Freitag, 19. August 2016

Vorgestellt: FC Viktoria Backnang


Aus meiner Sammlung: Nadel des FC Viktoria Backnang
Als am 19. August 1948 im Herzen Backnangs, genauer im Gasthaus "Löwen" in der Marktstraße, der FC Viktoria Backnang ins Leben gerufen wurde, besaß die Gerberstadt bereits einen altehrwürdigen Fußballverein. Hinter dem eingessenen SV Backnang verbarg sich niemand geringeres als der ehemalige FV 1919 Backnang, der heute als TSG Backnang Fußball in der Verbandsliga Württemberg antritt.

1948: Gründung in Notzeiten


In Backnang hatte man eigentlich andere Sorgen, als sich um einen zweiten Fußballverein zu kümmern. Die Infrastruktur der Stadt litt noch unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges. Insgesamt 11 Luftangriffe mußte noch in den letzten Kriegsmonaten die Stadt und ihre Bevölkerung ertragen, und kurz vor dem Einmarsch der Alliierten sprengte man die Brücken über die Murr. Hinzu kam ein Bevölkerungswachstum durch 5.000 Heimatvertriebene, die zwischen 1945 und 1948 nach Backnang kamen, die auch noch untergebracht werden mußten, die "Lohn und Brot" zu finden hatten. Hierbei erwies sich die Ansiedlung von AEG-Telefunken als besonders hilfreich. Zählte die Stadt 1939 noch 11.600 Einwohner, stieg diese Zahl 1946 auf 15.400 und wuchs bis September 1950 auf 18.100 an. Kein leichtes Unterfangen für eine Stadt, auch wenn es in der Kreisbeschreibung von 1980 über Backnang hieß, "die Heimatvertriebenen erwiesen sich stets als ein Element des Friedens und des Fortschritts". Denn ganz so "idyllisch" war es damals keinesfalls. In Backnang wie andernorts sah man diese "Habenichtse" aus den deutschen Ostgebieten und dem Siedlungsräumen Ost- und Südosteuropas äußerst ungern, mitunter gar feindselig. Über die Jahre wurde dieses Mißtrauen natürlich abgebaut, und die seit 1956 "Große Kreisstadt" Backnang übernahm 1971 die Patenschaft über die Volksgruppe der Ungarndeutschen, und noch 1988 wurde eine Städtepartnerschaft mit dem ungarischen Ort Bácsalmás vereinbart, der einst Heimat vieler Backnanger mit ungarndeutschen Wurzeln war.

Ähnlich wie in Schwäbisch Gmünd, wo sich zahlreiche Heimatvertriebene gerne dem Traditionsverein 1. FC Normannia Gmünd angeschlossen hätten und oftmals naserümpfend abgewiesen wurden, vollzog sich auch die Entwicklung in Backnang. Während aber in Gmünd ein Gros der talentierten Vertriebenen bei den Sportfreunden Gmünd eine neue Heimat fanden, wählte man in der Lederstadt den Weg eines eigenständigen Vereins.

Der FC Viktoria war ein Verein der Ungarndeutschen, wie nicht nur Namen wie Tomsics, Slomovics oder Slezak andeuten. Auch die grün-weißen Vereinsfarben dürften eine Reminiszenz an die alte Heimat an der Donau darstellen (Grün und Weiß gelten heute noch als Farben der Donauschwaben). Dem Kind war dabei eine unglaubliche Solidarität in die Wiege gelegt, denn durch eine großzügige Spendenbereitschaft unter den Ungarndeutschen wurde ein finazieller Grundstock für den Club geschaffen. Wesentlich wichtiger waren jedoch die formellen Spielvoraussetzungen, die Teilnahme am Spielbetrieb als auch einen eigenen Sportplatz. Letzteren fand man nach zähen Verhandlungen mit Oberbürgermeister und Leitung des Flüchtlingslagers innerhalb der Stadt auf dem damaligen Seminarplatz. Auch die Zulassung zum württembergischen Spielbetrieb ging sehr zügig voran. Gerade erst gegründet, durfte der Verein bereits für die im September startende Saison 1948/49 antreten.

In der untersten Spielklasse, der B-Klasse, bestritt der Verein bei den Sportfreunden Gschwend (heute TSF Gschwend) sein erstes Pflichtspiel - und ging mit 2:5 baden. Generell war man in der Premierensaison mit dem bezahlen von Lehrgeld beschäftigt, der vorletzte Platz war die Ausbeute 1948/49. Apropos bezahlen: den Sparzwängen der Zeit war geschuldet, dass die Mannschaft viele Auswärtsspiele erwandern mußte...

Die 50er Jahre: Aufbauarbeit


Bereits die zweite Spielzeit war von Erfolg gekrönt. Klüger aus den Spielfehlern des Vorjahres und mit talentierten Spielern verstärkt stand am Ende der Saison 1949/50 die Meisterschaft und der Aufstieg in die A-Klasse fest. Doch nichts währt ewig, und im sportlichen Lebenslauf der Viktoria ging es bis in die C-Klasse hinab, die mittlerweile als unterste Liga eingeführt war. 1953 führte der Weg wieder postwendend nach oben, doch dümpelte der Verein mit wechselnden Erfolg in der B-Klasse herum. Sportlich war zunächst der 3. Platz in der Saison 1956/57 Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Hauptaugenmerk der Backnanger Fußballinteressierten lag damals jedoch auf der TSG Backnang, die im gleichen Jahr Meister in der 2. Amateurliga wurde und zunächst noch vergeblich Anlauf nahm zum Sprung in die 1. Amateurliga Württemberg.

Erfolgreicher hingegen waren die Bemühungen der Viktorianer, den Verein auf eine gesunde Basis zu stellen. Der Verein wuchs auf über 100 aktive und passive Mitglieder an und konnte sogar erstmals Jugendmannschaften am Spielbetrieb melden zu können.  Am 10. Januar 1958 erfolgte der Eintrag in das Vereinsregister als "Fußball-Club Viktoria Backnang e. V.".
Weniger erfolgreich hingegen waren die Verhandlungen mit der Stadt. Die Grün-Weißen sehnten sich nach einer richtigen Heimat, einem Vereinsheim. Die Stadtverwaltung sah hingegen keinen Anlaß, hierfür einen kostbaren Bauplatz dem Club zur Verfügung zu stellen.

1957 bis 1966: Die Ära Runge


Die Hauptversammlung vom 6. April 1957 wählte Heinrich Runge zum neuen 1. Vorsitzenden, was sich als Glücksgriff für den Verein erwies. Runge trug wesentlich dazu bei, dem Verein zu einem kleinen Höhenflug zu verhelfen. Nach Auflösung des Flüchtlingslagers am Seminar erreichte es Runge, dass der Club seine Spiele an der Stadthalle austragen konnte.
Bereits am Ende der Spielzeit 1957/58 konnten die ersten Früchte dieser Arbeit geerntet werden. Nach einem Entscheidungsspiel in Großaspach gegen den punktgleichen TSV Nellmersbach, das 5:1 gewonnen wurde, stand der Aufstieg in die A-Klasse Rems-Murr an, was der heutigen Bezirksliga entspricht. Die folgenden Spielzeiten wurden mit einem zufriedenstellenden 7. Platz in der Premierensaison und einem vielbeachteten 3. Platz 1959/60 abgeschlossen. Lokalrivale TSG Backnang in der 2. Amateurliga war schon in Griffweite.

Doch Glücksgöttin Fortuna warf die Waagschalen wieder zu ungunsten des Vereins um. Die fußballerische Qualität der Kicker in Grün-Weiß konnte nicht gehalten werden, und 1961/62 stand die Rückkehr in die B-Klasse fest. Gerade in dieser Zeit bewährte es sich, Runge die Geschicke des Vereins anvertraut zu haben. Mehrere Leistungsträger verließen den Verein, aber trotz der durch den Abstieg verbundenen finanzellen Einbußen gelang es dem Vorsitzenden, eine leistungsstarke Mannschaft ins Rennen zu schicken, die sich in der B-Klasse konsolidieren konnte.

Einer neuer Spielstil brachte den Viktorianern eine beachtliche Rückkehr in die A-Klasse. Mit 21 Siegen, 1 Unentschieden und 0 Niederlagen machte sich die sportliche Klasse des Vereins 1963/64 unter Trainer Eugen Frohn bemerkbar. Auch fianziell wurden wieder erfreulichere Zahlen geschrieben, konnte der Verein schließlich 48 neue Mitglieder verzeichnen.

Der Traum von der 2. Amateurliga wurde indes auch unter Runge nicht erfüllt, der schließlich 1966 sein Amt zur Verfügung stellte. Auch der Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim blieb von der Stadt unerhört, und der ehemalige Spieler Ludwig Deimel übernahm wahrlich keine leichte Aufgabe, sich dem Erbe seines Vorgängers würdig zu erweisen.

1966 bis 1974: Sportliche Stagnation


Der Traum vom Aufstieg in die 2. Amateurliga blieb ein Traum. Im Gegenteil. Zu viele Leistungsträger mußten durch A-Jugendliche ersetzt werden, und am Ende der Saison 1968/69 fehlte gar ein Punkt zum Klassenerhalt. Viktoria Backnang stand wieder in der B-Klasse, während die TSG Backnang in der Saison 1967/68 sogar Regionalligaluft schnuppern durfte, immerhin damals die zweithöchste Spielklasse.

Natürlich wurde versucht, den sofortigen Wiederaufstieg zu erringen, aber es standen nur ein 3. Platz 1970/71 und ein undankbarer 2. Platz 1971/72 auf der Erfolgsbilanz. Lediglich die Reservemannschaft konnte mit über 100 erzielten Toren einen Meisterwimpel für den Club erringen.

Wiederrum fand ein Umbruch in der Elf statt, rutschte der Club tiefer in der Tabelle ab. Als 1973 das 25-jährige Jubiläum gefeiert wurde, gurkte man in tieferen Regionen der B-Klasse herum.

Mit der Kommunalreform 1972 verlor Backnang nicht nur seinen Kreisverwaltungssitz. Auch durch die Umorientierung der hergebrachten Einzugsgebiete gen Marbach und Gaildorf wurden nicht ersetzt, und durch die mangelnde Anbindung an Fernstraßen verlor die Stadt in den Folgejahren über 2.000 Arbeitsplätze. Wie ein Menetekel mag das verregnete Straßenfest gewirkt haben. Bei Viktorias 25-jährigem Vereinsjubiläum hingegen schien die Sonne, und die Stimmung im Festzelt war noch zuversichtlicher, als Oberbürgermeister Martin Dietrich das Versprechen gab, innerhalb zweier Jahre zur Lösung der Sportplatz- und Vereinsheimsituation beizutragen.

Der Kommunalpolitiker hielt Wort. Bereits am 26. September 1973 erhielt die Vereinsführung die schriftliche Bestätigung der Stadt, dass die ehemaligen Jugendräume in der Stadthalle fortan dem Club als Vereinsheim zur Verfügung stehen würde.

1975 bis 1983: Backnangs Fußball rückt enger zusammen


Ein eigenes grün-weißes Vereinsheim als heimatlicher Fixpunkt schien sich auch sportlich bemerkbar zu machen. Ohne Niederlage zog die Mannschaft souverän ihre Kreise und kehrte 1974/75 als Meister in die A-Klasse zurück. In der Folgesaison spielte man gar lange Zeit um den Aufstieg mit, konnte sogar Spieler vom TSG Backnang verpflichten, dessen große Zeit in der 1. Amateurliga vorbei waren (und der am Saisonende 1976 die höchste Amateurklasse endgültig verließ). Am Ende stand ein zufriedenstellender 8. Platz an, die große TSG war nur noch eine Liga weit entfernt.

Lediglich in der Sportplatzfrage war man noch meilenweit von der 2. Amateurliga weit ab vom Schuß. Der Platz an der Stadthalle glich eigentlich mehr einem Kartoffelacker, und bei Regen wurden regelrechte Schlammschlachten geschlagen.

Der achte Platz konnte in der Saison 1976/77 bestätigt werden. Mittlerweile wurde das Team vom früheren VfB-Torhüter Lorenz Fischer trainiert. Auch 1977/78 blieb die Klasse erhalten, wiewohl das Team erst zum Saisonendspurt aufwachte und sogar noch den 6. Platz belegte.

Das Jahr 1978/79 stand im Zeichen der großen Ligareform im Amateurfußball. Aus den beiden 1. Amateurligen Nordwürttemberg und Südwürttemberg wurde die Verbandsliga Württemberg, aus 5 Staffeln der 2. Amateurliga wurden 4 Staffeln der Landesliga, und die A-Klasse Rems/Murr wandelte sich in eine Bezirksliga Rems/Murr. Sportlich änderte sich in der Gerberstadt nicht viel. Die TSG Backnang als Aushängeschild trieb sich im Mittelfeld der Landesliga herum, die Grün-Weißen im selbigen der Bezirksliga.

Eine neue Ära brach für die Backnanger an. Die Stadt hatte endlich ein Einsehen und könnte sowohl den Grün-Weißen als auch den zahlreichen Leichtatheten eine geeignete und vor allem würdige Sportstätte. Das Karl-Euerle-Stadion, benannt nach dem damaligen ersten Bürgermeister, wurde im Sommer 1979 eingeweiht und dient seitdem der Viktoria als Heimat. Auch sportlich ging es nun unter Trainer Ernst Werner voran. Der Kader wurde sinnvoll verstärkt, und 1979/80 gehörten die Backnanger zu den ernsthaften Aufstiegskandidaten zur Landesliga. Letztendlich mußte man dem VfR Murrhardt den Vortritt lassen mußte, so konnte man mit 36 Punkten und einem hervorragenden 3. Platz erste Ansprüche geltend machen. Mit Freude registrierte man auch den Erfolg über Nachbar TSG beim Murrtal-Pokal in Steinbach.

Auch 1980/81 sprang ein dritter Platz in der Endabrechnung heraus, und 1982/83 scheiterte man diesmal nur knapp als Zweiter am Landesligaaufstieg, während Lokalrivale TSG Backnang den Sprung in die Verbandsliga schaffte. Zufrieden war man indes mit der Mitgliederentwicklung, übersprang man doch erstmals die magische Mitgliederzahl von 300.

1983 bis 1990: Höhenflug mit Ralf Rangnick


Mit einem richtigen Eigengewächs begann ein ungeahnter Höhenflug für Viktoria. Ralf Rangnick, der Jugend der Grün-Weißen entstammend, übernahm 1983 das Traineramt in der Jahnstraße. Vieles wurde anderes: erstmals wurde eine Stadionzeitung ausgelegt, tönten Lautsprecherdurchsagen durchs Stadion, wurden Fanartikel feilgeboten, mehr Sponsoren unterstützten den Club. Aber das wichtigste: Rangnick verschmolz "alte Hasen" und "Junge Hüpfer" zu einem sehr effektiven Team, das von Sieg zu Sieg eilte. Am drittletzten Spieltag war es soweit: der FC Viktoria Backnang stand nach einem 3:0-Sieg über Erbstetten als Bezirksligameister fest und konnte zum ersten Mal den Aufstieg in die Landesliga feiern.

Doch in der Landesliga hörte der Höhenflug längst nicht auf. Die Rangnick-Racker zogen auch als Neuling einsam ihre Kreise in den höheren Tabellenphären. Dies begann am ersten Spieltag mit einem 3:0-Heimsieg über den VfL Schorndorf und führte bereits fünf Spieltage vor Schluß zum sensationellen Durchmarsch vor Traditionsclub Union Böckingen. Ertmals begegneten sich beide Backnanger Fußballclubs in einer Spielklasse, und dann auch noch in der höchsten württembergischen Amateurliga.

Der Erfolg hatte auch einen Wermutstropfen. Der erst 26 Jahre alte Erfolgstrainer Ralf Rangnick wurde vom VfB Stuttgart entdeckt, wo er fortan die Amateure in der Oberliga trainierte. Seinen Spielerpaß hingegen behielten die Backnanger, wo er auch nach wie vor noch in der Verbandsliga antreten wollte, sofern es ihm die Zeit ermöglichen sollte. Mit Rangnick ging auch das 19-jährige Stürmertalent Eugen Gommel zu den VfB Amateuren, während als Nachfolger auf dem Chefsessel zunächst Roland Stampfl vom SV Allmersbach verpflichtet wurde.

Bereits am vierten Verbandsligaspieltag kam es zum prestigeträchtigem Derby unterm Viadukt. Die TSG behielt dabei vor 2.214 Zuschauern die Oberhand. Bohmwetsch brachte den Platzhirsch in der 67. Minute in Front, ehe Knierling durch einen verwandelten Foulelfmeter in der 85. Minute den Todesstoß gegen den kecken Neuling verhängte.

Desaster in Giengen - und überhaupt in der Verbandsliga
Zunächst mit viel Enthusiasmus und einem würdigen Zuschauerzuspruch gestartet (500-600 Zuschauer folgten zu Beginn den Heimspielen), machte sich doch sehr bald der graue Ligaalltag breit. Viktoria nistete sich recht schnell im Tabellenkeller ein, und die Trainerposten wechselten von Stampfl über  Wörner und Kalb zu Freudensprung. Rettung brachte keiner.

Beim TSB Schwäbisch Gmünd gab es wenigstens ein 0:0.

Bei den Kickers-Amateuren ein gewohntes 0:5.
Der Abstieg aus der Verbandsliga führte nicht zum Absturz. Hinter der SpVgg Renningen gab es in der Landesliga-Saison 1986/87 einen beachtlichen 2. Platz. Auch 1987/88 gab es den damals nutzlosen 2. Platz in der Landesliga, der TSV Eltingen zog ins württembergische Oberhaus ein.

Einen Höhepunkt brachte 1988/89 zunächst der WFV-Pokal. Im Achtelfinale unterlag man beim Nachbarn TSG mit 3:2 recht unglücklich. Als Ausgleich hielt man sich endlich in der Landesliga schadlos und konnte mit 8 Punkten Vorsprung vor dem VfL Schorndorf die vielumjubelte Rückkehr in die Verbandsliga feiern.

Diesmal versuchte man, sich länger einzunisten, was auch sehr gut gelang. Am 3. März 1990 wurde gar im Heimspiel die TSG Backnang mit 1:0 zum ersten mal in einem Punktspiel bezwungen, als Jimmy Carter den Ball in der 64. Minute im TSG-Tor versenkte.

In der Endtabelle blieb man hinter TSG Backnang, aber der 7. Platz war die bislang bester Platzierung. Die Mitgliederzahl überschritt die 400er Marke, und fortan nahm sich ein Förderverein die Viktoria zu Herzen.

Ab 1990: launisches Glück

Erhard Fischer, der das Traineramt von Helmut Loistl übernahm und zuvor die C-Jugend des VfB Stuttgart trainierte, sollte für die Saison 1990/91 den Vorjahresplatz wiederholen. Doch das Jahr, das zum großen Durchmarsch des Neulings TSF Ditzingen wurde, brachte schon bald einen Abstiegskampf in die Jahnstraße. Zunächst schien er überstanden zu sein, doch in der Schlußphase leistete man sich einen Schnitzer nach dem anderen, so daß am Ende mit 2 Punkten hinter Eltingen, dass durch den Aufstieg von Vizemeister Kickers Amateure die Klasse hielt, wieder in die Landesliga rückte. Ein kleiner Trost war der 2:1-Sieg über TSG im Etzwiesenstadion.

Harry Griesbeck
Der Aderlaß war groß. Jimmy Carter ging nach Besigheim, Udo Schairer zum VfL Kirchheim, Hermann zum FC Sonnenhof. Für den geschaßten Fischer folgte Harry Griesebeck ins Traineramt, der zuvor immerhin den VfR Heilbronn coachte. Zu den Aufstiegsfavoriten zählte der Absteiger jedoch nicht, und das zu Recht. Ein 4. Platz diente zur Konsolidierung und mußte unter diesen Umständen als Erfolg gewertet werden.

1992/93 bekam Viktoria wieder sein Derby. Die TSG, unter ähnlichen Umständen wie ein Jahr zuvor die Viktoria aus der Verbandsliga abgestiegen, gab wieder seine Visitenkarte im Karl-Euerle-Stadion ab, wo man sich 3:3 trennte.

In den folgenden Jahren machte man sich im vorderen Tabellendrittel breit, wobei man ab 1995 auf die Lokalderbys mit der TSG verzichten mußte, die in die Verbandsliga zurückkehrte. 1996 hätte man selber dorthin gelangen können, schwächelte allerdings zu Saisonende und rutschte schließlich auf Platz 3 ab.

Die Jubelfeiern zum 50. Geburtstag waren gerade erst verklungen, da knisterte es im Gebälk der Viktoria. Fast der gesamte Vorstand trat nicht zu Neuwahlen an und stürzte den Verein in eine tiefe Krise, und auch Trainer Wolf verließ schließlich die Grün-Weißen, die 1999 vor einem Scherbenhaufen standen. Erst im Mai 2000 konnte, nicht zuletzt unter dem Druck des Amtsgerichts, wieder ein ordentlicher Vorstand installiert werden. 

Dennoch folgte 2002 der Sturz in die Bezirksliga, aus der man sogar 2006 in die Kreisliga A abstieg. Bei seinen Anhängern hatte die Mannschaft ordentlich Kredit verspielt. Zwar gelang es postwendend, den Betriebsunfall Kreisliga zu korrigieren, jedoch dauerte es bis 2011, wieder in die Landesliga aufzusteigen. Es gab wieder die langvermissten Derbys mit der TSG, aber auch den sofortigen Wiederabstieg.

Seit 2014 hat man sich wieder in der Landesliga etabliert, wo man zuletzt Mittelfeldplätze belegte. An einer Rückkehr in die Verbandsliga ist in naher Zukunft wohl nicht zu rechnen. Der Verein hat andere Stärken, mitunter in seinem sozialen Engagement. 
Bei den Zuschauerzahlen hingegen rangiert man im Keller der Landesliga. Die Zuschauerzahlen im Fußball stagnieren in Backnang, auch beim Nachbar TSG.

Steckbrief

Fußball-Club Viktoria Backnang e.V.
Gegründet: 19. August 1948
Vereinsfarben: Grün-Weiß
Stadion: Karl-Euerle-Stadion, Jahnstraße
Sportarten: 1 (Fußball)



Erfolge
Meister Landesliga 1985, 1989
Meister Bezirksliga 1984, 2008, 2014

Bilanz der letzten Jahre:

Saison Liga Platz Pkt. T+
T- Zusch. WFV-Pokal Torjäger
2015/16 Landesliga 7. Platz 43 47 : 51 107 1. Runde Shaban Kaplani (10 T./17. Pl.)
2014/15 Landesliga 9. Platz 39 46 : 58 109 1. Runde Fatmir Sylaj (13 T./9. Pl.)
2013/14 Bezirksliga 1. Platz 66 70 : 37 k.A. k.T. Aljoscha Schäffner (24 T./2. Pl.)
2012/13 Bezirksliga 4. Platz 48 64 : 40 k.A. k.T. Shaban Kaplani (25 T./1. Pl.)
2011/12 Landesliga 15. Platz 27 43 : 81 137 2. Runde Aljoscha Schäffner (15 T./10. Pl.)
2010/11 Bezirksliga 1. Platz 76 100 : 26 k.A. k.T. Aljoscha Schäffner (30 T./1. Pl.)
2009/10 Bezirksliga 2. Platz 61 66 : 36 k.A. k.T. Shaban Kaplani (17 T./6. Pl.)
2008/09 Bezirksliga 3. Platz 53 66 : 33 k.A. k.T. Shaban Kaplani (11 T./14. Pl.)
2007/08 Bezirksliga 8. Platz 48 70 : 63 k.A. k.T. Felix Nothacker (27 T./1. Pl.)
2006/07 Kreisliga A 1. Platz 64 83 : 35 k.A. k.T. Felix Nothacker (28 T./1. Pl.)
2005/06 Bezirksliga 14. Platz 35 44 : 51 k.A. k.T. Felix Nothacker (12 T./14. Pl.)
2004/05 Bezirksliga 9. Platz 34 47 : 52 k.A. k.T. Felix Nothacker (12 T./11. Pl.)


Als Quellen wurden verwendet:
* "Von gestern bis heute. Die Geschichte des FC Viktoria Backnang 1948 - 2008"
* Verschiedene Württemberg-Bücher des Deutschen Sportclubs für Fußballstatistiken
* "Fußball in Baden-Württemberg", Band 1 und Band 2 (1978-1994)
* Die Kreisbeschreibungen des Kreises Backnang von 1959 und des Rems-Murr-Kreises von 1984
* Archiv des Verfassers

Kommentare:

  1. Hallo Herr Jablonski,

    vielen Dank für diese schöne Historie. Anmerkung: 1948: Gründungslokal war das Gasthaus Löwen, Marktstraße 22

    Grüße
    Reinhard Kobald
    FC Viktoria Backnang
    Ressortleitung Finanzen

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    1. Hallo Herr Kobald,

      vielen Dank für die Rückmeldung. Wird natürlich angepaßt.

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