Donnerstag, 10. September 2015

LOKALRUNDE 2015 - TV Echterdingen gegen TSV Köngen

LOKALRUNDE bringt Glück - Torjubel für Echterdingen.
Ein wenig hatte dieses Wochenende ja was von Fußball-Weltmeisterschaft. Am Freitag das Stauferderby in Schwäbisch Gmünd und am Samstag die begeisternde Partie im schön gelegenen Stadion des SC Geislingen. Nun folgte am Sonntag ein Ausflug nach Echterdingen, um eine Partie des heimischen TV 1892 zu verfolgen. Drei Spiele in drei Tagen in drei Städten. Ähnlich wie eine FIFA-WM konnte wohl nur LOKALRUNDE 2015 vergleichbares bieten, für das sich als erster württembergischer Verein überhaupt der TV Echterdingen angemeldet hatte. Gast war der TSV Köngen. Beide Mannschaften spielen wie der SC Geislingen in der Landesliga Staffel 2, so daß aus LOKALRUNDE auch eine LIGARUNDE wurde.

LOKALRUNDE im Stadionblatt des TVE

Beide Mannschaften standen mit 0 Punkten nach 2 Spielen nicht gerade erfolgreich in der Tabelle, und trafen somit schon am 3. Spieltag zum Kellerderby aufeinander. Für Spannung sollte also gesorgt sein.



Mit den Fildern verbindet man als Schwabe zuallererst das Filderkraut, und tatsächlich erhielten beim TV Echterdingen in den 1950er Jahren Fußballer gerne einen ordentlichen Kopf Filderkraut als Gastgeschenk.
Wer im TV Echterdingen 1892 zunächst den Turnverein sieht, liegt natürlich nicht ganz falsch. Gegründet am 17. Juni 1892 im Gasthaus "Hirsch", sahen sich die Gründer als Erben von Turnvater Jahn. Passenderweise für den Ort der Vereinsgründung wurden die ersten Turngeräte im Bierkeller errichtet. Vereinshöhepunkte vor dem Ersten Weltkrieg waren die Ausrichtung des Turngaufestes 1902 und die Errichtung einer vereinseigenen Turnhalle im Jahre 1910.

Fußball, diese von deutschen Turnern für gewöhnliche verpönte "englische Fußlümmelei", kam erst nach dem Weltkrieg auf die Fildern. 1919 gründete sich eine Fußballabteilung, die sich aber bereits 1922 wieder vom TVE abspaltete und den eigenständigen VfL Echterdingen ins Leben riefen. Die Gründe liegen mir zwar nicht vor, da aber für Turner als Ballsport eigentlich nur Faustball, maximal noch Handball existierte, nehme ich mal einen Vorgriff auf die 1924 durchgeführte sogenannte "reinliche Scheidung" an. Wohl bekommen ist die Trennung den Fußballern offenbar nicht, denn bereits 1928 löst sich der VfL wieder auf, ohne irgendwo eine zaghafte Spur in der Fußballgeschichte hinterlassen zu haben.

Schlechte Heimpremiere
Der Fußball kam erst wieder nach dem nächsten Krieg zurück nach Echterdingen, diesmal jedoch erfolg- und nachhaltiger. 1946, als der TV Echterdingen nach dem Stillstand im Kriege und der Aufhebung des alliierten Verbotes wieder ins Leben gerufen wurde, da schloßen sich auch die Freunde des runden Leders den Turnern an. Die Gelb-Schwarzen spielten dabei zunächst in den Stuttgarter Bezirksklassen, ehe durch die Einführung der 2. Amateurliga 1950 der TVE in die Staffel 1 aufgenommen wurde. Nach Oberliga, 2. Division und 1. Amateurliga immerhin die vierthöchste Spielklasse im DFB und zweithöchste Liga innerhalb des WFV. Der Auftakt beim TSF Ditzingen am 10. September 1950 ging mit 0:4 in die Hosen, und auch beim ersten Heimspiel eine Woche später hatte man sich mit dem 1:5 gegen den FV 09 Nürtingen nicht mir Ruhm bekleckert. Die neue Klasse war schlicht kein Zuckerschlecken. Doch zum Saisonende rappelte sich die Mannschaft auf und sicherte sich den Klassenerhalt.

Bereits ein Jahr später errang man vor den Sportfreunden Eßlingen die Vizemeisterschaft und mußte sich in der Liga lediglich Salamnder Kornwestheim beugen, die auch prompt aufstiegen. Übrigens revanchierten sich die Echterdinger beim FV Nürtingen mit einem 4:0-Auswärtssieg. Ins Jahr 1951 fiel auch die Einweihung des Filderstadions, das mit einem Kreisturnfest auch offiziell eröffnet wurde.

Nach Platz 4 und 6 1953 und 1954 kam 1954/55 die erfolgreichste Spielzeit in der Altvorderenzeit. Als sportlicher Höhepunkt begann die Spielzeit zunächst mit der Vergabe des WFV-Pokalendspiels ins Filderstadion, das am 15. August 1954 zwischen dem FV 09 Nürtingen und dem Stuttgarter SC ausgetragen wurde und vor 1.500 Zuschauern mit einem 3:2-Sieg der Nürtinger endete.

Die Meisterelf 1955 (mit Schreibfehler 1955/56), abfotografiert aus
der freundlicherweise zur Verfügung gestellten Sammlung des TVE

Wichtiger als dieses fußballerische Schmankerl war für den TVE jedoch die daraufhin folgende Zweitamateurliga-Saison, die mit einer fast schon als Sensation zu umschreibenden Meisterschaft des TV Echterdingen endete. Am Ende hatte Echterdingen 5 Punkte Vorsprung vor dem Absteiger Sportfreunde Stuttgart, die übrigens mit 5:2 im Filderstadion besiegt wurden. Wie dominant die Echterdinger in jener Saison waren, zeigt auch der Abstand zum Tabellendritten Eßlingen, der bereits 10 Punkte Rückstand zum Meister aufwies. Mit ihrer gefürchteten Heimstärke verloren die Echterdinger kein einziges Spiel im Filderstadion, und mußten nur dreimal den Gastmannschaften neben dem Filderkraut einen Punkt mitgeben (1:1 gegen VfL Kirchheim, 0:0 gegen TuS Metzingen und 2:2 gegen VfB Reichenbach). Nur Auswärts zeigte die Mannschaft Nerven, wofür vielleicht das 5:5 beim TSVgg Münster sinnbildlich steht. Das Heimspiel gegen Münster gewann Echterdingen übrigens mit 9:0.

Mit Trainer Ruff ging es in die schwere Aufstiegsrunde zum württembergischen Oberhaus, in der man auf den TSV Kochendorf (heute Friedrichshaller SV), VfL Heidenheim (heute 1. FC Heidenheim), der SpVgg 08 Schramberg und dem FV Ravensburg traf. Von diesen fünf Bewerbern mußten zwei Mannschaften ausgesiebt werden, die dann ihr Glück in der 1. Amateurliga versuchen durften. Unvergessen in Echterdingen sind heute noch die Spiele, auch wenn der große Sprung nach Oben ausblieb. Dabei fehlte Echterdingen nur ein Quentchen Glück, als es am 19. Juni 1955 quasi zum Endspiel gegen den VfL Heidenheim kam, das vor heimischer Kulisse ausgetragen wurde. Die Ausgangslage sah die Heidenheimer in leichtem Vorteil, denn sie standen Verheißungsvoll mit einem Punkt Vorsprung auf Platz 2 (das spielfreie Kochendorf hatte sich die Aufstiegsmeisterschaft bereits gesichert). Allerdings war da noch Echterdingens Heimstärke. Nach zeitgenössischen Quellen verfolgten 5.000 Zuschauer (darunter ca. 1.500 Heidenheimer) das Drama im Filderstadion - aber vielleicht waren es auch "nur" 4.000...

Martin Bauer brachte Echterdingen in der 24. Minute mit 1:0 in Führung, in der 42. Minute jedoch kam Heidenheim in Folge einer "sträflich leichtsinnigen Rückgabe" durch Tiefenbacher zum Ausgleich. Hans Haid im gelben Trikot verwandelte in der 62. Minute einen Abstoß direkt und brachte Echterdingen erneut in Front. Die Glücksgefühle dauerten jedoch nur vier Minuten, da wurde Torhüter Romanini wieder überwunden - das 2:2 im letzten Aufstiegsspiel brachte den VfL Heidenheim in die 1. Amateurliga.

Dieses Schockerlebnis wirkte sich auch auf die Folgezeiten aus. Als Titelverteidiger landete man 1956 nur auf Platz 7, 1957 auf Platz 8. Am Ende der Saison 1957/58 rettete nur ein Punkt gegenüber dem SV Vaihingen den TVE vor dem Sturz in die A-Klasse. Ein neuerlicher Aufschwung setzte erst wieder 1959/60 ein. Zwar hatte man mit dem Aufstieg nichts zu tun, aber mit Platz 4 schnitt man wieder deutlich besser ab. Während die Folgesaison mit nur vier Punkten Rückstand zu Meister und Aufsteiger Sportfreunde Stuttgart auf Platz 3 abgeschlossen wurde, feierte Echterdingen den Einzug ins WFV-Pokalendspiel gegen den Erstamateurligist VfR Schwenningen. Im Hechinger Weiherstadion leistete Echterdingen am 19. November 1960 erbitterten Widerstand, scheiterte aber in einer hochdramatischen Partie. Trotz des nassen und klitschigen Boden erlebten die 700 Zuschauer ein schnelles und rasantes Spiel, das den Favoriten aus dem Schwarzwald zur Halbzeit mit 2:1 in Führung sah. Die Presse war sich jedoch einig, das ohne Torhüter Romanini der TVE weitaus höher zurückgelegen hätte. Nach Seitenwechsel sah es zunächst nach einem Debakel aus, nachdem Schwenningen auf 4:1 erhöhte. Doch der Echterdinger Kampfgeist brachte den Außenseiter aus den Fildern wieder auf 4:3 heran. Am Ende siegte der VfR zwar verdient, aber auch glücklich gegen den Underdog aus der 2. Amateurliga.

Als Belohnung für das gute Abschneiden im WFV-Pokal winkte der Süddeutsche Pokal, dessen 1. Runde bereits vor dem WFV-Finale ausgetragen wurde. Der TV Echterdingen empfing dabei niemand geringeres als die Stuttgarter Kickers, denen man am 23. Oktober 1960 knapp mit 1:2 unterlag. Zum Vergleich: der spätere WFV-Pokalsieger VfR Schwenningen unterlag am gleichen Tag dem SSV Reutlingen mit 2:6.

1962 fehlte in der Liga nur ein Punkt zur Aufstiegsrunde, und es wäre damals zum Duell gegen Normannia Gmünd gekommen. Der 2. Platz konnte zwar auch 1963 verteidigt werden, allerdings betrug der Abstand auf Meister Stuttgarter SC schon acht Punkte. Ausgerechnet gegen Meister SSC feierten die Echterdinger mit 6:0 ihren höchsten Sieg, während die 5:6-Heimpleite gegen den FCTV Urbach zu den kuriosen Ergebnissen der Vereinsgeschichte gezählt werden muß (die Reserve der Stuttgarter Kickers nahm damals nur außer Konkurrenz teil, so daß das 5:9 nicht richtig gewertet werden kann).

Noch einmal durfte Echterdingen ein WFV-Pokalfinale erleben, 1964, als die SpVgg Neckarsulm die SpVgg Spaichingen vor 2.000 Zuschauern mit 3:2 bezwang.

Seit der Einführung der Bundesliga waren das Abschneiden der Echterdinger mehr und mehr durchwachsen. Der 3. Platz im Jahr 1966 fällt unter den Ausnahmen, die die Regel bestätigen. 1967 stieg Echterdingen als 14. der Tabelle in die A-Klasse ab. Der TVE hatte dabei nur 2 Punkte Rückstand auf Platz 8, Neuling TSV Zuffenhausen, und hatte von den Mannschaften auf Platz 9 bis Platz 16 die beste Tordifferenz. Jedoch erhielt der FCTV Urbach einen Sieg per Wertung zugesprochen, was nach damaligem Amateurreglement nicht über Auf- oder Abstieg entscheiden durfte. So wurde am 28. Mai 1967 in Eltingen ein Entscheidungsspiel zwischen beiden Teams anberaumt, das die Urbacher vor 1.000 Zuschauer mit 2:1 für sich entscheiden konnten.

Überraschend - und das spricht sowohl für Urbach als auch für Echterdingen - bescheinigten Beobachter den Spielern trotz der Dramatik und dem "Sein oder Nichtsein" eine auffallende Fairneß. Die erste Viertelstunde stand ganz im Zeichen der Echterdinger, die aber zwei faustdicke Chancen nicht im Kasten von Urbachs Keeper Walter unterbringen konnten. Danach bekam auch Torhüter Selje im Kasten des TVE Gelegenheit genug, seine Klasse zu beweisen, und der 0:0-Pausenstand entsprach dem Spielverlauf. Nach dem Seitenwechsel geht Echterdingen in Führung (der Torschütze ist in meiner Zeitungsausgabe leider nicht überliefert), doch durch einen 20-m-Freistoß kam Urbach bald zum Asugleich. Erst in der 86. Minute erfolgte der Siegtreffer, und die letzten Minuten machten die Remstäler "dicht", und ließen dem TVE keine Torchance mehr zu.

Die Zeit in der A-Klasse, was in etwa der Bezirksliga entspricht, brachten keineswegs bessere Ergebnisse. Erst 1974 gelang die Rückkehr in die 2. Amateurliga, sicherte sich Echterdingen unter 17 Mannschaften Platz 10. Im entscheidenden Spieljahr 1977/78 vor der Einführung der Amateur-Oberliga Baden-Württemberg konnte sich Echterdingen als 14. nicht für die Landesliga qualifizieren und wurde der Bezirksliga zugeordnet. 

In der Folgezeit mußte man zunächst zusehen, wie man Vereine á la SKG Botnang, TV 89 Zuffenhausen oder SV Bonlanden an sich vorbeiziehen lassen mußte. Erst 1984 gelang mit vier Punkten Vorsprung auf Stuttgart-Ost der Aufstieg in die Landesliga, in der Echterdingen allerdings nur einen Sommer tanzte. Als Tabellenletzter stieg man mit nur 19 Punkten postwendend wieder ab. In der Bezirksliga Stuttgart pirschte man sich langsam wieder heran, kam über Platz 6, Platz 4 und Platz 2 im Jahr 1989 mit fünf Punkten vor Traditionsverein SpVgg Feuerbach wieder ins Landesligaziel. Wieder stand der direkte Wiederabstieg auf dem Programm, obwohl man mit Hans-Peter Klauss die Nummer 4 der Landesliga-Torjäger in den Reihen hatte.

Die Rückkehr in die Landesliga mußte bis 1995 warten, als der TVE mit dem Torjäger-Duo Klaus Kattenberg (22 Treffer) und Ronald Englisch (11 Tore) mit 52-8 Punkten die Konkurrenz auf die Plätze verwies (Tabellenzweiter Georgii-Allianz hatte 7 Punkte Rückstand). Man hielt sich diesmal ein wenig länger, mußte jedoch 1998 wieder zurück in die Bezirksliga Stuttgart, wo eine neue lokale Konkurrenz wartete, der SC Echterdingen (heute Ligakonkurrent Calcio Leinfelden-Echterdingen). Während der TVE postwendend in die Landesliga zurückkehrte, ging der SCE mit Platz 4 auf Lauerstellung. 


Nach Platz 5 1999/2000, stieg der TV Echterdingen 2001 deutlich ab, traf damals nicht nur auf die lokale Konkurrenz SC Echterdingen, sondern auch auf Normannia Gmünd (0:4, 0:3). Nach der Rückkehr 2002 etablierte man sich erst mal in der Landesliga, klopfte sogar an die Verbandsliga an, doch diese Tür wurde erst 2009 geöffnet, als man als Landesligameister mit 10 Punkten Vorsprung aufstieg. Zu aller Überraschung überstand man zwar das erste Jahr in der höchsten Verbandsklasse, überlebte aber nicht das verflixte zweite Jahr - wenn auch sehr knapp. Seit 2012 ist man wieder in der Landesliga beheimatet, hat aber immer noch den Geschmack der Verbandsliga im Mund.

Kassierer Christian Weik waltet seines Amtes.
Die Anreise mit der Bahn ist eigentlich eine praktische Sache – einmal in eine S-Bahn umsteigen und dann bis Echterdingen durchfahren (auch wenn man in der S-Bahn bei jedem Halt die schwäbische Geografie kennenlernt). Am vergangenen Sonntag jedoch kam es schon bei der Abfahrt zu einer 20-minütigen Verzögerung der Regionalbahn, und mein wohldurchdachter Zeitplan geriet zunehmens in Gefahr. Letztlich kam ich zwar pünktlich in Echterdingen an, lief aber erstmals völlig orientierungslos in die falsche Himmelsrichtung. Vorbei sind diese herrliche Zeiten, als man quasi aus der S-Bahn herauspurzelte und direkt im damaligen Filderstadion (wie es kurz vor dem Abriss aussah, kann man an den Bildern von FCMatze, den ich aus dem Amateurfussball-Forum sehr schätze, sehen) landete. Ende gut, alles gut – der Fehler wurde von mir zeitig bemerkt und ich stand noch vor Spielbeginn im Goldäcker. 




Der Kontrast zum Vortag in Geislingen konnte nicht anders sein. Lag das Stadion im Eybacher Tal idyllisch zwischen bewaldeten Albhängen, so kontert der Goldäcker mit windumtoster Angriffsfläche. Gemeinsam haben die Stadien den Dauerlärm der Technik: klingt bei Geislingen der Eisenbahnknotenpunkt durch, rauscht in Echterdingen ein Verkehrsflugzeug nach dem anderen über das Spielfeld hinweg. 
Es ist zwar windig, aber gewiss nicht kalt, sonst würde Kassierer Christian Weik mir die Eintrittskarte nicht in kurzen Hosen verkaufen. Gut möglich natürlich auch, dass die Menschen auf den Fildern gegenüber uns klimaverwöhnten Remstälern sich einfach nur wettergegerbter geben wollen.

Aber nicht alle Echterdinger sind scheinbar so harte Jungs. Auf der Gegenseite wurde eine überdachte Stehplatztribüne errichtet, und wahrlich, die Mehrheit der Zuschauer dort hält es mit der Heimmannschaft. Auch Stadionsprecher Uli Litsche findet dort seinen Unterstand und hat mit seinem Stehplatz etwas von einem DJ und scheucht hin und wieder schreckhafte Zuschauer auf, die sich leichtfertig neben einem Lautsprecher platziert haben. Lediglich auf der "VIP-Tribüne" nimmt man Platz, verzichtet aber dafür auf ein Dach über den Kopf. Allen gemeinsam ist der sehr familiäre Umgang, der umso deutlicher wird, je mehr Menschen vom Spiel der zweiten Mannschaft zum Hauptspiel herüberwandern.


VIP-Tribüne für die echten Echterdinger
Auch diese Partie stand nicht nur unter dem Motto LOKALRUNDE, sondern wie in Geislingen unter der Aktion des Verbandes Fair Play und "Shake Hands" , was vor dem Spiel auch ausgiebig gemacht wurde. Das Spiel begann, und wie ich es von einer "schnöden" Landesligapartie zwischen Tabellenkinder erwartete, sollte so schnell nichts passieren. Meine Kamera war noch im Schlummerzustand, da ließ Niko Waxmann in der 3. Minute die Gäste aus Köngen jubeln. Boah, das ging aber schnell. Und weil ein Tor so schön ist, probierte im Gegenzug Nils Schaller, wie sich Tore für Echterdingen anfühlen: 1:1 nach 4 Minuten.


So jubelt Köngen.
So jubelt Echterdingen.












 
Die Sicht vom Stehwall ist zwar nicht schlecht, so richtig gefällt es mir aber an der Bande, wo man analog zu Backnang, Geislingen oder Schwäbisch Gmünd direkt am Spielfeldrand steht und voll auf seine Kosten kommt.



Die Entscheidung, den Platz zu wechseln, entpuppte sich als richtig. Auf Höhe des Gästetores sprang mir zwar manchmal der Linienrichter vor die Linse, dafür hatte ich freie Sicht auf das 2:1, nachdem Michael Haigis im richtigen Moment Köpfchen hatte und Felix Lache im Köngener Tor das Nachsehen ließ.

2:1 durch Haigis.
Wenige Minuten später folgte gar das 3:1, nachdem Marc Elsäßer einen Foulelfmeter ins rechte obere Eck platzierte und sich somit für die Statistik eintrug. Das Spiel schien zur einseitigen Angelegenheit zu werden, aber zu diesem Zeitpunkt kam wohl auch der Zaungast auf seine Kosten.










Solange es Zaungäste gibt, kann das Spiel nicht so schlecht sein

Das Spiel gehörte jetzt vom spielerischen nicht unbedingt zu den ganz großen Brüllern, aber vier Tore in einer Halbzeit waren ja schließlich nicht zu verachten. Leid konnte einem lediglich Köngens Torhüter Felix Lache tun, der oft genug ziemlich alleine gegen die Echterdinger dastand. 


"Ja, wo seid ihr denn?" Felix Lache macht die Arbeit alleine.

Mit Schiedsrichterentscheidungen wird wohl immer gehadert

Philipp Wunsch mit dem Vereinserbe
Die Halbzeitpause nutzte ich zu einem neuerlichen Standortwechsel, um das Stadion auch von anderer Seite zu fotografieren. Das Geschehen auf dem grünen Rasen wurde aber schnell zur Nebensache, nicht nur wegen dem Stillstand. Denn Fußballabteilungsleiter Philipp Wunsch, mit dem ich im Vorfeld von LOKALRUNDE Kontakt per Mail hatte, hieß mich persönlich im Goldäcker Willkommen. Da ihm meine Fußballtassensucht, von der ich irgendwie von Autor und Journalist Hardy Grüne angesteckt wurde, bekannt war, sorgt er nicht nur dafür, das ich alle Tassen im Schrank habe, sondern schenkt mir auch eine TVE-Schal nebst Vereinswimpel. Zusätzlich überreicht er mir ein Exemplar von "Vereinsmeierei", die Erinnerungen von TVE-Funktionär und ehemaligen Gemeinderatsmitglied Egon Martin. Zwar ist dies in erster Linie ein Loblied auf das Ehrenamt (nicht nur im Verein), aber durch die Bild- und Textauswahl dennoch interessante Einblicke zur Vereinsgeschichte öffnet.
Damit nicht genug: aus seiner Tasche zaubert er einen wahren Schatz, eine Mühsam zusammengestellte Sammlung zur Echterdinger Fußballgeschichte, wo ich dankenswerterweise einige historische Aufnahmen abfotografiere. Das jemand das Vereinsarchiv auf den Sportplatz mitnimmt, solch' einen Service findet der Fußballhistoriker auch nicht alle Tage. 


Wesentlich schöner als jedes vergilbte Papier ist es jedoch, dass er mich mit Ehrenmitglied Friedrich Steckroth bekannt macht, ein echter Augenzeuge jener Zeit, als die Lederbälle noch braun und boggelhart waren - vor allem beim Kopfball. Und dazu noch mit einem fotografischen Gedächtnis ausgestattet, das keinen Zweifel läßt: der Mann ist genau der richtige Ansprechpartner für mich. Schnell merke ich, wie blöd es von mir ist, zu einem schnöden Fußballspiel nach Echterdingen zu fahren, anstatt sich mal mehr Zeit zu nehmen und einen gemütlichen Plaudernachmittag über die alte Amateurliga zu machen.

Ein weiterer wichtiger TVE-Baustein wird mir noch vorgestellt: Vereinswirt Emanuele Pinto, bekannt für seine Pizzen, winkt aus seinem Käfig. Nein, kein Hooligankäfig; sondern eher ein VIP-Logenbalkon, denn von seiner Terasse aus kann man auch bequem das Spiel verfolgen.

Emanuele Pinto auf dem Logenbalkon

Am Spielfeldrand selber verfolgt man die Partie natürlich direkter, auch wenn die Partie wie ein kaltgewordenes Schneckengulasch immer zäher wurde. Dafür wurde die Rahmenhandlung erfreulicher, und es regnete ja nicht. Als die Sprache auf meine "Fernbeziehung" TV Derendingen kam, da fiel sofort der Name Ebbo Braun. Ja klar, der ehemalige TVD-Trainer und ewige Fünfzigjährige war ja Echterdingen auch mal Lehrer.



Ein Tor fiel dann auch noch, als Marc Brodbeck in der 80. Spielminute den TVE mit 4:1 in Front brachte. "Die sollen noch eins schießen, dann haben wir ein ausgeglichenes Torkonto" höre ich in meiner Nähe sagen. Aber diesen Gefallen kommt man nicht nach. Es bleibt beim Heimsieg der Echterdinger, der für Köngen vielleicht etwas zu hoch ausfiel, aber auch ein 1:2 hätte nur 0 Punkte gegeben. Für Echterdingens Trainer Alexander Kalic, der früher für Normannia in der Landesliga wirbelte, sicher ein zufriedenstellendes Ergebnis, wobei es die Gäste teilweise unnötig leicht machten.

Last, but not least: 4:1 durch Brodbeck

Freude und Erleichterung

Viel zu früh mußte ich nach Spielende wieder aufbrechen, um mich ins "Abenteuer Deutsche Bahn" zu stürzen, dass wieder unnötige Wartezeiten hervorrief.

Dennoch: es war sehr schön, die herzliche Gastfreundschaft des TV Echterdingen kennengelernt zu haben. Ein wenig weiß ich jetzt, was die lebende Amateurfußballegende Bredi empfindet, wenn er ein Stadion besucht und auf alte Freunde trifft. Vielleicht hat sein gutes Beispiel auch dafür gesorgt, dass Gmünder Fußballgäste im Goldäcker herzlich empfangen werden? Dann muß auch mal ihm ein schönes Dankeschön gesagt werden!

Der TVE-Wimpel kam Zuhause gleich an meine "Heldenwand", wo er sich mit dem Wimpel des TV Derendingen gleich angefreundet hat.










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