Erbe ruhmvollerer Fußballvergangenheit. Aber auch der Nebenplatz ist mir ein Foto wert, schließlich trat die Normannia dort schon im Ligaduell gegen die Amateure des Karlsruher SC in der Oberliga Baden-Württemberg an.



Ein Hauch von Engländerplatz.
Der Platz bzw. das Vereinsheim der DJK-Ost ist gut in diesem weitläufigen Waldgebiet zu finden. Ich muß zugeben, das ich mir vorher nie Gedanken über den Namen "Wildpark" gemacht habe. Jetzt ergibt er aber Sinn. Vor einigen Jahren, so erfuhr ich, muß der Platz der DJK sogar mal von einer Rotte Wildschweine ordentlich umgegraben worden sein. Vielleicht resultiert daher die komplette Umzäunung des Platzes? Als Kleinod kann man ihn nicht unbedingt bezeichnen, aber gemütlich. Von der Bierterasse des Vereinsheims sind die Besucher gerade beim essen, und schauen so beiläufig dem Spiel der beiden Reserven zu, die ebenfalls in der C-Klasse am Ligabetrieb teilnehmen, allerdings in einer anderen Staffel.

Aus der Distanz, irgendwo im Hardtwald versteckt, dringt Stadionmusik herüber. Dort ist der Platz der SpVgg Olympia-Hertha (cooler Name), und die Hausherren empfangen FV Grünwinkel. Olympia-Hertha (der Verein kommt ohne Stadtnamen aus) spielt eine Klasse höher als der KFV, und trifft in der Kreisklasse B u. a. auf Alemannia Eggenstein, die auch mal in der obersten Amateurliga beheimatet waren und auf sehr kuriose Weise DFB-Pokalgeschichte schrieben.

Zuschauer in der 11. Liga.
"Hallo Hansjürgen, schön Dich mal persönlich zu treffen", werde ich begrüßt. Christian ist einer der angenehmen Gründe, warum soziale Medien ihre guten Seiten haben. Mit Fußball hat er im Prinzip nichts am Hut, eher mit Rad- und Laufsport. Aber um sich mal ausserhalb der Anonymität des Internets zu unterhalten, hat er heute mal eine Ausnahme gemacht, und schaut auf eine Stippvisite vorbei. Auch wenn sein Besuch beim Deutschen Meister von 1910 nur kurz währt, so erhalte ich doch einige Informationen vom ihm über das Geschehen in Karlsruhe.

Ein großes Manko für den KFV ist sicherlich die fehlende Heimat. Kein eigener Platz, kein Vereinsheim, keine Einnahmen durch Bandenwerbung, noch nicht einmal ein älterer Herr, der zur Halbzeit das Eintrittsgeld einkassiert oder ein paar Euro Verdienst durch den Verkauf von Bier und Bratwurst. Der logistische Aufwand stünde wohl in keinem Verhältnis zum Zuschauerzuspruch, zumal lukullische Bedürfnisse ja im Vereinsheim der DJK befriedigt werden können. Respekt hingegen verdient der Internetauftritt des Elftligisten, und auch der Fanshop ist nicht von schlechten Eltern. Da bieten oftmals höherklassige Vereine Kreisklassen-Niveau, während der KFV da locker in den ersten zwei Ligen antreten könnte. Alleine die historischen Abbildungen: ein Traum!

KFV 2 - Frankonia 2
Der Platz in der Fremde wirkt sich auch störend auf den Spielverlauf aus. Wildschweinrotten bleiben zwar ausgesperrt, hohe Bälle fliegen jedoch mit Vorliebe über den Zaun und landen im Unterholz, tief im Wald oder gar auf dem benachbarten Tennisplatz, was in schöner Regelmäßigkeit zu Spielverzögerungen führt. Doch Spieler und Schiedsrichter ertragen diesen Umstand mit gewohnter Gleichmut. Die Erfahrung mit diesem Platz macht sich wohl bezahlt.
Schmunzeln muß ich hingegen bei den Trikots der Frankonia II: "Sport-Dino" steht dort nämlich als Werbung, und so alt wirken die Spieler i. d. R. gar nicht.

Das Spiel der Reserven endet mit einem gerechten 1:1. Nachdem Onur Dursun nach einer Stunde den Gastgeber in Führung schoß, glich bereits nach 5 Minuten Thorsten Ell für Frankonia aus. Nicht beklagen darf sich KFV-Kapitän Bedri Igne: seine nicht ernst gemeinte Frage, ob ich ihn auch gut fotografiert habe, kann ich reinen Gewissens bestätigen.

Das Spiel der beiden ersten Mannschaften wird zunächst mal nicht angepfiffen. Schiedsrichter Norbert Geggus vom FVgg Weingarten läßt beide Teams nach dem Auflaufen zu einer Gedenkminute antreten. Einige KFV-Spieler laufen auch mit Trauerflor auf. Später erfahre ich, dass den Opfern des schrecklichen Bergwerksunglück im türkischen Soma damit gedacht wird.

Gedenkminute vor dem Anpfiff.
Frankonia spielt in Rot-Weiß, der KFV in weißen Trikots und schwarzen Hosen, was bei einigen Kindern am Spielfeldrand sofort das WM-Fieber ansteigen läßt. "Wir sind für Deutschland!" sind sie sich alle einig, auch wenn sie immer wieder von den Spielern der Frankonia II geduldig darüber aufgeklärt werden, dass da eben nicht Jögi Löws Mannen spielen.

Es herrschen Freibadtemperaturen, und man möchte baden in Baden. Die wenigen Zuschauer müssen sich zumindest nicht um die schattigen Plätze streiten. Auch auf das Spiel wirken sich die sommerlichen Temperaturen aus. Packende Zweikämpfe sind selten, und ein einziger nennenswerter Vorfall in der 1. Halbzeit geschieht, als ein volles Glas Hefeweizen vom Ball getroffen und somit niemals mehr getrunken werden wird.

Aus der Nachbarschaft dringt plötzlich lauter Musik herüber. "Olympia hat 'n Tor geschossen" sagt eine Frau beiläufig, ehe sie mit ihrer Unterhaltung fortfährt. Auch das ist der KFV, 104 Jahre nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Spielszene 1. Halbzeit.
Wieder geht ein Ball auf die Reise über den Zaun.










Zum Pausenpfiff steht es 0:0, und ich wechsle die Perspektive. Von der anderen Seite des DJK-Platzes setze ich mich der Sonne aus. Hinter dem Zaun passieren Radfahrer, Jogger, Spaziergänger. Einige halten inne und schauen dem Spiel zu, ehe sie doch wieder weiterziehen.

Jens-Fabian Busch und Niklas Reith.
"Das war doch bislang ein Kick zum abgewöhnen", meint KFV-Trainer Thorsten Bailleu, als er zum Seitenwechsel  bei mir vorbeikommt. "C-Klasse im Fußball ist halt nicht C-Klasse bei Daimler" flachse ich zurück.

Die 2. Halbzeit wird munterer als der 1. Durchgang. Der KFV drängt auf das Frankonia-Tor, und in der 47. Minute ist es dann soweit.
Co-Trainer Kevin Konkoll schüttelt seinen Verfolger Jakub Nowicki, den Mann mit der auffälligen Frisur, ab und versenkt den Ball im rechten unteren Eck. Frankonia-Torhüter Uwe Hirsch streckt sich zwar, erreicht den Ball aber nicht. 1:0 für den Altmeister, und ich freue mich über diesen Treffer riesig. Werde ich womöglich über einen KFV-Sieg berichten können?
...Kevin Konkoll feiert den Führungstreffer
Jede Gegenwehr ist zu spät...










Treffer, versenkt, 1:1 durch Kadzimierz.
Adrian Kadzimierz von der ESG Frankonia hat was dagegen, und erzielt in der 59. Minute den Ausgleich für die Gäste. Fairerweise muß ich anerkennen, dass das 1:1 leistungsgerecht ist. Dennoch halte ich es ja bei meinen Besuchen immer mit den Gastgebern, und immerhin war ich knapp drei Stunden unterwegs, um den KFV zu erleben.




Der KFV versucht die erneute Führung, ein Sieg ist greif- und machbar. "Los, vor. Immer flache Schüsse. Der Torwart von denen bückt sich nicht. Der hats mit dem Rücken oder so" ruft man von der KFV-Hintermannschaft den Vorderleuten vor. An Chancen mangelt es nicht, nur der Erfolg bleibt aus.

Da drüben muß der Ball rein!
Aber es kommt noch schlimmer. Nein, nicht durch Bedri Igne, dem Kapitän der zweiten Mannschaft, der auf dem Foto hier als Betreuer fungiert. Der ist hier nur dokumentiert, um zu zeigen, das er wirklich gut getroffen wurde. Man könnte höchstens über den Inhalt des Koffers philosophieren. Laut Aussage eines Zuschauers würde da nur ein Schwamm und etwas Wasser drin, der Koffer somit nur ein Showobjekt sein.
Wie auch immer, das schlimme Ereignis tritt in der 88. Minute ein. Omar Martinez Vela lupft den Ball ziemlich ungefährlich über KFV-Keeper David Kidwell, der hüpft genauso ungefährlich in Richtung Ball... und irgendwie landet das aus meiner Perspektive eigentliche harmlose runde Ding plötzlich im KFV-Netz. Soeben überlegte ich noch einen Text á la "leistungsgerechtes Unentschieden im Tradtionsderby", und schon muß ich alles wieder umbauen.

Kurz danach erfolgt der Abpfiff, der Karlsruehr FV unterliegt Frankonia Karlsruhe mit 1:2. Die Mannschaft, die mangels eigenen Platz irgendwie immer auswärts spielt, verharrt mit 17 Punkten auf Platz 9 von 12.

Ich selber nehme für den Rückweg den längeren Weg durch den Schloßgarten zum Hauptbahnhof in Kauf. Die Rückfahrt verläuft schneller, aber immer noch mit ca. 2 Stunden recht lang. Um 20:30 Uhr bin ich schließlich wieder in Schwäbisch Gmünd.

Hat es sich gelohnt, den in die Niederungen der C-Klasse abgestürzten Verein zu besuchen? Ja! Jeder Fußballfreund sollte einmal im Leben zum KFV fahren, um den Fußballpionier und Altmeister seinen Dank abzustatten. In Karlsruhe freut man sich jedenfalls über jeden Zuschauer.


Dienstag, 11. März 2014

„Ein paar Engländer würden diesem Spiel guttun“ – Betrachtungen zum Derby Normannia Gmünd gegen Göppinger SV

Derbyzeit im Schwerzer. Die Birken im Normanniastadion haben schon größere Menschenansammlungen erlebt.

Ein typischer Fußballsamstag in Schwäbisch Gmünd bedeutet, zumal bei herrlichen Wetter, zunächst mal Einkauf, Kehrwoche, Gartenarbeiten oder Straßencafé. Und während man verwunderte Blicke erntet, indem man mit einem Normannia-Schal durch die Gmünder Innenstadt Richtung Schwerzer spaziert, so zieht das Gros der Gmünder Fußballfreunde mit VfB-Trikot und Sixpack bewaffnet zum Bahnhof, um die Regionalbahn nach Bad Cannstatt zu ergattern.

Viele Anhänger im Amateurfußball können ein ähnliches Lied singen. Sofern man nicht grundsätzlich eine Neigung zum Außenseiter besitzt, ist es nicht einfach, Normannia-Fan zu sein. Man wird milde belächelt oder irgendwelche selbsternannten Veteranen erklären dir, was früher alles besser war (vor allem der Zuschauerzuspruch) und was heute alles schlechter ist (vor allem der Zuschauerzuspruch). Das Angebot, doch mitzukommen und beizutragen, den Zuschauerzuspruch wieder auf höheres Niveau zu bringen, wird meist kopfschüttelnd quittiert. Kurz: gibt man sich bei einer Kneipendiskussion als bekennender Bundesliga-Verweigerer und Normannia-Fan zu erkennen, wird man bestenfalls als Exot gebrandmarkt.

Dem war nicht immer so. Bis in die späten Amateurligazeiten war das Normannia-Stadion als Hexenkessel berüchtigt und der lautstarke Fanblock „Birke 7“, buchstäblich nach einem der im Stadion vorhandenen Bäume benannt und heute ein Mythos, lehrte mancher Gastmannschaft das Fürchten. Davon ist man heute weit entfernt, und es ist müßig, darüber zu hadern oder nach den Ursachen zu forschen. Zumal man gewillt ist, etwas zu tun. Eine dieser Maßnahmen ist die sogenannte Ballmania. Dabei erwirbt man beim Kauf einer Eintrittskarte die Möglichkeit, gleich drei Gmünder Mannschaften zu bewundern (neben Fußball noch Volleyball und Handball).

Im Rahmen dieser Ballmania am 8. März bat nun die Gold- und Silberstadt Schwäbisch Gmünd zum Nachbarschaftsduell zwischen der heimischen Normannia und dem 1. Göppinger SV.



Die Göppinger, noch mit ausgestreckten Fühlern in Richtung Aufstieg, galten als favorisiert, während Normannia schon im Abstiegskampf steckte und auch noch unnötigerweise vom Verletzungspech gehatzt wird. Beide Teams konnten sich Punktgeschenke nicht leisten.

Ein Derbyklassiker, wie geschaffen für meinen Fußball-Nostalgiegeschmack im Ambiente des Normanniastadions.
Überschaubarer Zuschauerandrang am Südtor.
Eine kleine Notiz zum Stadionnamen. Offiziell spielt die Normannia im Jahnstadion. So nennt es aber höchstens ein Beamter im Stadtbauamt oder Google-Earth. Der Volksmund kennt es überwiegend als Normanniastadion. Die Doppelnamigkeit entstammt dem Umstand, dass der Rasen der Stadt, die Tribüne aber dem Verein gehört. Somit war damals der Verein der Sorge um einer ordentlichen Rasenfläche befreit und die Stadt erwarb einen Platz für den Schulsport.
Ferner spricht der Gmünder, wenn er zur Normannia pilgert, schlicht vom Schwerzer, nennt die Normannen liebevoll die Schwerzer-Elf. „Schwerzer“ bezeichnet lediglich die Gemarkungsfläche, als das Gebiet vor den Toren der Stadt lag und von der örtlichen Garnison als Exerzierplatz genutzt wurde. Damals war das Gebiet, abgesehen vom benachbarten Komplex des Spitals St. Katharina, nahezu unbebaut. Normannia gehört zu den Vereinen, die quasi seit Vereinsgründung stets an gleicher Ort und Stelle dem Leder nachjagen, noch lange bevor hier ein Fußballplatz zu erkennen war. Die Tribüne wandelte sich mehrmals im Laufe der Zeit, einige Birken wichen einem Neubau und seit kurzer Zeit wird der Spielstand per Anzeigetafel bekannt gegeben. Dennoch blieb das grundsätzliche Ambiente erhalten, auch wenn im Laufe der Jahre die Stadt der Normannia immer näher „auf dem Pelz rückte“, das Stadion „von der grünen Wiese“ mitten ins Stadtbild wanderte.
Die Tribüne aus den 50ern.
So fügte sich auch das glückliche Schicksal, das ich nur wenige Straßen vom Normanniastadion, wahrlich einem Steinwurf entfernt, zur Welt kam. Wieviele Bayern-Fan können sowas schon von sich behaupten?

Der 12. Mann bringt sich vor Spielbeginn in Stellung.
Spannend blieb die Frage, wieviele Zuschauer das Derby anlocken und ob die Ballmania den Zuspruch erhöhen würde. Mein Begleiter und ich grandelten bereits wie Waldorf und Sattler und befürchteten einen „Massenansturm“ von 325 Zuschauern.
Am Ende bedankte man sich zwar bei 548 Gästen, eine völlige Enttäuschung konnten wir allerdings auch nicht verbergen. Vielleicht lag es daran, das im Rund nie heimische Stimmung aufkommt. Zum Oberliga-Aufstieg 2004 tauchte plötzlich aus dem Nichts eine Rätschen-Gruppe auf, und seit 2011 versucht die kleine, aber rührige Fangruppe „Der 12. Mann“ dem Abhilfe zu schaffen. Zur Zeit erinnern mich allerdings Lieder wie „Normannia vor, schieß ein Tor“ an Schulsportfeste meiner Vergangenheit. Schade auch, dass man sich stur an den weiß-roten Stadtfarben - im Fußball eine inflationär austauschbare Farbe - statt den schwarz-roten Vereinsfarben orientiert.
Ungewöhnliches Beinkleid und Göppinger Fanschal.

Gästefans haben es bei entsprechender Motivation für gewöhnlich leicht, ein Match im Schwerzer zu einem Heimspiel zu verwandeln. Doch aus Göppingen kommt nur ein überschaubarer, unzentrierter Haufen Fans mit GSV-Schals und eine nicht definierbare Menge an unsichtbaren Zuschauern, die sich im Stadion verlaufen. Nichts, was ein kippen des Spiels zugunsten der Gäste beeinflussen könnte. Ein Anhänger des VfR Aalen verirrte sich im schwarz-weißen Fanschmuck ins Stadion und sah sich zur Abwechslung ein Spiel einer Liga an, die seine erste Mannschaft bereits vor langer Zeit verlassen hat. Die Zweite steht aktuell an der Spitze der Verbandsliga Württemberg.

Hoffenheim-Trikot auf dem Nebenplatz.
Auch die Göppinger sind traditionell in den Farben Württembergs gekleidet, treten aber heuer in schwarz an.
Unbeeindruckt vom ganzen Geschehen zeigen sich ein paar Jungs auf dem Nebenplatz. Während im Stadion eine Mannschaft aus der Nachbarschaft um Punkte spielt, kicken sie auf dem Hartplatz in Trikots von Borussia Dortmund, Juventus Turin oder der TSG Hoffenheim, einem Stadtteilverein aus dem badischen Sinsheim.

Vor dem Spiel zeigt der 12te Mann noch einmal Flagge mit einer Ein-Mann-Fahnen-Parade, die vor der ehrwürdigen Tribüne beginnt und zum Stammplatz der Fangruppe führt. Ich entfalte mittlerweile hinter dem Tor meine schwarz-rote Flagge und kläre meinen Begleiter über die Göppinger Fußballhistorie auf. Auf seine Frage, wie es möglich sein kann, das Göppingen 1895 auf dem Wappen stehen haben kann, verweise ich auf den brummenden Motor des Filstales und die Dichte an Traditionsvereinen. Zudem, was ist schon eine Jahreszahl? Normannia könnte ohne schlechtes Gewissen 1888 in den Vereinsnamen aufnehmen, würde es sich anstatt auf die Tradition der Fußballer auf die der Radfahrer berufen.
Flagge zeigen für Normannia.
Die TSB-Handballer sind erst um
19:30 Uhr dran und bilden den Rahmen
um meine schwarz-rote Flagge.










Nachwuchssupporterin mit
selbstgebastelter Normannia-Flagge.


Mehr Freude bereitet mir ein Mädchen, dass sich seine eigene Fanflagge gebastelt hat. „Für Normannia. Von Anna“ steht auf dem kleinen Papierfähnchen unter dem Normannia-Wappen, und wer weiß? Vielleicht wird aus der kleinen Anna eines Tages eine glühende Verehrerin des FCN und meisterliche Choreografin von Normannia-Fangesängen.


„So, jetzt sind wir überall herumgelaufen und alle haben uns gesehen. Können wir jetzt gehen?“ hört man von einem sportlichen Herrn im schwarzen Trainingsanzug. Neben mir haben die TSB-Handballer hinter dem Normannia-Tor Aufstellung genommen, zeigen aber keine Anstalten, das Stadion zu verlassen. In der 2. Spielhälfte haben sie dann Aufstellung im unteren Bereich genommen und blieben auch bis zum Schluß, obwohl in Gedanken sicherlich bereits beim eigenen Spitzenspiel gegen den TSV Deizisau.

Das Spiel selber entwickelt sich spannend wie erwartet. Zwei Mannschaften begegnen sich auf Augenhöhe, die Gäste mit nach meinem Geschmack unschön anzusehenden größeren Anteil an karätigen Chancen. Kein langweiliges Derby, doch zum mit der Zunge schnalzen fehlt der sprichwörtliche Funke.

Dramatische Szene vor dem Göppinger Tor.
Wenn die kleine Normannia-Fangruppe nicht gerade rätscht und trommelt, bruddelt es im Rund nur bei strittigen Szenen, ansonsten ist es auch nicht lauter als in einem Biergarten.
„Ein paar Engländer würden diesem Spiel guttun“, und ich erinnere mich wehmütig an seelige Verbandsligazeiten zurück, als ein paar in Gmünd lebende Engländer uns gelegentlich in den Schwerzer begleiteten, um Normannia zu unterstützen. Sie hatten wenigstens vollstes Verständnis, wenn ich bei langatmigen Spielminuten mein „Gott strafe England und Normannia“ bruddelte. Doch diese Zeiten sind vorbei, und ich richte meine Augen in die Gegenwart. In der Zweiten Hälfte erstarken die südlichen Nachbarn, ohne ein richtiges Übergewicht entwickeln zu können, und auch Normannia bleibt nicht chancenfrei. Ich bin kein Spielberichterstatter und verweise daher lieber auf das Video im unten verlinkten Spielbericht.
Kein Grund den Kopf hängen zu
lassen hatte Göppingens Keeper.
Ein munteres, wenn auch torloses Spiel
sahen die Zuschauer im Normanniastadion.

Aufregung herrscht nochmals eine Viertelstunde vor Schluß, als Normannia-Keeper Kühnle nach einem Zusammenprall ausgewechselt werden muß, am Spielstand ändert dies nichts. Die Zuschauer, unter ihnen Ex-Normannia-Coach Alexander Zorniger, sehen ein 0:0, mit dem beide Mannschaften leben können, die Normannia vielleicht sogar einen Tick besser als die Göppinger.

Normannias Ex-Trainer Alex Zorniger, jetzt RB Leipzig,
beim Besuch im Schwerzer.

Und was ist mit Pinguinen?
Später, in der benachbarten Schirmwerfverbotszone Großsporthalle, herrschte eine beneidenswerte Bombenstimmung bei Volleyball und vor allem Handball. Zugegeben, es ist wohl in der Halle einfacher, für Stimmung zu sorgen. Dennoch zeigt es sich, das Gmünder eine Ballsportmannschaft emotional unterstützen können. Woran liegt es? Weil Handball und Volleyball rasanter, schneller sind? Keine gähnend langweilige, „uneinholbare 1:0-Führung“, wie mal ein US-Sportreporter Fußball kolportiert haben soll? Vielleicht brauchen wir doch nur ein paar Engländer. Fachkräftemangel, im Supportbereich.

Noch viel später, bei einem Abstecher auf dem Weg nach Hause, begegnete ich noch den klassischen VfB-Fans in einer Gmünder Kneipe, die das Braunschweiger 2:2 zu verdauen hatten. Aber das ist auch wieder eine andere Geschichte.
Was will er mir damit sagen?









Spielberichte:
NWZ: "Gmünd gegen Göppingen: Nullnummer im Verbandsliga-Derby"
Normannia: "Ein Punkt als verdienter Lohn"